'The Signal' mit Brenton Thwaites, Laurence Fishburne und Olivia Cooke: Auf der Suche nach Antworten

The Signal
Die Collegestudenten Nic und Jonah

3,5 von 5 Punkten

Ein Road-Movie, ein Drama oder ein Sci-Fi-Thriller? 'The Signal' von Regie-Newcomer William Eubank bleibt nicht nur in Sachen Genre unklar, sondern auch der Handlung fehlt es streckenweise an Logik. Dennoch bietet der Film neben 'Matrix'-Star Laurence Fishburne als vermeintlichem Regierungsagenten vielversprechende Schauspieltalente wie Brenton Thwaites ('Maleficent – Die dunkle Fee') und schafft es, mit einem für Hollywood-Verhältnisse sehr bescheidenem Budget von nur zwei Millionen US-Dollar beeindruckende Bilder zu schaffen. Leider sind drei Filme in einem dann aber doch zu viel und die Story verliert sich im Laufe des Filmes in zu vielen Details, ungeklärten Fragen und muss schließlich einer Special-Effects-Übermacht weichen.

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Von Bita Baschi

Was zunächst als Road-Movie mit romantischer Nebenhandlung beginnt, geht irgendwann in einen Horrorfilm à la 'The Blair Witch Project' über, dann in ein beklemmendes Psycho-Kammerspiel zwischen Thwaites und Fishburne und endet schließlich in einem Action-Spektakel in 'Terminator'-Manier. Dabei ist die Grundidee zunächst gut: Die Collegestudenten und Hacker Nic (Brenton Thwaites) und Jonah (Beau Knapp, 'Super 8') fahren Nics Freundin Haley (Olivia Cooke, 'Bates Motel') zu ihrem Collegestart nach Kalifornien. Als sie wieder eine Nachricht von ihrem übermächtig scheinenden Hacker-Konkurrenten 'Nomad' erhalten, wollen Nic und Jonah den geheimnisvollen Rivalen endlich stellen und folgen dem Signal an einen abgelegenen Ort in der Wüste Nevadas. Ein fataler Fehler: Die Ereignisse überschlagen sich, Haley wird entführt und die beiden Jungen verlieren das Bewusstsein. Und hier fängt der Film eigentlich erst richtig an: Nic erwacht in einer isolierten Forschungseinrichtung und muss dem undurchdringlichen Damon (Laurence Fishburne) im monströsen, weißen Schutzanzug Rede und Antwort stehen. Als Damon Nic schließlich fragt, ob er vom Planeten Erde sei, wird spätestens hier Nic und dem Zuschauer klar, dass das gar nicht gut ist.

Matrix-Star Laurence Fishburne in Höchstleistung

The Signal
Nic erwacht in einer isolierten Forschungseinrichtung und trifft auf den undurchdringlichen Damon (Laurence Fishburne)

'The Signal' ist nach 'Love' (2011) der zweite Spielfilm von Regisseur William Eubank, der ebenfalls am Drehbuch mit geschrieben hat. Eubank arbeitete vor allem als Kameramann und führte Regie bei Musikvideos, was dem sehr stilisierten Look von 'The Signal' auch anzusehen ist. Der 32-Jährige arbeitete das erste Mal mit einem so bekannten Schauspieler wie Kultstar Laurence Fishburne zusammen. Der 'Man of Steel'-Mime verkörpert in 'The Signal' den mysteriösen Damon, von dem eine bedrohliche Ruhe ausgeht: Fishburnes Stimme und Bewegungen sind so langsam und präzise, als habe er alle Zeit der Welt und als wäre der Ort des Geschehens kein steriler Verhörraum in einem rätselhaften Forschungsinstitut – was noch verstörender wirkt. Nic-Darsteller Brenton Thwaites kann schauspielerisch mit Fishburne mithalten und scheint am präsentesten zu sein, natürlich auch aufgrund der meisten Screentime. Ebenbürtig überzeugend spielt der Australier die verschiedenen Gefühlsfacetten von Nic: Die Verletzlichkeit, weil seine Freundin ihn für ihr Studium verlässt, die Wut auf Damon, weil Nic endlich zu seinen Freunden will und die Verzweiflung, die seine hoffnungslose Situation auslöst.

Aber auch die guten schauspielerischen Leistungen verhindern nicht, dass sich nach recht kurzer Zeit zu viele unbeantwortete Fragen ansammeln: Wer sind diese Leute in den weißen Schutzanzügen, wo sind Haley und Jonah, wurden alle drei von Aliens entführt und was soll die Kuh da? 'The Signal' baut einen Spannungsbogen voller Fragen auf, die Erklärung wird angespannt erwartet, man hofft auf eine befriedigende oder zumindest einwandfreie Aufklärung, aber – das bleibt einem verwehrt. Natürlich müssen Filme nicht alle Antworten auf aufgeworfene Fragen geben, aber bei 'The Signal' schleicht sich das Gefühl ein, als hätten irgendwann zu viele Plot-Fäden zu einem Plot-Knäuel geführt – Knoten inklusive. Dennoch ist 'The Signal' ein außergewöhnlicher Film, der den Zuschauer behutsam in seinen Bann zieht, packt, ab und zu wieder loslässt und am Ende selbst die Entscheidung überlässt, ob Road-Movie, Drama oder Sci-Fi-Thriller.

Kinostart: 10. Juli 2014

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