The Julie Ruin machen Druck

The Julie Ruin
Gemixter Fünfer: The Julie Ruin. Foto: Shervin Lainez © DPA

Welch eine ungestüme Kraft und Energie hat doch diese Kathleen Hanna (47), die mit ihrer Band The Julie Ruin 13 wilde Dance-Punk-Songs auf das neue Album "Hit Reset" (Hardly Art/Cargo) gebannt hat - und eine Menge Zorn schwingt auch immer noch mit.

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Die charismatische Ikone der Riot-Grrrl-Bewegung, Gründerin der einflussreichen Bands Bikini Kill und Le Tigre, hat sich ihren Kampfesgeist und ihr Engagement bewahrt - was sie einst auch zur Musik gebracht hat: "Ich kam zu diesen Bands, weil ich wollte, dass Feminismus cool ist", sagte sie im Interview mit der "New York Times".

Und da ist sie immer sehr kompromisslos gewesen: Die Dokumentation "The Punk Singer", in der das Leben und die Karriere von Kathleen Hanna beschieben wird, beginnt mit einer Spoken-Word-Performance: "Ich bin dein schlimmster Alptraum, der Wirklichkeit geworden ist, denn ich werde meinen Mund nicht halten", wiederholt sie wieder und wieder.

Boy-meets-Girl-Songs - das ist nichts für Kathleen Hanna, die mit "Hit Reset" nach eigenen Angaben eines ihrer persönlichsten Alben aufgenommen hat. Da geht es um Kindesmissbrauch, Feminismus, Sexismus - wie gewohnt keine leichte Kost.

Das ist zuweilen recht schmerzhaft, aber doch immer voller Selbstbewusstsein: "Ich kann E-Gitarre spielen, während ich mir die Beine in einem fahrenden Auto rasiere", heißt es entwaffnend und augenzwinkernd in "Hello Trust No One".

Der Anfang von The Julie Ruin, der auf das Jahr 1998 zurückgeht, war noch eine einsame Angelegenheit - eine Schlafzimmer-Lo-Fi-Produktion mit einer 40-Dollar-Drum-Machine. Daraus wurde schließlich eine Band, heute gehören Sara Landeau (g), Carmine Covelli (dr), Kenny Mellman (Keyboard) und Kathi Wilcox (b) dazu.

Sie sorgen dafür, dass die 13 Songs auf "Hit Reset" druckvoll, verspielt, angriffslustig, rau und melodiös zugleich klingen - zwischen Surf-Punk, Garagen-Rock und Synthie Pop. In manchen Momenten fühlt man sich an die Au Pairs oder auch die B 52's erinnert - vor allem aber klingt es nach Kathleen Hanna.

Und eins hat die Musikerin schon 2013 in einem Interview mit der "New York Times" klargestellt, was sie sich von The Julie Ruin erhofft: "Ich will es einfach genießen, mit meinen Freunden in einer Band zu spielen ohne dabei als 'feministische Punk-Rock-Leaderin' abgestempelt zu sein."

Im November kommen The Julie Ruin im Rahmen ihrer Europa-Tourne auch nach Deutschland. Ihr einziges Konzert geben sie am 27.11. in Berlin (Columbia Theater).


dpa
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