The Homesman' mit Hilary Swank und Meryl Streep: Hier hat Tommy Lee Jones aufs falsche Pferd gesetzt

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The Homesman

2,5 von 5 Sternen

Man nehme ein paar Indianer, einen Haufen Chauvis auf Pferden und ein bisschen was zum Ballern - und schon ist der Western perfekt. So einfach hat es sich Tommy Lee Jones mit seinem zweiten Streifen 'The Homesman' nicht gemacht: Der Regie-Neuling setzt als Filmvorlage auf Glendon Swarthouts gleichnamigen Roman, der eine unkonventionelle und erschreckend düstere Variation des amerikanischen Traums zum Besten gibt - auf der großen Leinwand aber reichlich schwerfällig daherkommt. Definitiv ein Fall für 'aufs falsche Pferd gesetzt'!

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In 'The Homesman' werden die Grenzen des Westerns als die amerikanische Filmgattung neu verhandelt: Die Story bietet durch ihre wilde Mischung aus Drama, Horror-Elementen und Go-West-Mentalität zwar ein buntes Genre-Potpourri, verliert dabei aber leider das große Ganze aus dem Blick und lässt den Zuschauer nach 122 Filmminuten ziemlich ratlos zurück. Eine klarere Linie hätte dem Streifen besser getan.

Völlig Schluss mit Machogehabe und stereotypen Rollenbildern ist deswegen aber nicht. Ganz in Western-Manier präsentiert der Film nur eine Hand voll Frauen, diese jedoch allesamt hysterisch oder gestört. Sigmund Freud lässt freundlich grüßen. Einzige Ausnahme: Protagonistin Mary Bee Cuddy (Hilary Swank, 'Million Dollar Baby'). Die taffe Pionierin pflegt als alleinstehende Farmerin in einem kleinen Nest im Nebraska-Territorium ein erstaunlich zivilisiertes Leben - gar nicht so leicht Mitte des 19. Jahrhunderts. Doch schnell wird klar, dass auch ihr Lebensglück von Männern bestimmt wird, als sie in der ersten Szene einem befreundeten Nachbarn einen ziemlich kläglichen, wenn auch erstaunlich mutigen Heiratsantrag macht.

Als der ihr Angebot ausschlägt, hält die kultivierte Mary Bee nicht mehr viel im Wilden Westen. Reverend Alfred Dowds (John Lithgow, 'Garp - und wie er die Welt sah') Anliegen, drei junge Farmersfrauen, die den Verstand verloren haben, zurück in die Zivilisation im Osten zu bringen, kommt ihr gerade recht und sie übernimmt den Job. Mit einem klapprigen Wagen macht sich die Pionierin auf den beschwerlichen Weg und stolpert schon bald über den gesetzlosen George Briggs (Tommy Lee Jones, 'Auf der Flucht'), dem sie gerade noch rechtzeitig das Leben rettet. Gegen Cash verspricht er ihr, sie zu begleiten und die Reisegruppe zu beschützen. Doch die beschwerliche Fahrt wird nicht für alle ein glimpfliches Ende nehmen.

In 'The Homesman' trifft ein hochkarätiger Cast auf ein streng begrenztes Budget

The Homesman

Hunger, Durst und Halsabschneider: Das ungewöhnliche Fünfer-Gespann muss auf seinem Treck gen Osten einige Hürden bewältigen. Klingt theoretisch spannend, ist es praktisch leider nicht: Jones will der Transfer des Stoffs auf die große Leinwand einfach nicht gelingen - und so sorgen die Geschehnisse während des Trips, der 80 Prozent des Films ausmacht, hauptsächlich für großes Gähnen. Einziges dramaturgisches Highlight sind die Flashbacks, in denen sehr eindringlich die Leidensgeschichten der Farmersfrauen Arabella (Grace Gummer), Theoline (Miranda Otto) und Gro (Sonja Richter) dargeboten werden - und die dank eindrucksvoller schauspielerischer Darbietungen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehen.

Während die drei Schattengestalten so vor sich hinvegetieren und Hilary Swank - neben einem eher glanzlosen Tommy Lee Jones - versucht, mit großem Schauspieleinsatz das Ruder umzureißen, schaut der Zuschauer spätestens nach dem ereignislosen Aufeinandertreffen von Pionier und Indianer nervös auf die Uhr und hofft, dass endlich Meryl Streep auf der Bildfläche erscheint. Doch darauf darf das Publikum lange warten: Erst in den letzten Minuten bekommen wir die Grande Dame des gehobenen Hollywood zu Gesicht. Schade!

Trotz der Dramaturgie-Mankos und des merklich stark begrenzten Produktions-Budgets ist Jones' zweite Regie-Arbeit in einer Hinsicht 'sehenswert': Die rauen, starken Cinemascope-Bilder, die in der Nähe von Las Vegas eingefangen wurden, schaffen ein intensives Kinoerlebnis. Vor allem in den vielen Großaufnahmen wird die Leere des Wilden Westens perfekt transportiert. Nichtsdestotrotz bleibt die Moral des Streifens fragwürdig: Mal wieder muss eine Frau ihren Kopf hinhalten, um den auf Abwegen gekommenen Mann zu bekehren. Und wer am Ende gefeiert wird, lässt der Filmtitel schon vermuten: natürlich der unehrliche Trottel. Wen wundert’s, wenn frau bei diesen düsteren Aussichten verrückt wird?!

Kinostart: 18.12.2014

Genre: Western-Drama

Originaltitel: The Homesman

Filmlänge: 122 Minuten

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