The Limits Of Control

The Limits Of Control

Von Britta Plötner

Ein elegant gekleideter Amerikaner (Isaach De Bankolé) erhält auf einem europäischen Flughafen von zwei Männern - natürlich mit dunklen Sonnenbrillen! - einen Auftrag. Ein Schlüssel, ein paar dürftige Informationen und eine Streichholzschachtel sind alles, was der geheimnisvolle Fremde mit auf den Weg bekommt. Worum es geht, bleibt im Dunkeln.

Der Mann ist sehr entschlossen, ernsthaft, fast emotionslos. Er macht sich auf den Weg nach Spanien, denn in Madrid beginnt sein Auftrag. Dort soll er sich in ein Café setzen und auf die Violine warten. Mehr weiß er nicht und er stellt auch keine Fragen. Er tut einfach das, was man ihm aufgetragen hat.

Dieses Warten hat Regisseur Jim Jarmusch so gekonnt umgesetzt, dass der Zuschauer mitfühlen kann, wie langsam die Zeit vergeht. Die Minuten ziehen sich wie Kaugummi und wie gelähmt warten alle. Was wird passieren? Und wann wird es passieren? Allein die Neugier lässt einen verharren und aushalten.

Doch es passiert erst einmal nicht viel. Der Fremde wird nach einigen Tagen von einem Mann mit Violine kontaktiert - die beiden tauschen Streichholzschachteln. Eine neue Information liegt bei den Zündhölzern, und der Weg des Fremden führt weiter durch Spanien. Immer neue Stationen – ein neuer seidener Maßanzug. Er trifft auf skurrile Gestalten, ein nacktes Mädchen (Paz de la Huerta) mit schiefen Brüsten, eine Frau mit blonder Perücke (Tilda Swinton), ein Mann mit einer Gitarre.

„Sie sprechen kein Spanisch, oder?“ Das ist die Losung und alle haben sie eines gemeinsam, sie halten eine Streichholzschachtel mit neuen Informationen für den Mann bereit und teilen ihm ihre Weltanschauung mit. Einzig die dunkelhaarige Nymphe kreuzt mehrmals seinen Weg und versucht den Amerikaner zu verführen, doch der lehnt Sex während seiner Arbeitszeit ab. Kann er ihr trauen?

- Anzeige -
The Limits Of Control

Was soll das alles, wohin will der Mann eigentlich und was soll er dort tun? Der Film neigt sich fast dem Ende, doch es gibt keine Hinweise auf den Sinn dieses Auftrags, der Zuschauer tappt im Dunkeln und kann sich auf alles keinen Reim machen. Bleibt die Frage, ob der Regisseur es schafft, in der verbleibenden Viertelstunde die ganze Geschichte rund zu machen...

Keine Aktion, kein Sex, keine Tragik und auch keine ausgefeilten Dialoge – was soll das für ein Thriller sein? Es passiert nicht viel in 'The Limits of Control'. Trotzdem ist die Leistung des Schauspielers Isaach de Bankolé (Miami Vice) herausragend - ohne viel Worte setzt er die Figur des wortkargen und entschlossenen Fremden perfekt um. Die hübsche Paz de la Huerta ('Gottes Werk und Teufels Beitrag') spielt das sonderbare Mädchen mit Charme und aufreizender Unschuldigkeit. Oscarpreis-Trägerin Tilda Swinton passt perfekt in diesen mysteriösen Film – allein ihr Anblick erscheint einem unnatürlich und irreal. Ganz besonders hervorzuheben ist die Kameraführung von Christopher Doyle, der ein wirklicher Künstler ist. Das Spiel mit Licht, Perspektive, Schärfe und Unschärfe beherrscht er gekonnt und sein Blick für schöne Bilder ist einfach herausragend. In manchen Szenen fährt man regelrecht mit, der Blick aus dem Zugfenster könnte der eigene sein, die Fahrt durchs nächtliche Madrid lässt einen fast schwindlig werden.

Fazit: 'The Limits of Control' ist ein leiser Film, ohne viel Worte, bildstark und mit großem Staraufgebot. Trotzdem ist es dem Star-Regisseur Jim Jarmusch (Broken Flowers) nicht gelungen einen durchgängig spannenden und verständlichen Film zu produzieren. Zu viele verwirrende und undurchsichtige Szenen lassen die Geschichte nicht wirklich schlüssig werden. Für Liebhaber von wunderschönen Bildern und Freude an außergewöhnlichen Filmen ist der Soft-Thriller aber durchaus zu empfehlen.

— ANZEIGE —