The Veils: Lärm und Loops statt Lieblichkeit

The Veils
The Veils haben die Kurve gekriegt. Foto: Jessica MacCormick © deutsche presse agentur
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Wenn das mal keine Überraschung ist: Eine Band, die vorher gern mit Coldpay, Muse oder Starsailor in den Pathos-Pop-Topf geworfen wurde, entdeckt ihre düstere, raue Seite. So geschehen bei The Veils, der Formation um Sänger Finn Andrews.

Die ruppige Runderneuerung eines bislang meist lieblicheren Sounds steht The Veils gut. Mehr noch: "Total Depravity" (Nettwerk/Soulfood) ist die Wiedergeburt einer mit dem Debüt "The Runaway Found" (2004) interessant gestarteten Indierock-Truppe, die zuletzt ein wenig erstarrt schien. Dazu trägt neben Andrews' Mut zu mehr Loops, mehr Lockerheit und mehr Industrial-Lärm in den zwölf Songs auch das Gastspiel eines unerwarteten Kollegen bei.

"Ein wirklich wichtiger Aspekt dieses Albums ist die Mitarbeit von El-P, den ich vor einer Bar in Downtown Los Angeles kennengelernt habe - woraufhin wir schnell gute Freunde wurden", erzählt der gebürtige Neuseeländer Andrews über die Entstehungsgeschichte des fünften Veils-Studiowerks. Gemeinsam habe man dann den albtraumhaft pochenden, verzerrten Album-Opener "Axolotl" aufgenommen.

Nun muss man wissen, dass El-P alias Jamie Meline ein Rapper des Hip-Hop-Duos Run The Jewels ist und normalerweise auf der Platte einer Band wie The Veils eher nicht zu vermuten ist. Doch Andrews lässt es nicht bei drei sperrigen Auftaktminuten bewenden, sondern legt in mehreren neuen Noise-Tracks mit einer Fülle frischer Ideen kräftig nach. Nine Inch Nails, Nick Cave, Mark Lanegan und Jeff Buckley sind die nächstliegenden Referenzen für das veränderte Klangbild.

Auch einige hochmelodiöse Lieder wie "Iodine & Iron" sind in der Dreiviertelstunde von "Total Depravity" zu hören, aber nie rutschen diese balladeskeren Momente in den hier durchaus möglichen Kitsch ab. So ist die Platte mit "Furnaces" vom britischen Singer-Songwriter Ed Harcourt vergleichbar, der nach längerer Stagnation auf hohem Niveau in diesem Jahr nochmal die Kurve zu einer herausragenden Platte kriegte. Auch The Veils haben das jetzt geschafft.

Konzert: 23.11. Berlin, Bi Nuu


Quelle: DPA
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