Thomas Godoj im exklusiven Interview

Thomas Godoj im Interview
Seit seinem DSDS-Sieg 2008 ist Thomas Godoj erfolgreich im Geschäft und tourt in regelmäßig ausverkauften Hallen und Clubs. Parallel zur Veröffentlichung des neuen Albums startet auch die neue Tour.

„Ich kann auch anders!"

Gedankenlos, schlampig und unzuverlässig ... Zunächst klingt es nicht nach einem Loblied auf die Männer dieser Welt, wenn man sich Thomas Godojs Single „Männer sind so“ anhört. Der Titelsong des Albums, das am 31. Mai erscheint, überrascht mit einer neuen, humorigen Facette des stimmgewaltigen Sängers. Wir haben den 35-Jährigen in Köln getroffen und erfahren, was sich in den vergangenen fünf Jahren für ihn verändert hat, wie er seine DSDS-Teilnahme heute sieht – und über welchen Fan er sich während der Tour ganz besonders freut.

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Von Nicole Feybert

Glückwunsch zur neuen Single „Männer sind so“. Du spielst darin ja ungemein mit den Mann-Frau-Missverständnissen. Mal ehrlich: Sind Männer so?

Thomas Godoj: Ich habe mit Klischees gespielt, und wollte mal ein bisschen humorvoller daherkommen – was ich bisher ja noch nicht so gemacht habe und wie man mich nicht kennt – zumindest noch nicht in Songs. Das ist eine neue Seite von mir, die ich unbedingt mal loswerden wollte. Ob Männer so sind? Das ist ein humorvoller Song, man sollte das ein bisschen mit Augenzwinkern betrachten. Klar gibt’s da Beziehungen, bei denen das in einer gewissen Tragik endet, aber ich sehe das eher humorvoll. Man diskutiert immer über Kleinigkeiten, und manchmal sollte es mehr nach dem Motto ‚Lass mal gut sein und eine Runde spazieren gehen‘ laufen, anstatt sich über sowas einen Kopf zu machen.

Vor allem beim Video zur Single, in der solche Konflikte mit Augenzwinkern gezeigt werden, können wohl viele Frauen nur nickend zustimmen ...

Godoj: Kommt vor, ne? (lacht) Passiert aber auch, dass das auch mal umgekehrt sein kann ...

… Erfahrungswerte?

Godoj: Na klar. Nimm als Beispiel nur mal das dreckige Handtuch, das herumliegt, wenn man zu viel Stress hat, um aufzuräumen. Damals, als ich eine Freundin hatte, aber noch keine Kinder da waren, hat man solche Sachen natürlich erlebt. Jetzt sind zwei kleine Kinder zuhause, da muss man eher Vorbild sein.

Bei deinem vorherigen Album hast du deine Fans per Facebook voten lassen, welcher Song ausgekoppelt werden soll. Könntest du dir das nochmal vorstellen?

Godoj: Ich wollte das damals einfach mal testen und die Fans daran teilhaben lassen. Die jetzige Single wollte ich selbst unbedingt, aber bei der nächsten Single oder dem nächsten Album werde ich die Fans wieder mit einbinden.

"Als Technischer Zeichner wäre ich nicht glücklich geworden"

Thomas Godoj gewann 2008 bei DSDS
„Erfolg, den man geschenkt bekommt, hält nicht ewig. Den muss man sich erarbeiten“, so Thomas.

Wie klingt dein neues Album im direkten Vergleich zu den drei Vorgängern?

Godoj: Ich bin jetzt mit den Jahren da angekommen, wo ich immer hinwollte. Vom Sound her ist es mit dem letzten Album vergleichbar, nur etwas experimentierfreudiger. Die Alben davor muss man ein wenig ausgrenzen. Das war nach dem ganzen DSDS Hype, da hatte man erstmal nicht die vielen Möglichkeiten gehabt, zu experimentieren. Diese Entwicklung musste erst stattfinden. Ich habe z.B. auch ein Duett, sehr untypisch, in deutscher/englischer Sprache, mit Jael Malli, der Sängerin von Lunik. Das ist eine in der Schweiz sehr erfolgreiche Band, die englischsprachige Musik macht. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals ein Duett singen würde.

Sie singt Englisch, du deinen Part auf Deutsch. Könntest du dir vorstellen, künftig auch englische Songs aufzunehmen?

Godoj: Bestimmt. Auf meinem zweiten Album hatte ich ja auch alles sehr multikulturell gehalten und sogar einen polnischen Song aufgenommen. Von Album zu Album entwickelt man sich immer ein Stück weiter.

Welcher Song aus dem neuen Album ist dein persönlicher Favorit?

Godoj: Alle! (lacht) Ich bin mit allen Songs sehr glücklich und freue mich unglaublich auf die Live-Performance. Es gibt natürlich auch Themen, die mich sehr erschüttert haben und mich dazu brachten, einen Song zu schreiben. Da gibt es den Song „Sterne“, der sich mit dem Thema Selbstmord beschäftigt. Das ist eine sehr tragische Geschichte, die ich von jemandem mitbekommen habe, und die mich so berührt hat, dass ich sie gesanglich umsetzen musste. Das ist ein Thema, über das man ja nicht so gerne spricht. Ob das Themen sind wie Tod oder Kindesmissbrauch, über das ich mir auch schon mit dem Song “Winterkinder” Gedanken gemacht habe - ich schaue immer, dass ich mich auf meinen Alben auch mit wirklich ernsten Themen auseinandersetze, die wichtig sind, aber über die man oft nicht spricht.

Der Song „Was wäre, wenn“ handelt z.B. von verpassten Chancen im Leben. Ist das auch ein Erfahrungswert?

Godoj: Ja, das ist eine wahre Geschichte, aber die meines Vaters. Seine Vergangenheit hat mich sehr bewegt, als er mir erzählt hat, was er eigentlich werden wollte. Er war immer schon ein großer Filmfan und wollte Schauspieler werden. Das hat aber nicht funktioniert – aus den Gründen, die ich im Song beschreibe. Diese Geschichte hat mich so bewegt, dass ich über vergebene Chancen einfach mal schreiben wollte. Ich selbst habe in meinem Leben versucht, meine Chancen zu nutzen, und es irgendwie geschafft. Ich bin dafür dankbar, und wäre in einem Leben als Technischer Zeichner bzw. mit dem Studium danach wahrscheinlich nicht glücklich geworden.

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