"The Man In The High Castle": Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte

"The Man In The High Castle": Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte
SS-Obergruppenführer John Smith (Rufus Sewell, l.) ist der Vorzeige-Nazi in "The Man in the High Castle" © Amazon

Wie könnte die Welt aussehen, hätten die Alliierten den Zweiten Weltkrieg verloren? Das, was man sich eigentlich nicht vorstellen möchte, zeigt nun die neue Amazon-Serie "The Man in the High Castle". Basierend auf dem Roman "Das Orakel vom Berge" von Philip K. Dick startet die alternative Weltgeschichte von Showrunner und Produzent Frank Spotnitz (55, "Akte X") und Executive Producer Ridley Scott (77, "Blade Runner") am 20. November in der englischen Originalversion und am 18. Dezember in deutscher Synchronfassung.

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Neue Amazon-Serie

1962, 17 Jahre nachdem die USA den zweiten Weltkrieg gegen Deutschland und Japan verloren haben, kontrollieren die Nazis die gesamte Ostküste und den Mittleren Westen: The Greater Nazi Reich. Die Westküste haben die Japaner besetzt, in der Mitte gibt es eine neutrale Zone. Der Times Square in New York, das Wahrzeichen für Freiheit und Kapitalismus, erstrahlt unter einer riesigen Hakenkreuzfahne. Rechts im Bild: Die Flagge der Vereinigten Staaten, nur statt den derzeit 50 weißen Sternen prangert neben den Streifen die Swastika. Der komplett CGI-animierte Money Shot über das amerikanische Wahrzeichen in der Auftaktepisode macht mächtig Eindruck.

 

Opulentes Kostümdrama

 

Überhaupt, stilistisch gehört "The Man in the High Castle" zweifellos zu den Highlights der Serien-Saison. Trist und dunkel präsentieren sich New York und San Francisoco. Spotnitz und sein Team übernehmen Elemente des Film Noir und der kühlen Dystopie von "Blade Runner". Die gedeckten Farben werden nur gelegentlich von leuchtenden Symbolen der Propaganda gesprengt. Eine völlig verdrehte Realität, die USA unter Nazi-Herrschaft - das sieht so verstörend aus, wie es klingt.

Zumindest nach Ansicht der ersten sechs Episoden (so viele gab Amazon vorab für die Presse frei) drängt sich aber der Eindruck auf, dass die Geschichte hinter dem opulenten Kostümdrama nicht mithalten kann. In Kern der Story steht Juliana Crain (Alexa Davalos) aus San Francisco, deren Schwester ein Mitglied der Resistance ist. Kurz bevor sie stirbt, übergibt sie Juliana eine brisante Filmrolle. Darauf zu sehen: Eine alternative Realität, in der die USA den Krieg gewonnen haben. Der Film wurde vom legendären und ominösen "Man in the High Castle" gemacht.

Juliana schließt sich der Resistance an und macht sich mit dem Film auf den Weg nach Canon City in die neutrale Zone. Zur gleichen Zeit ist auch Joe Blake (Luke Kleintrank) aus New York City unterwegs nach Canon City. Ob er der Resistance oder den Nazis angehört, ist aber nicht ganz klar. Er berichtet regelmäßig an SS-Obergruppenführer John Smith (Rufus Sewell). Eine herrlich diabolische Figur, die sich auch gut in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" gemacht hätte.

Die Geschichte um Widerstand und Verschwörung im Kleinen, und um die Verschiebung der Mächte im Großen - Hitler ist todkrank, Goebbels und Himmler bringen sich in Position und im Hintergrund versuchen Diplomaten, den brüchigen Frieden zwischen Deutschland und Japan aufrecht zu erhalten - wird sehr langsam erzählt. Das spricht für den ernsthaften Anspruch, andererseits dauert es so eine ganze Weile, bis man sich in der ohnehin nicht besonders dynamischen Geschichte zurechtfindet.

 

Fazit

 

"The Man in the High Castle" ist eine gute Serie. Aber eben abseits der "Nazi-Weltherrschafts-Show" zumindest zu Beginn auch ein bisschen beliebig. Mystery- und Science-Fiction-Fans dürften gefallen an den zehn Episoden finden. Aber ob das wirklich für eine zweite Staffel reicht?

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