"The Walking Dead": Die Mutter aller Cliffhanger

"The Walking Dead": Die Mutter aller Cliffhanger
Rick (Andrew Lincoln, l.) und seine Freunde sehen sich einer schieren Übermacht gegenüber © AMC

Mit morbider Faszination haben die "Walking Dead"-Fans auf die Vorstellung des neuen Serien-Scheusals Negan (Jeffrey Dean Morgan) gewartet. Auch kein Wunder, wurde dessen Ankunft doch quasi über den gesamten Verlauf der sechsten Staffel Stück für Stück aufgebaut. Ein dementsprechend Grundfesten erschütterndes Finale sollte es werden. Eines, das die Zuschauer so hart trifft, als habe Negan seinen Baseballschläger "Lucille" höchstpersönlich in die Magengrube jedes einzelnen gerammt. Und was soll man sagen, es ist den Machern mit der letzten Folge "Last Day On Earth" gelungen. Wenn auch auf gänzlich andere Weise als erwartet - oder von manchen Fans erhofft.

- Anzeige -

Finale von Staffel sechs

Im folgenden Text werden die Ereignisse des "Walking Dead"-Finales besprochen. Daher gilt: Achtung, Spoiler!

Schon das Ende der vorangegangenen Folge hatte es in sich: Daryl wurde von hinten niedergeschossen, sein Blut spritzte als martialische Abblende über die Kameralinse. Und auch um die schwangere Maggie musste man sich Sorgen machen. Sie brach unter starken Schmerzen zusammen. Das Finale startet daher mit Ricks Versuch, Maggie so schnell wie möglich zu einem Arzt der Hilltop-Kolonie zu bringen. Gemeinsam mit ihr und seinem Sohnemann Carl, Abraham, Sasha, Eugene und Aaron begibt sich Rick auf Rettungsmission - doch der neue Bösewicht Negan hat etwas dagegen.


Eine Straßenblockade nach der anderen erwartet Ricks Recken, jede mit einer größeren Gruppe von Negans Schergen besetzt. Diese Demonstration von absoluter Macht hinterlässt sichtliche Spuren bei Rick - seine Durchhalteparolen müssen im Nachhinein selbst in seinen eigenen Ohren zunehmend unglaubwürdig geklungen haben. Und am Ende hilft natürlich auch Eugenes Ablenkungsmanöver mit dem Campingbus nichts - er und alle anderen finden sich in den letzten zehn Minuten auf Knien kauernd vor Negan wieder, auf schrecklichste Art mit Michonne, Glenn, Rosalita und dem angeschossenen Daryl vereint, die Negans "Saviors" in der Episode zuvor haschten.


Ziemlich viel Leerlauf

Die abschließenden Staffelfolgen von "The Walking Dead" sind traditionell etwas länger als die herkömmlichen Episoden. Genauer gesagt rund 20 Minuten gab es am Sonntag im US-Fernsehen oder nun am Montagabend hierzulande bei Sky obendrauf. Doch ausgerechnet in "Last Day On Earth" wirkte dieser Zuschlag verschenkt. Vor allem die Nebengeschichte um die verletzte Carol, die nach der Schießerei mit einer kleinen Gruppe von Morgan aufgespürt wird, wirkte beinahe wie ein Fremdkörper. Die Episode hätte locker in das Zeitkorsett einer herkömmlichen Folge gepasst, wäre selbst dann noch über weite Strecken eine eher behäbige Ausgabe gewesen. Wie die Ruhe vor dem Sturm wirkten die ersten 50 von rund 65 Minuten - ein Sturm, dessen Auswirkung der Zuschauer aber erst im Oktober spüren wird.


Denn der diabolische Negan prügelt zwar tatsächlich eine Figur von Ricks Gespann brutal zu Tode, der Zuschauer sieht aber nicht, wen es erwischt. Mithilfe des Abzählreims "Ene mene miste" wählt er sein Opfer, doch bevor die Identität offenbart wird, springt die Kamera in dessen Perspektive. Der Baseball-Schläger rast herunter, wie in der Folge zuvor läuft Blut die Kameralinse hinab. Danach wird der Bildschirm schwarz, nur die Schläge hört man noch auf zunehmend weniger Widerstand treffen. Dann ist das Finale vorbei.


Es kann fast jeder sein

Mit Ausnahme von Morgan, Carol, Vater Gabriel und der kleinen Judith könnte es also fast jeden der lieb gewonnenen Charaktere getroffen haben - immerhin knieten elf Stück am Ende vor Negan. Comic-Fans wissen natürlich, dass in der Vorlage Glenn das kürzeste Streichholz zog und ermordet wurde. Von der Originalgeschichte ist die TV-Serie aber inzwischen meilenweit entfernt und damit keine der Figuren sicher, auch Fanliebling Daryl nicht.


Unter dem Begriff "Cliffhanger" müsste bei Wikipedia künftig eigentlich ein Bild aus den letzten Sekunden von "Last Day On Earth" prangen. Doch dieses Musterbeispiel künstlicher Spannung macht viele Fans auch sauer: Zu lange wurde auf diesen Moment in Staffel sechs hingearbeitet, ohne dem Zuschauer die Gewissheit zu gönnen, welchen Charakter Negan nun so bestialisch aus dem Leben prügelte. Wie das TV-Pendant von Clickbait mutete das Staffelfinale an und was wohl die meisten Fans besonders daran stört ist das Wissen, dass es funktionieren wird.



spot on news

— ANZEIGE —