'Terminator: Genisys': Arnold Schwarzenegger als Roboter-Rentner

von
Arnold Schwarzenegger in Terminator: Genisys
Alt, nicht überflüssig: Arnold Schwarzenegger als alt gewordener T-800. © Melinda Sue Gordon, Photo credit: Melinda Sue Gordon

3 von 5 Punkten

Bei dieser Filmkritik ist es ein bisschen so, als würde ich wieder über 'Jurassic World' schreiben: 'Terminator: Genisys' ist neben dem Tohuwabohu im Dino-Streichelzoo der zweite große Blockbuster dieses Sommers. Beide Filme sind als Start einer neuen Trilogie geplant. Und beide basieren auf einem Original, das heute mindestens Kult, wenn nicht sogar Teil des popkulturellen Kino-Diskurses ist. Wer mitreden will, muss den jeweils ersten Teil gesehen haben. Und bei beiden stellt sich die Frage: Wie kann man das junge Publikum begeistern, ohne den Fans des Originals an den Karren zu fahren?

- Anzeige -

Von Timo Steinhaus

Im Fall von 'Terminator' lässt sich zumindest schon mal sagen: Arnold Schwarzenegger sollte besser mit an Bord sein. Im vierten Teil 'Die Erlösung' fehlte er, das Ergebnis an den Kinokassen war eher mäßig und das war es dann mit den Plänen für eine eigene Trilogie. Die Filmrechte wurden für absurd hohe Summen weiterverkauft, jetzt wird mit dem fünften Teil 'Genisys' unter Regie von Alan Taylor ('Game of Thrones') ein neuer Versuch gestartet.

Los geht's im Jahr 2029: Kurz bevor Revolutionsführer John Connor (Jason Clarke) den Sieg über das Computersystem Skynet erringt, schickt das einen Terminator des mittlerweile museumsreifen Modells T-800 ins Jahr 1984 zurück, um Johns Mutter Sarah Connor ('Game of Thrones'-Star Emilia Clarke) zu eliminieren, damit die gar nicht erst schwanger werden kann. Im Gegensatz zum Original wird der allerdings von einem merklich in die Jahre gekommenen T-800 (Arnold Schwarzenegger) in Empfang genommen und bekommt von dem Roboter-Rentner in einem beeindruckenden Kampf das Licht ausgehauen. Sarah Connor entpuppt sich in diesem Zeitstrang derweil nicht als hilflose Kellnerin, sondern als knallharte Kampf-Amazone in Lederjacke und mit dicker Wumme. Kein Wunder, dass der von John Connor zur Rettung seiner Mutter entsandter Kyle Reese (Jai Courtney, 'Stirb langsam 5') das nicht versteht, nachdem er nackt aus dem Zeittunnel gespuckt wird. Und das ist erst der Anfang.

Bis zu dieser Stelle schafft es Taylor zu keiner Zeit, die Klasse eines James Cameron zu erreichen. Doch er baut viele Verbeugungen vor den ersten beiden Teilen ein (etwa die Punks und den Müllwagenfahrer), lässt San Francisco eindrucksvoll in Schutt und Asche legen und punktet mit guten Animationen. Doch viel Neues fällt den Machern nicht ein. Am besten sind noch Schwarzeneggers Sprüche, mit denen selbstironisch darauf angespielt wird, dass der Actionstar in die Jahre gekommen ist und auch sein selten dämlich aussehendes Robotergrinsen ist für einen Lacher gut. Die Verfolgungsjagd des Flüssigmetall-Terminators T-1000 auf Sarah Connor ist dagegen solide, hat aber der Sequenz aus dem zweiten Teil nichts hinzuzufügen. Und dann startet auch schon die nächste Zeitreise …

Jay Courtney als Kyle Reese
Kyle Reese (Jay Courtney) hechtet in eine ungewisse Zukunft.

Das von James Cameron erschaffene 'Terminator'-Universum bietet durch seine vielen komplexen Zeitlinien unzählige Möglichkeiten – aber auch Fallstricke. Denn mit jedem Teil wird es schwieriger, die Übersicht zu bewahren. Regisseur Taylor versucht das gar nicht erst. Es gibt sieben (!) Zeitebenen, auf denen sein Film spielt. Dass da irgendwann keiner mehr durchblickt, haben sich wohl auch die Produzenten und Drehbuchautoren selbst gedacht und das Problem im Film aufgegriffen. So setzt in einer Szene Schwarzeneggers T-800 zu einer komplizierten Erklärung an, woraufhin Kyle Reese genervt Sarah Connor bittet, den Erzählschwall zu stoppen. Und so geht es dem Kinozuschauer auch.

Ständig bekommt man zu hören, in welche Zeitebene gereist wird, warum jetzt auf wen geschossen wird und warum sich der Tag des jüngsten Gerichts verschiebt. Das ist vielleicht für Nerds interessant, der durchschnittliche Zuschauer dürfte aber wenig damit anfangen können, wenn umständlich erklärt wird, warum das Zeitkontinuum aufgehoben wird. Anspielungen auf Datensicherheit im digitalen Zeitalter oder Kritik an Großkonzernen wirken dagegen relativ beliebig und oberflächlich.

Auch Emilia Clarke als Sarah Connor wirkt zwischen all den Männern eher hilflos – im Vergleich zu einer Charlize Theron ist im Actionheldinnen-Kosmos noch viel Luft nach oben. Und von der hölzernen Liebesgeschichte zwischen Connor und Reese fangen wir mal gar nicht erst an – Funken sprühen hier allenfalls, wenn Maschinen zu Schrott verarbeitet werden. Insgesamt bietet der Film solide Action mit tollen Effekten, erreicht aber nie die Tiefe der ersten beiden Teile. Das Einspielergebnis dürfte das aber trotzdem nicht schmälern.

Kinostart: 09. Juli 2015

Genre: Science Fiction

Originaltitel: Terminator Genisys

Filmlänge: 126 Minuten

— ANZEIGE —