The Weeknd: Der James Blake der Massen

The Weeknd: Der James Blake der Massen
"Beauty Behind The Madness" heißt das neue Werk von The Weeknd © Republic

Erst der Schock: Michael Jackson lebt. Oder der 25-jährige Abel Tesfaye hat ihm seine Stimmbänder entwendet und sich einsetzen lassen. Der Kanadier nennt sich The Weeknd und sieht gerade ein großes glitzerndes Loch in der Welt des Pop klaffen: "These kids, you know, they don't have a Michael Jackson. They don't have a Prince. They don't have a Whitney. Who else is there? Who else can really do it at this point?", zitiert ihn die "New York Times". Man könnte jetzt entgegnen: "Do what?!" - oder Beyoncé, Kendrick Lamar und Taylor Swift aufzählen. Aber vermutlich wollte der Junge mit der wilden, halb-ausgewachsenen Dreadlockfrisur und den sanften Gesichtszügen eher dezent darauf hindeuten, dass er dazu bestimmt ist, der nächste King of Pop zu sein.

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Schöner Wahnsinn

In Sachen Selbstbewusstsein hat Tesfaye, der mit 17 die Schule abgebrochen hat, weil "School is for Losers", jedenfalls kein Problem. Das dürfte auch der Grund dafür sein, warum sich sein neues Album nun sehr viel gefälliger anhört als sein bisheriger Output. "Beauty Behind The Madness" ist neuer Stoff für die Future-RnB-Fans da draußen, die FKA Twigs, Frank Ocean und James Blake nicht mehr hören können. Und für die, die FKA Twigs, Frank Ocean und James Blake auf ihren iPods immer geskippt haben, weil ihnen der Sound eigentlich doch zu sperrig, zu reduziert, zu avantgardistisch war. Die mit Falsett überzogenen kunstvollen Soundscapes hat The Weeknd zwar auch drauf, aber damit erobert man nicht die Chartspitze. Deshalb gibt es auf "Beauty Behind The Madness" Schönheit vor Wahnsinn zu hören.

Oder sagen wir es so: Es gibt den Wahnsinn in Textform und die Schönheit in Melodien zu hören. Es finden sich eine Menge Hits auf diesem Album, das für Tesfaye streng genommen erst das zweite ist, wenn man die Mixtape-Trilogy nicht mitrechnet und in Sachen Songwriting und Produktion mit Sicherheit zu den besten Popalben des Jahres gehört. Dass hier Profis am Werk sind, war spätestens seit den Weeknd-Beiträgen für die Soundtracks zu "Fifty Shades Of Grey" oder "Die Tribute von Panem" klar. Mit Lana del Rey und Ed Sheeran als Duett-Partner beweist der Kalifornier zudem Marktkenntnis und Stilsicherheit.

Damit ist The Weeknd jetzt natürlich ein Fall für die "Früher war er super, aber dann wurde er Mainstream"-Schublade. Das anvisierte Zielpublikum - also den Mainstream - wird das ja aber nicht stören. Hinter der Schönheit der glatten Popmusik, die mit Streichern, Kinderchor oder einem ausufernden Gitarren-Solo auch gerne auf theatralische Momente setzt, hören wir Texte, die von Selbstzerstörung, Drogen, Affären und weiteren First-World-Problemen erzählen. "I only love it when you touch me, not feel me / When I'm fucked up, that's the real me" ist so eine Zeile, die sich die Generation Y sicher begeistert auf die Pulsader stechen lassen würde. Von dem verlorenen Lebensgefühl dieser vom Glück überforderten Generation kann man halten, was man möchte. The Weeknd hat es auf jeden Fall auf den musikalischen Punkt gebracht.

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