'The Jungle Book'-Sprecher Armin Rhode: "Ich bin eigentlich ein Nachtmensch"

Armin Rohde: "Ich bin eigentlich ein Nachtmensch"
Armin Rohde spricht in "The Jungle Book" Balu © Disney / Hanna Boussouar

"Das Dschungelbuch" ist ein Kultfilm und er eine Kultfigur darin: Balu, der gutmütige Bär. In der Neuverfilmung von "The Jungle Book" leiht ihm Armin Rohde (61, "Nachtschicht") seine deutsche Stimme. Mit der Nachrichtenagentur spot on news sprach der vielbeschäftigte Schauspieler und leidenschaftliche Synchronsprecher über seine Lebenseinstellung, worüber er sich wie ein Kind freuen kann und ob er womöglich bereits ans Aufhören denkt. Außerdem sollten doch alle Menschen einfach gut miteinander auskommen auf der Welt, oder?

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Interview mit Balus Stimme

 

Herr Rohde, können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie zum ersten Mal das Original-Dschungelbuch gesehen haben?

 

Armin Rohde: Oh Gott, das ist lange her. Den gibt es ja seit 1967. Wie alt werde ich gewesen sein? Naja, das wird schon um den Dreh rum gewesen sein, 1967 war ich zwölf. Man kennt den Film einfach. Der gehört so sehr zum Allgemeingepäck, was man so mit sich rumträgt, das man es so genau schon nicht mehr sagen kann.

 

"The Jungle Book" ist eher ein Kinderfilm. Gibt es etwas, worüber Sie sich noch wie ein Kind freuen können?

 

Armin Rohde: Ach immer wieder mal. Über nette Menschen kann ich mich immer wieder freuen wie ein Kind.

 

Sie sprechen den gutmütigen Bären Balu, der ganz versessen auf Honig ist. Gibt es etwas, auf das Sie ganz versessen sind?

 

Armin Rohde: Nun, wer mag keinen Honig? (lacht) Aber ich bin hin und wieder auf einen freien Tag ganz versessen. Wobei es Spaß macht, so eingespannt zu sein.

 

"Probier's mal mit Gemütlichkeit" - Ist das eine Lebenseinstellung mit der Sie sich identifizieren können?

 

Armin Rohde: Sicher. Wenn es besonders hektisch her geht, ist es schon ganz gut, sich für ein paar Sekunden beiseite zu stellen, tief Luft zu holen und eine Sache, die unüberschaubar erscheint, mal mit ruhigem Blick anzuschauen. Oder sich einmal vorzustellen, was man mit klarem Kopf und unaufgeregt über die Geschichte denken würde.

 

Der Bär wächst im Film über sich selbst hinaus. Wann sind Sie das letzte Mal an Ihre Grenzen geraten?

 

Armin Rohde: Der Bär wächst mit seinen Aufgaben, nicht wahr. Ich gerate auch immer wieder an meine Grenzen. In diesem Beruf sowieso. Man fängt ja mit jeder Rolle neu an. Da hilft es auch nicht, dass man 50-60 Rollen im Theater gespielt hat und über 120 Filmrollen, denn mit jeder Rolle, die man spielt, schafft man eine neue Figur. Man muss da immer wieder ran und immer wieder neu ausprobieren, wo die eigenen Grenzen liegen, wie weit man kommt.

 

Gibt es etwas, für das Sie ihren inneren Schweinehund überwinden müssen?

 

Armin Rohde: Ich bin eigentlich ein Nachtmensch, das frühe Aufstehen kann schon schwer sein. Aber wenn man erst einmal im Rhythmus drin ist, geht auch das. Zuletzt habe ich 'Nachtschicht' in Hamburg gedreht, da haben wir nur nachts gedreht. Man wird nachmittags um 15 Uhr abgeholt, um 16 Uhr geht es los und am nächsten Morgen zwischen fünf oder sechs Uhr kommt man ins Hotel zurück. Auch auf so etwas kann man sich einstellen. Wenn man muss, geht alles.

 

Ist das Synchronsprechen eine willkommene Abwechslung für Sie?

 

Armin Rohde: Beim Synchronsprechen geht es vor allem um Präzision, Rhythmus und Timing. Es ist, als würde man ein Orchesterstück instrumentieren. Die Schwierigkeiten zwischen Zeichentrickfiguren und realen Personen liegen da auch gar nicht so weit auseinander, das unterscheidet sich gar nicht so sehr.

 

Ihnen bereitet das Synchronsprechen also große Freude?

 

Armin Rohde: Absolut. Vor allem wegen Regisseur Axel Malzacher, der ein hervorragender Mann ist. Es war ein großes Vergnügen mit ihm und seinem Team zusammen zu arbeiten.

 

Welche Projekte stehen bei Ihnen in den Startlöchern?

 

Armin Rohde: Ich drehe als nächstes in Köln "Schnitzel geht immer" mit meinem wunderbaren Kollegen Ludger Pistor. Es ist der dritte Film, es gibt bereits "Schnitzel für drei" und "Schnitzel für alle". Wir spielen darin zwei Arbeitslose, die versuchen irgendwie wieder an Geld zu kommen.

 

Ans Aufhören denken Sie also noch lange nicht?

 

Armin Rohde: Aufhören? Um Gottes willen! Solange ich atmen kann, werde ich das machen. So was wie Aufhören kann ich mir gar nicht vorstellen, das ist so abstrakt für mich.

 

Sie twittern, gerne auch politisch. Machen Sie sich anhand der aktuellen politischen Entwicklungen Sorgen um die Menschheit?

 

Armin Rohde: Im Moment hat man ja das Gefühl, dass überall der Wahnsinn gleichzeitig ausgebrochen ist. Man hat gerade mal eine Katstrophe wahrgenommen, da kommt schon die nächste Katstrophenmeldung. Man hat das Gefühl, alle wählen von allem die schlechteste Möglichkeit. Ob man sich deutsche Parteienverhältnisse ansieht oder das, was Donald Trump in den USA von sich gibt, da macht man sich schon Sorgen. Es geht doch darum, dass man einfach gut miteinander auskommt. Sehen wir doch zu, wie wir miteinander klar kommen. Ohne jemanden zu knechten oder zu treten oder jemanden was weg zu nehmen oder den Leuten, die sich eh nicht wehren können, auch noch das Dach überm Kopf anzustecken.

spot on news

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