'The Grand Budapest Hotel' mit Bill Murray, Jeff Goldblum, Edward Norton und Tilda Swinton: Spannungsfreier Eye Candy...

The Grand Budapest Hotel
Mit Farben wird im Grand Budapest Hotel nicht gegeizt.

2,5 von 5 Punkten

Entschuldigung, aber ein klein wenig Namedropping an dieser Stelle muss sein: Wenn Tilda Swinton, Jude Law, Jeff Goldblum, F. Murray Abraham, Bill Murray, Edward Norton und Owen Wilson gemeinsam für einen Film vor der Kamera stehen, macht diese Stardichte erst mal unweigerlich neugierig. Und das sind noch lange nicht alle Hollywood-Größen, die sich in Wes Andersons neuestem Film 'The Grand Budapest Hotel' die Ehre geben.

- Anzeige -

Von Timo Steinhaus

Das zeigt: Anderson hat es geschafft. Er ist ganz oben angekommen. Sein Inszenierungsstil ist längst zum Markenzeichen geworden. Er kann selbst kleinste Nebenrollen mit den größten Stars besetzen. 2012 eröffnete seine Komödie 'Moonrise Kingdom' die Filmfestspiele von Cannes, auf der Berlinale 2014 lief 'The Grand Budapest Hotel' als Eröffnungsfilm. Und wie es sich zum Festival-Auftakt gehört, kommt sein neuestes Werk knallbunt, skurril und mit maximalem Glamour daher.

Verpackt hat Anderson seine Geschichte wie die zuckersüßen Kalorienbomben der Konditorei Mendl, die im Laufe der 100 Minuten immer mal wieder den Darstellern das Leben verschönern. Wer an den Inhalt will, muss zuerst ein blaues Schleifchen entwirren und ein Schächtelchen öffnen, das so knallrosa ist, dass es in den Augen schmerzt. Das gleiche Prinzip gilt für die Haupthandlung, die noch verschachtelter daherkommt.

Zu Beginn läuft ein Mädchen über den Friedhof der imaginären Stadt Lutz und beginnt, vor einer Büste eines Schriftstellers ein Buch von ihm zu lesen. Schnitt. Besagter Schriftsteller im fortgeschrittenen Alter (Tom Wilkinson) hält dem Zuschauer einen Monolog über Inspiration. Schnitt. Eine junge Ausgabe des Schriftstellers (Jude Law) tritt seine Kur im mittlerweile in die Jahre gekommenen, aber einstmals prachtvollen Grand Hotel Budapest in der fiktiven osteuropäischen Republik Zubrowka an. Dort trifft er auf den Besitzer (F. Murray Abraham), der ihm von seinem Leben als Lobbyboy namens Zero (Newcomer Tony Revolori) unter den Fittichen des legendären Portiers Gustave H. (Ralph Fiennes) im Jahr 1932 erzählt. Und hier ist gerade mal die Exposition zu Ende.

Immer schrill, immer spannungsfrei

The Grand Budapest Hotel
Bis zum Hals in Zuckergebäck: Zero (Toni Revolori) und seine Freundin Agatha (Saoirse Ronan)

Das hohe Erzähltempo behält Anderson in den insgesamt fünf Kapiteln bei und hetzt seine beiden Hauptprotagonisten Gustave H. und Zero durch einen grotesken Krimi. In dem wird Gustave H. beschuldigt, einen Hotel-Stammgast in Form einer Oma (vor lauter Pausbacken kaum zu erkennen: Tilda Swinton) umgebracht zu haben. Es entbrennt ein Erbschaftsstreit um ein ungeheuer wertvolles Gemälde, in dessen Verlauf die Männer vom Knastausbruch bis hin zur olympiareifen Gipfel-Abfahrt so einiges mitmachen müssen.

Vor allem Fiennes spielt den charismatischen Hotel-Concierge großartig: Charmant und elegant, dennoch gerissen und mit einer nie enden wollenden Erhabenheit reiht er im Laufe seiner Odyssee eine Höflichkeit an die nächste. Umso schöner wird es, wenn ihm sein eigenes eloquentes Getue zwischendurch selbst zum Hals heraushängt und er sein Geschwurbel mit einem simplen 'Fuck it' beendet.

Wieder einmal liefert Anderson ein visuelles Kunstwerk mit herrlich exzentrischen Requisiten und malerischen Kulissen in einer Postkartenlandschaft. Das ist zwar alles in jeder Minute grandios anzuschauen, abseits des ganzen Pomps allerdings gerät die Handlung zur schrillen, aber spannungsfreien Räuberpistole.

Kinostart: 06.03.2014

— ANZEIGE —