'The Riot Club' von Lone Scherfig: Sam Claflin, Max Irons und Douglas Booth lassen es krachen

The Riot Club
Der Höhepunkt des Jahres: Die zehn Mitglieder des "Riot Club" versammeln sich zum traditionellen Dinner in einem Pub auf dem Land.

3 von 5 Punkten

Die Großbuchstaben des Filmplakats verraten eigentlich schon alles: Im 'Riot Club' geht es "verwöhnt", "reich", "sexy" und "verdorben" zu. Und nicht nur das: Durch das Oberschichten-Drama von Regisseurin Lone Scherfig weht die Dekadenz und Arroganz einer längst untergegangen geglaubten Epoche. Und der vermeintlich anständige Kinobesucher fragt sich nach fast zweieinhalb Stunden Eintauchen in die Upperclass: Kann man sich mit dem gewissen Kleingeld im Portemonnaie wirklich alles erlauben?

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Von Janina Lenz

Englands zukünftige Führungsfiguren sind nichts als gebildete Idioten! Das zumindest könnte die Erkenntnis sein, die Drehbuchautorin Laura Wade mit der Adaption ihres Theaterstücks 'Posh' vermitteln will. Denn für die junge Elite an der für ihren guten Ruf bekannten Oxford Universität sind ausschweifende und dekadente Partys nichts Ungewöhnliches. In den Sog dieses luxuriösen Lebens werden zwei Neuzugänge der Universität gezogen: der sympathisch-bescheidene Miles (Max Irons, 'Seelen') und der arrogant-frustrierte Alistair (Sam Claflin, ' Die Tribute von Panem - Catching Fire'). Gerade nämlich sucht der hochexklusive 'Riot Club' – der übrigens eine fiktionale Version real existierender Eliteclubs wie dem Bullingdon Club sein soll – zwei neue Mitglieder.

Nach erniedrigenden Aufnahmeritualen, bei dem etwa mit Maden und Körperflüssigkeiten angereicherter Rotwein zu trinken ist, sind die beiden dabei und ihr erstes Club-Jahresdinner steht an: Bei diesem Anlass wird in Gedenken an Club-Namensgeber Lord Riot immer so richtig die Sau rausgelassen. Dazu mietet sich die Gruppe in einem rustikal-bürgerlichen Pub außerhalb von Oxford ein – denn innerhalb der Stadtgrenzen haben die feierwütigen Clubmitglieder bereits überall Hausverbot – und das aus gutem Grund …

Moralischer Kompass? Fehlanzeige!

The Riot Club
Alistar (Sam Claflin) versucht den Wirt zu provozieren.

Denn mit zunehmendem Alkohol- und Drogenkonsum wird klar: Regisseurin Lone Scherfig zeichnet hier ein wenig dankenswertes Portrait der britischen Oberschicht. Und das ist noch nett ausgedrückt. Das Saufgelage lässt Anstandsfassaden bröckeln, bis der Abend nach verbalen und körperlichen Erniedrigungen eskaliert – und zu einem wahren Psychokrieg mit dem buckelnden Gastwirt (Gordon Brown, 'Walhalla Rising') wird. Der Mikrokosmos des Landgasthofs wird dabei zum Spiegelbild der Gesellschaft. Alles steuert auf den totalen Exzess zu – und einen Endkampf zwischen Oberklasse und Proletariat.

Der Zuschauer selbst fühlt sich nur abgestoßen vom dekadenten und menschenverachtenden Treiben der verwöhnten Upperclass-Schnösel, unter denen Sam Clafin als Neidträger Nummer eins klar als Star der Truppe heraussticht. Deutlich in seinem Schatten steht sein braver Kollege Max Irons, der als bodenständiger Miles allerdings auch die deutlich undankbarere Rolle innehat – erzählerisch jedoch als Gegengewicht der 'Riot Club'-Mitglieder fungiert. So bleibt dem Zuschauer nur noch Studentin Lauren (Holliday Grainger, 'Anna Karenina') als Rettungsanker, weil sie die einzige ist, deren moralischer Kompass noch funktionsfähig ist.

Kinostart: 09.10.2014

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