'The Voice of Germany'-Finalistin Judith van Hel im exklusiven Interview

"Da hat mein Herz einen Hüpfer gemacht"

Tattoos von Kopf bis Fuß, Piercings und kurz geschorene Haare: Der erste Eindruck von Sängerin Judith van Hel wirkt eher hart. Dabei verrät die Finalistin von 'The Voice of Germany' im exklusiven Interview: "Ich habe auch eine weiche Seite."

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Von Janina Lenz

Judith, du hast dich mit 27 Jahren entschlossen, bei der Castingshow 'The Voice of Germany' mitzumachen. Warum?

Judith van Hel: Ich habe mir gedacht: 'Jünger wirst du nicht mehr', also habe ich den Schritt gewagt. Die Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben und wenn ich durch 'The Voice' die Chance bekomme, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen, wäre das natürlich der Wahnsinn. Aber das muss ich abwarten.

Das klingt, als hättest du nicht mit damit gerechnet, so weit zu kommen und es sogar bis ins Finale zu schaffen?

Judith: Auf keinen Fall. Schon im Casting waren hammermäßige Leute dabei. Natürlich ist meine Stimme etwas anders als die von anderen Kandidaten, aber ich kann beispielsweise nicht zehn Schleifen singen und ich habe Klavierspielen auch nur als Autodidakt gelernt.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Judith: In meiner Heimatstadt Wermelskirchen habe ich in diversen Schülerbands gesungen und bin mit meiner Band 'Never Say Die' seit 2005 auch bei größeren Veranstaltungen aufgetreten. Und seit vier Jahren covere ich mit meiner Band 'Ritaleen' Punkrock-Songs. Aber diese Schiene passt nicht zu 'The Voice' – und ich habe auch eine weiche Seite. (lacht)

Aber gerade durch diesen Punkrock-Look fällst du auf. Siehst du das als Vorteil für dich?

Judith: Natürlich erinnern sich die Leute eher an mich, schließlich sehe ich radikaler aus. Doch genau da scheiden sich auch die Geister: Entweder, die Leute finden mich cool oder total daneben. Ich polarisiere eben sehr. Aber das wusste ja beim Casting niemand in der Jury.

… weil dich weder Nena, noch BossHoss, Max Herre oder dein jetziger Coach Samu Haber bei den 'Blind Auditions' sehen konnten.

Judith: Genau. Und ich habe wirklich eher damit gerechnet, dass sich BossHoss umdrehen oder niemand. Im Kopf hatte ich mir schon während der letzten Zeilen eine Dankesrede zurechtgelegt, aber dann hat sich Samu in der allerletzten Sekunde umgedreht und BossHoss haben sich geärgert. Ich dachte echt, mir bleibt das Herz stehen.

Jetzt bist du in Team Samu und hast es mit seiner Hilfe bis ins Finale geschafft. Wie ist es, mit dem Frontman von 'Sunrise Avenue' zusammenzuarbeiten?

Judith: Ich fühle mich nicht, als würd ich dem "großen Samu" gegenüber stehen. Er hat uns Kandidaten eine unglaubliche Wärme entgegengebracht, genauso Brix, der als Produzent auch zum Team gehört. Aber es wird auch viel von uns gefordert: Vor jedem Auftritt wird eine Woche lang jeden Tag geprobt, es gibt Vocalcoachings, Tipps zum Styling und anschließend heiße und kalte Proben im Studio. Um es auf den Punkt zu bringen: So produktiv wie bei 'The Voice' habe ich noch nie gearbeitet.

"Samu ist super entspannt"

Judith van Hel
Nicht nur Judiths Stimme ist extrem charismatisch ...

Samu und seine lustig-süße Art deutsch zu sprechen sind bei den Zuschauern sehr gut angekommen. Erzähl doch mal ein paar Anekdoten.

Judith: Samu ist super entspannt und echt witzig. Es ist echt sehr amüsant, wie er die Dinge eins zu eins ins Deutsche übersetzt. Ich bin zum Beispiel ein 'Unterhund' (Underdog) und einmal hat er zu mir gesagt: 'Du singst wie ein Mann'. Da war ich dann doch etwas geschockt im ersten Moment, aber er meinte, dass ich Power wie ein Kerl habe.

Wie kommst du damit klar, plötzlich überall erkannt zu werden?

