'The Walk' von Robert Zemeckis: Nie war 3D realer als über den Dächern New Yorks

'The Walk' - Kinostart: 22.10.2015
Bei dieser Aussicht könnte es einem bange werden.

5 von 5 Punkten

Höhe macht mir eigentlich nichts aus. Dachte ich. Eigentlich. Dann kam 'The Walk'. In 3D. 417 Meter hoch über dem Boden balanciert Philippe Petit auf einem Drahtseil von einem Turm des World Trade Centers zum anderen. Ein Nervenakt – und gleichzeitig das Eindrucksvollste, was das Kino seit langem bietet.

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Von Lukas Pöggeler

Nach seinen Mega-Erfolgen wie 'Zurück in die Zukunft', 'Forrest Gump', 'Cast Away' und 'Flight' ist Kult-Regisseur Robert Zemeckis zurück. Mit 'The Walk' liefert er nun ein unglaublich bildstarkes Werk ab und entführt den Zuschauer in das Paris und New York der 70er Jahre. Statt schnöder Auftritte im Zirkus möchte Seiltänzer Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) hoch hinaus. Da kommt es wie gerufen, dass in New York das World Trade Center gebaut wird. In 417 Metern Höhe will Petit die 60 Meter zwischen den beiden Twin Towern auf einem Drahtseil überbrücken. Um den illegalen Coup zu schaffen, sucht sich Petit einige Komplizen – darunter seine Freundin Annie Allix. Doch bei den Vorbereitungen für das riskante Unterfangen läuft nicht alles problemlos ab.

Joseph Gordon-Levitt ('Inception' und 'Batman – The Dark Knight Rises') mimt Petit und fesselt den Zuschauer mit seiner eindringlichen und engagierten Spielweise von Beginn an. Da wird auch der seltsame Haarschnitt schnell verziehen. Ein kleines Manko des Films ist der erste Teil. Petits doch recht unspektakuläres Leben in Paris könnte schneller erzählt werden. Aber einige aufwendige Kamerafahrten und Farbeffekte peppen auch diesen Teil der Geschichte auf.

Wer sich trotz Höhenangst in 'The Walk' wagt, wird belohnt werden

'The Walk' - Kinostart: 22.10.2015
Philippe Petit kurz vor seinem Drahtseilakt vor der beeindruckenden Kulisse von New York.

Richtig Fahrt nimmt der Film aber auf, als Philippe Petit mit seinen Komplizen nach New York fliegt. Die Vorbereitung des Coups und vor allem die Umsetzung sind purer Nervenkitzel. Noch nie war 3D in einem Blockbuster beeindruckender – ja geradezu real – als in den Balance-Szenen von Petit.

Auch die Twin Tower des World Trade Centers sind imposant in die Skyline New Yorks eingefügt. Hat man zu Beginn des Films noch automatisch die aufsteigenden Rauchschwaden vom 11. September 2001 vor dem inneren Auge, schafft es der Film, dass die Türme nicht nur mit dem Anschlag im Kopf bleiben, sondern auch mit dem unvergesslichen Balanceakt Petits.

Vor allem Sir Ben Kingsley als grummeliger Mentor Papa Rudy und Steve Valentine als Petit-Bewunderer Barry Greenhouse ergänzen Joseph Gordon-Levitts überzeugendes Schauspiel grandios. Lediglich die kleine Liebesgeschichte zwischen Petit und seiner Freundin Annie Allix (Charlotte Le Bon) wirkt zu konstruiert und bleibt bedeutungslos.

Eine fesselnde Geschichte überragend umgesetzt von Kultregisseur Robert Zemeckis. 3D-Effekte, die wohl jedem Nervenkitzel bescheren. Einen überzeugenden Joseph Gordon-Levitt in der Hauptrolle und glanzvolle Nebendarsteller. 'The Walk' bietet alles, was ein außergewöhnlicher Film benötigt. Wer sich trotz Höhenangst in den Film wagt, wird belohnt werden – sollte zur Sicherheit aber lieber Unterstützung mitnehmen.

Kinostart: 22.10.2015

Genre: Biografie

Originaltitel: The Walk

Filmlänge: 123 Min.

Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Ben Kingsley

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