The Script im exklusiven Interview

The Script im Interview
Danny liebt es auf Tour zu sein. Im Sommer wollen The Script auch bei uns auf Festivals spielen. © Roxana Haus

"Mach keine peinlichen Sachen in der Öffentlichkeit"

Ihr seid Iren, habt aber lange in L.A. gelebt. Wie haben die USA euren Musikstil beeinflusst?

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Danny O´Donoghue: Es ist ein hartes Pflaster für Musiktalente. Im Radio wird wirklich alles gespielt, Hip-Hop, Rap, Rock, Soul, Funk – wobei z.B. in Irland lediglich die „Top Ten“ gespielt werden. Die Top Ten kommen aus den USA nach Irland. Aber den ganzen Rest hört man hier nicht. Wir hatten dort die Chance, all das anhören zu können und es quasi wie ein Schwamm in uns aufzunehmen. Wir haben einen sehr englischen Stil, Songs zu schreiben, und durch diese neue Grundlage mit den amerikanischen Songs kommt man zu einem neuen Sound. Sich ein wenig zu verändern, zu experimentieren, hält die Zuhörer wach und aufmerksam.

Besonders in L.A. habt ihr sicher bemerkt: Je mehr Erfolg, desto mehr Paparazzi …

Danny O´Donoghue: (schaut zu unserer Fotografin): Stimmt, die kommen sogar ins Hotelzimmer. (lacht)

… du scheinst da aber sehr entspannt zu sein. Wie gehst du mit der Meute um, wenn sie dein Haus belagern?

Danny O´Donoghue: Ich lasse sie ihre Fotos machen. Echt jetzt, ich mache da kein Aufhebens, sondern gehe hin. Mein Tipp: Integriere die Tatsache in deinen Alltag, dass Leute Fotos machen wollen oder dich im Restaurant beim Dinner nach einem Autogramm fragen. Stell dir vor, du bist an deren Stelle. Mit einer einfachen Unterschrift machst du irgendjemanden glücklich, und Paparazzi müssen auch ihren Job machen und eine Familie ernähren. Sie verkaufen ihre Fotos, ich bin in der Presse, bekomme Promo, also ist allen geholfen (lacht). Wenn du kein peinliches Foto in der Presse haben willst: Mach keine peinlichen Sachen in der Öffentlichkeit. Ganz einfach!

"Unschätzbar wertvolle Lehrstunde"

The Script im Interview
Erinnerungsfoto mit Danny und Bandkollege Mark Anthony Sheehan. © Roxana Haus

Ihr wart auf Welttournee mit Legenden wie U2 oder Paul McCartney. Was habt ihr von ihnen für eure eigene Arbeit lernen können?

Danny O´Donoghue: Viele Leute fragen mich: 'Was hast du zu Paul McCartney gesagt?'. Gar nichts habe ich gesagt, ich habe den Mund gehalten und zugehört. Ich war überrascht, wie viel Zeit er mit uns verbracht hat. Paul kam zu uns ins Zimmer, wir haben uns lange unterhalten, und es war eine Ehre, von seinem Wissen und seiner Erfahrung zu profitieren. Jeder einzelne Rat von ihm ist wie ein Goldnugget für einen Musiker. Er riet dazu, auf der Bühne immer eine Story zu erzählen, Atmosphäre zu schaffen, bevor man in den Song geht. Das Publikum will wissen, wo der Song herkommt, und was man dazu zu sagen hat. Wir haben ihm dann auf der Bühne zugeschaut, das sah so aus: Das Publikum jubelt, er sagte nur: 'Den nächsten Song habe ich darüber geschrieben, was ich zu John (Lennon) sagen würde, wenn ich ihm heute begegnen würde.' 80.000 Menschen waren schlagartig still und hörten zu. Es war, vor allem nach seinem vorherigen Rat an uns, ein magischer Moment und eine unschätzbar wertvolle Lehrstunde.

Dass neue Album enthält sehr persönliche Songs, u.a. „If You Could See Me Now“ über deine und Marks verstorbenen Eltern. Wie schwierig ist es, diesen Song vor Publikum zu singen?

Danny O´Donoghue: Es kommt darauf an, wo und wann du auftrittst. In einem Morgenmagazin um 7 Uhr mit drei Leuten in einem TV-Studio ginge das gar nicht. In einer großen Halle oder Stadion mit 50.000 Leuten kann es dagegen ein großer Moment sein. Das sind auch die Augenblicke, in denen wir unsere Eltern am meisten vermissen und denken 'Ich wünschte, ihr könntet das jetzt sehen'.

Es gibt da diese Songzeile „I´m looking for your face in the crowd“…

Danny O´Donoghue: Ja, ich suche auch heute noch ihre Gesichter in der Menge, aber ich werde sie nie sehen. Es ist diese Frage 'Würde es euch gefallen?', die nie beantwortet werden wird. Ich finde es gut, was ich mache, nur: Würden sie es genauso sehen? Oder würden sie mir so etwas sagen wie 'Junge, du rauchst zu viel'? Wir fassen in Worte, was wir selbst fühlen, und es gibt neun von zehn Zuhörern, denen es genauso geht.

Du hast mal gesagt, dass du am liebsten dein ganzes Leben auf Tour verbringen würdest. Warum?

Danny O´Donoghue: Was für ein Zufall! Ich habe kürzlich mit Adele darüber gesprochen, und sie sagte, sie könne nur drei Wochen touren, dann müsse sie einfach heim. Ich habe ihr geantwortet: 'Was, drei Wochen? Das ist gerade mal der Start unserer Tour.' Wir sind an 300 Tagen im Jahr unterwegs, das ist verrückt, aber wir haben so lange und so hart dafür gearbeitet, an diesen Punkt zu kommen, das kommt ja nicht von alleine. Und die ersten zwei Jahre weißt du gar nicht so richtig, was mit dir passiert. Du wirst von links nach rechts gezogen, halb bist du mit dem Herzen zuhause, halb auf Tournee. Aber ich genieße es heute sehr und man weiß nie, wie lange man dazu die Gelegenheit hat. Manche Kollegen beklagen sich über das ständige Reisen und die Müdigkeit. Aber hey, es ist doch eine tolle Gelegenheit, die großartigsten Plätze der Welt zu sehen. Und du musst noch nicht mal dafür bezahlen. Ich sitze hier in einem schönen Hotel, in einer tollen Stadt und draußen schneit´s. Okay, ich hasse die Kälte, aber ich liebe den Schnee. (lacht)

Ihr habt im Januar nur drei Shows in Deutschland – können wir euch 2013 noch öfter live sehen?

Danny O´Donoghue: Die drei Auftritte wurden gebucht, bevor „Hall Of Fame“ diesen Riesenerfolg hatte. Bis Oktober ist bereits alles durchgeplant, wir sind nonstop auf Tour. Nach Deutschland kommt das restliche Europa, Irland, Großbritannien, dann die USA-Tour. Aber wir wollen wiederkommen und versuchen auf jeden Fall, im Sommer auch auf deutschen Festivals zu spielen!

Vielen Dank für das Interview

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