Judith: Das ist echt lustig, erst jetzt war ich noch zwischen den Proben in Berlin im H&M, weil ich mir ein T-Shirt kaufen wollte. Plötzlich ist eine ganze Gruppe von Leuten auf mich zugekommen, alle wollten Fotos machen und haben sich mega gefreut, mich zu sehen. Ich freue mich dann total, aber eigentlich bin ich ja kein Star. Ich meine, ich stand bisher erst ein paar Mal bei 'The Voice' auf der Bühne. Aber ich bin nicht berühmt oder so.

Trotzdem findet man deinen Namen immer häufiger in den Medien. Googelst du dich auch selbst und wenn ja, was war das verrückteste Gerücht, das du über dich gelesen hast?

Judith: Am Anfang habe ich mich selbst gegoogelt. Da stand dann zum Beispiel, dass ich meine Dreadlocks damals für viel Geld verkauft habe oder mein Körper zu 90 Prozent tätowiert ist. Das war noch alles ganz lustig. Aber je mehr Meinungen zusammenkommen, desto mehr Kritik ist auch dabei. Deshalb habe ich es jetzt aufgegeben. Einmal, weil ich nicht mehr so viel Zeit habe und froh über jede Minute bin, die ich für mich nutzen kann und weil ich mir heftige Kritik wirklich zu Herzen nehmen würde.

Du hast selbst deine vielen Tattoos angesprochen. Was war das erste Motiv, dass du dir hast stechen lassen und wann?

Judith: Das war mit 21, und zwar habe ich mir ein Konzeptbild über den kompletten linken Oberarm stechen lassen, von der Schulter bis zum Ellenbogen.

Hast du die Tattoos am Anfang gegenüber deiner Familie verheimlicht? Deine Mutter soll ja nicht so begeistert davon sein.

Judith: Meine Mutter kann ich mittlerweile nicht mehr schocken (lacht). Wenn man seine Tochter 18 Jahre lang behütet hat, dann ist das schon schockierend, wenn sie auf einmal ihren Körper anfängt bunt zu bepinseln. Aber meine Eltern haben mich immer so erzogen, dass ich tun soll, was mich glücklich macht.

Apropos glücklich sein: Was war das schönste Kompliment, dass du für deine Musik bekommen hast?

Judith: Das war wohl von Nena. Sie war zu Beginn etwas voreingenommen und hat dann einmal gesagt: 'Ich bin totaler Judith-Fan'! Da hat mein Herz einen Hüpfer gemacht. Ich hätte das echt nie gedacht, aber ich war richtig glücklich. Deshalb gehe ich auch vor jedem Auftritt noch einmal die positive Kritik im Kopf durch.

Deine Fans sind dir auch sehr wichtig, auf deiner Facebook-Seite hältst du intensiven Kontakt.

Judith: Klar, meine Fans geben mir ein wichtiges Feedback. Der Fankontakt ist mir sehr wichtig, denn schließlich sind sie die Leute, die letztendlich auch für mich anrufen würden. Und dann mache ich manchmal so witzige Aktionen, wie mit dem 6.666 Fan vor ein paar Wochen ein Bier trinken zu gehen. Mittlerweile ist die Gemeinde schon auf über 32.000 Fans angewachsen.

Wie bereitest du dich auf das Finale vor? Hast du ein Ritual, was dir Glück bringen soll?

Judith: Im Moment heißt es jeden Tag: proben, proben, proben. Im Finale trete ich mit meinem Song 'Fucking Beautiful' an und habe einen Auftritt mit Samu und mit einem Stargast. Damit ich auch wirklich konzentriert bin, gehe ich nicht viel weg, mache Sport, um den Kopf frei zu bekommen oder gehe in die Sauna. Also, eigentlich bin ich total langweilig (lacht).

Glaubst du an deinen Sieg?

Judith: Ich glaube an mich. Ich merke, dass ich Aura und Ausstrahlung auf der Bühne habe. Aber ich bin nicht Madonna. Und mal ehrlich, die Kiste ist relativ klar: Wenn nicht noch irgendetwas passiert, macht Andreas (Kümmert, Anm. d. Red.) das Ding. Aber ich werde immer weiter Musik machen und vielleicht will ja auch irgendjemand eine Platte mit mir rausbringen (lacht).

Vielen Dank für das offene Gespräch.

Bildquelle: © SAT.1/ProSieben

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