The Script: "Ein Song kann den Terrorismus nicht stoppen"

The Script: "Ein Song kann den Terrorismus nicht stoppen"
Marc Sheehan, Danny O'Donoghue und Glen Power (v.l.n.r.) sehen ihr neues Album als sozialen Kommentar auf die Unruhen in der Welt © Sony Music, SpotOn

Neustart mit ihrem Album "Freedom Child"

Nach zwei Jahren Pause ist es Zeit für einen Neustart: Neue Klänge, neue Texte, neue Botschaft. Genau das macht das fünfte Album der irischen Band The Script aus. Auf "Freedom Child" rufen Danny O'Donoghue (37), Mark Sheehan (40) und Glen Power (39) immer wieder auf einfühlsame und doch energische Weise zum Zusammenhalt und Zuhören auf. Wie Band-Gitarrist Sheehan seinem Sohn den Terror erklärt und was es bedeutet, wenn die politisch geprägten Nachrichten die Band sogar bis ins Studio verfolgen, erklären The Script im Interview mit spot on news.

Nach Ihrer letzten Tour haben Sie eine zweijährige Pause gemacht. Wurden währenddessen fleißig Ideen gesammelt oder ist jeder seinen Weg gegangen, um neue Energie zu tanken?

The Script: Jeder hat für sich an neuer Musik gearbeitet und später dann seine Ideen den anderen vorgestellt. Es ist immer gut, mit Ideen bewaffnet zu sein, sonst geht man in unserer Band unter!

Waren Sie sich sofort einig, als Sie mit der Arbeit am neuen Album angefangen haben? Gab es viele Streitpunkte zum Thema "Neustart"?

The Script: Meistens waren wir uns bei Song-Ideen sofort einig. Leider sind manche trotzdem nicht durchgekommen - wir haben über 70 Songs für dieses Album geschrieben, also kann man sich vorstellen, wie hart es war, sich von einigen verabschieden zu müssen.

Wo sehen Sie musikalisch die größten Unterschiede zu den anderen Alben? Sie wollten einen Neustart für The Script. Ist das nicht eine sehr schwere Entscheidung? Besonders, wenn alle bisherigen Alben und Singles ein so großer Erfolg waren?

The Script: Es ging mehr darum, sich als Band weiterzuentwickeln und nicht zu stagnieren. Wir wollen keine Songs wiederholen, die wir in der Vergangenheit schon einmal geschrieben haben. Die Produktion ist der Motor, der den Song nach vorne bringt. Die Songtexte sind, wie sie sind - das sind einfach wir und das können wir nicht ändern. Sie kommen einfach von Herzen. Aber die Produktion kann sich entwickeln und das ist, was wir erreichen wollten. Sie hat uns so viel Veränderung gebracht, dass wir uns schon "anders" fühlen und wir uns heute mit einer neuen Entwicklung präsentieren.

Erinnert man sich an Ihre ersten Hits, geht es meist um Liebe und Herzschmerz. In "Freedom Child" zeigen Sie nicht nur musikalische Neuerungen. Auch die Botschaft in vielen Songs hat sich gewandelt.

The Script: Wir schreiben über Themen, die uns in diesem Moment beschäftigen, wie Schnappschüsse aus unserer kreativen Phase. Liebeskummer-Songs schrieben wir also, weil das in dem Moment in unserem Leben passierte. Dieses Mal hatten wir viel Zeit, um Bilanz zu ziehen und über unseren nächsten Schritt nachzudenken, insbesondere, weil uns die Nachrichten bis ins Studio verfolgt haben. Wir sind keine politische oder religiöse Band, wir wollen darüber als Band nicht sprechen, denn das sind zwei Themen, um die es sowieso in jeder Unterhaltung geht und die Menschen von Anfang an in verschiedene Lager teilt. Aber dieses Mal konnten wir nicht anders - was in der Welt passierte, verfolgte uns ins Studio und floss in die Songs ein. Die Lieder "Divided states of America" und "Freedom Child" sind dafür gute Beispiele.

Die Idee zum Song "Freedom Child" ist unter anderem daraus entstanden, dass Marks Sheehans siebenjähriger Sohn fragte: "Was ist Terrorismus"? Wie erklären Sie ihren Kindern, was gerade auf der Welt passiert?

Mark Sheehan von The Script: Das ist unglaublich hart zu beantworten. Ich bin kein religiöser oder politischer Mensch, darum ist es schwer, Wissen weiterzugeben über etwas, worüber ich selbst kaum Ahnung habe. Ich kann nur ein Lied schreiben und es aus seiner Perspektive betrachten. Ich denke, Hass kann Hass nicht schlagen, aber Liebe kann es! Die Tyrannen tun mir Leid, denn sie handeln aus Neid. Sei du selbst, egal, was passiert und sei frei zu denken, was du möchtest, zu tun, was du möchtest und am wichtigsten: zu lieben wen und wie du möchtest! Es in einem Song zu verpacken, hat für meinen Sohn den Nagel auf den Kopf getroffen.

Haben Sie die Hoffnung, Ihre Songs können etwas verändern?

The Script: Wir sind nicht so naiv, dass wir denken, dass ein Song den Terrorismus stoppen kann. Das versuchen wir gar nicht. Wir stehen für die Menschen, die den Schmerz von all dem erleiden müssen. Wir wollen den Leuten Realitätsflucht anbieten. Unsere Türen standen schon immer offen für jeden Lebensweg, unabhängig von Hautfarbe und Glaube, Alter oder Figur. Wir predigen für Toleranz, sie fehlt heutzutage. Mir scheint es, als würde man heute gleich streiten, wenn man eine Meinung hat. Früher konnte man Unterschiede akzeptieren und Seite an Seite leben. Jetzt sehen wir uns an, als seien wir verschiedene Tiere. Das sind wir nicht, wir sind alle gleich!

Denken Sie, dass sich die Dinge in den nächsten Jahren wieder ändern werden, oder müssen wir uns daran gewöhnen, mit Angst auf Festivals, Konzerte und öffentliche Plätze zu gehen? Ist das die neue Realität?

The Script: Wir denken, das ist die neue Norm. Menschen wollen gehört werden. Und sich heutzutage Gehör zu verschaffen, bedeutet leider, etwas Befremdliches zu tun. Wir sollten uns zusammentun, uns annähern und aufeinander aufpassen. Manchmal braucht es etwas Böses, damit wir uns zu schätzen lernen. Dabei sollten wir uns immer zu schätzen wissen. Hört mehr zu, als dass ihr redet!

Sie bringen Ihren Fans mit Ihren Songs ernste, wichtige Themen näher. Wie erklären Sie sich, dass sich viele Künstler mit politischen Meinungen oder Botschaften in ihren Songs eher zurückhalten?

The Script: Womöglich haben sie Angst, und sie haben auch jedes Recht dazu. Sich politisch oder religiös zu zeigen, könnte die Konzertbesucher in Gefahr bringen. Das wollen wir auch nicht. Wir müssen sie beschützen und ihnen einen Ort bieten, an dem sie ihr Leben genießen können. Wir sehen unsere Songs nicht als politische Statements, eher als Fakten, als sozialen Kommentar. Es ist, was es ist, wir bieten nur an, es zu verstehen - mit unseren Armen und Ohren weit offen, um zuzuhören.

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