"The Danish Girl": Eine mutige Geschichte über mutige Menschen

"The Danish Girl": Eine mutige Geschichte über mutige Menschen
Eddie Redmayne als die Transsexuelle Lili Elbe © Universal Pictures

Zuerst den an ALS erkrankten Physiker Stephen Hawking, nun eine der ersten Transsexuellen, die sich einer Geschlechtsoperation unterzog, Lili Elbe: Schauspieler Eddie Redmayne schreckt nicht vor anspruchsvollen Rollen zurück. Dieser Mut brachte ihm im vergangenen Jahr den Oscar als bester Hauptdarsteller ein, und auch in diesem Jahr sollte er sich dank "The Danish Girl" wieder eine Rede für die Verleihung zurechtlegen. Selbiges gilt übrigens für die nicht minder gut aufgelegte Alicia Vikander.

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Redmayne erneut auf Oscar-Kurs

 

Der steinige Weg zu sich selbst

 

"The Danish Girl" von Tom Hooper ("The King's Speech") erzählt die Geschichte von Lili Elbe (Eddie Redmayne), die 1882 als Einar Mogens Wegener in Dänemark geboren wurde. Obwohl Einar augenscheinlich glücklich mit Ehefrau Gerda (Alicia Vikander) ist, verändert ein Tag alles für die beiden: Aus Mangel an weiblichen Models bittet Gerda ihren Mann, für ein Bild als Frau zu posieren. Dieser Moment entpuppt sich schließlich als Katalysator für eine Gewissheit, die der Maler bis zu diesem Zeitpunkt verbarg: Denn als er verliebt über den Seidenstrumpf an seinem Bein streicht, kann er nicht länger die Wahrheit verbergen, die er all die Jahre zu unterdrücken versuchte: nicht Lili, sondern Einar ist die erfundene Persönlichkeit...

Verständlicherweise reagiert Gerda geschockt auf diese Offenbarung und verbietet Einar zunächst, noch einmal als Lili Elbe auf die Straße zu treten. Doch in der kurzen Zeit als Frau hat ihr Ehemann bereits großen Eindruck in der Öffentlichkeit hinterlassen. Die von Gerda gemalten Porträts von Lili finden reißenden Absatz, jeder Kunsthändler ist erpicht darauf, das vielversprechende Model kennenzulernen. Von der Chance angetan, als Künstlerin endlich ernstgenommen zu werden, erlaubt Gerda ihrem Mann dann doch immer häufiger, in die Rolle ihres gefragten Motives zu schlüpfen. Doch je öfter Lili ins Tageslicht rückt, desto seltener bekommt sie ihren Mann zu Gesicht - bis dieser nur noch wie eine verblassende Erinnerung anmutet. Und so ergibt sich für Gerda eine herzzerreißende Konstellation: Liebt sie ihren Mann so sehr, dass sie für immer Lebewohl zu ihm sagen kann?

 

Gerda, die Heldin

 

Die Geschichte über einen der ersten transsexuellen Menschen, der sich geschlechtsangleichenden Operationen unterzog, muss speziell für Eddie Redmayne eine gigantische Herausforderung gewesen sein. Die Vorstellung, in den falschen Körper geboren zu sein, als Mann leben zu müssen, obwohl man sich als Frau empfindet - sich in diese komplexe Gefühlswelt hineinzuversetzen und auf Leinwand zu bannen - kann keine leichte Aufgabe gewesen sein. Doch Redmayne meistert sie nicht nur mit Bravour, gut möglich, dass er sich nach "Die Entdeckung der Unendlichkeit" für diesen anspruchsvollen Part gleich ein weiteres Mal Hoffnungen auf einen Oscar machen darf.

Bei der umgehend als anspruchsvoll zu erkennenden Leistung von Redmaynes darf aber auf keinen Fall Alicia Vikanders grandiose Vorstellung vernachlässigt werden. Die Selbstfindung von Lili Elbe bedeutet für sie immerhin, ihren geliebten Mann Einar für immer zu verlieren. "The Danish Girl" erzählt die tragische Geschichte von zwei Frauen, wobei im wahrsten Sinne gilt: des einen Freud ist des anderen Leid - und umgekehrt. Wie Gerda mit sich ringt, an der Ehe festhält, ihren nachvollziehbaren Egoismus überwindet und letztendlich beschließt, Einar auf der finalen Wandlung zu Lili als Freundin beizustehen: Eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin hat sie sich mit dieser Leistung unumwunden verdient.

 

Rührend, vereinzelt rührselig

 

"Ich habe in meinem Leben wenige Menschen getroffen, die ich wirklich mochte - und du bist zwei davon." Dieses Zitat aus dem Film fasst den Grundtenor von "The Danish Girl" perfekt zusammen. Hooper ist anzumerken, wie sehr er mit der Lebensgeschichte von Lili Elbe die Emotionen der Zuschauer herauskitzeln will. Das gelingt ihm auch meist, doch ohne aus Spoiler-Gründen zu viel verraten zu wollen, sei gesagt, dass er es damit hin und wieder etwas übertreibt. Denn Lilis Geschichte ist in sich rührend genug, ohne dass man sie mit bedeutungsschwangeren Kamerafahrten und dazu passender Musik rührselig machen muss.

"The Danish Girl" ist eine mutige Geschichte über mutige Menschen, die zu einer Zeit gelebt haben, in der jener Mut als Geisteskrankheit gegolten hat. Homosexualität und andere "Abnormalitäten" begegnete man zu Zeiten von Lili Elbe mit Elektroschocks und Zwangsjacken. Umso wichtiger ist es, dass Lilis Geschichte, wenn natürlich auch für Hollywood romantisiert, nun erzählt wird.

 

Fazit:

 

Gut möglich, dass sich die beiden Hauptdarsteller von "The Danish Girl" bei der kommenden Oscar-Verleihung berechtigte Hoffnungen auf einen Goldjungen machen dürfen. Nur wenige Schauspieler hätten sich wohl an die anspruchsvolle Rolle von Lili Elbe gewagt, so wie es auch bei Stephen Hawking der Fall war. Aber auch Vikander wäre es nach der nunmehr zweiten herausragenden Leistung nach "Ex Machina" zu wünschen. Zwar übertreibt es Regisseur Hooper stellenweise mit gar rührseligen Momenten, zu Kitsch verkommt sein Film aber zu keiner Zeit.

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