Terminator - die Erlösung

Terminator - die Erlösung

Von Christina Gruber

Wir schreiben das Jahr 1984: Der Regisseur-Neuling James Cameron macht einen Low-Budget-Streifen namens „The Terminator“ mit einem Haufen komplett unbekannter B-Movie-Stars, darunter der muskelbepackte, bis dato schauspielerisch bedeutungslose Österreicher Arnold Schwarzenegger. Die Überraschung: „The Terminator“ wurde weltweit Kult, zu einem Meilenstein der Filmgeschichte – und von Fans und Kritikern gleichermaßen geliebt.

25 Jahre später: Nach dem genialen Sequel „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1991) und der weniger gelungenen Fortsetzung „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ (2003) sollte der Maschinen-versus-Mensch-Mythos neu belebt werden. Mit der Aufgabe betraut wurde überraschend der Regie-Leichtgewichtler McG, der im Kino bislang lediglich mit den beiden eher mittelprächtigen „Drei Engel für Charlie“-Streifen auf sich aufmerksam machte. Doch ein üppiges Budget von knapp 150 Millionen Euro und ein dunkler Superstar wie Christian Bale („The Dark Knight“) als Held ließen die Fans dann doch auf ein Action-Spektakel der Superklasse hoffen.

Wir schreiben das Jahr 2018: Die Welt nach der Atom-Apokalypse ist ein einziger Alptraum. Es herrscht Krieg – Mensch gegen Maschinen. Killerhunter, Harvester und Terminatoren jeglicher Größe und von extremer Grausamkeit töten und versklaven die wenigen Menschen, die auf dieser Endzeit-Erde noch existieren. Regisseur McG erschuf eine düstere Welt: Durch die rauchenden Ruinen fegt noch die Asche des atomaren Höllenfeuers, die Überlebenden kämpfen einen hoffnungslosen Kampf gegen die übermächtigen Horror-Maschinen. Beherzt hat der Regisseur hier aus den Bilderwelten früherer Endzeit-Storys geklaut und spätestens nach 20 Minuten grübelt der Zuschauer, wo er eine solche Industrieruinen-und-Überlebenskampf-Kulisse schon einmal gesehen hat: in „Matrix“ nämlich.

Doch anders als in den meisten derzeitigen Apokalypse-Visionen hat sich McG hier nicht nur auf computer-generierten Suspense verlassen – die brillanten Actionszenen, die gewaltigen Explosionen, die rasanten Verfolgungsjagden sind weitgehend handgemacht und visualisieren brachial und blutig den verzweifelten Kampf der Widerständler gegen die Computer-Allmacht.

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Terminator - die Erlösung

Es ist John Connors (Christian Bale) Schicksal, den Widerstand anzuführen und die Menschheit zu retten. So steht es schließlich bereits in der Vergangenheit geschrieben, als die Maschinen den Arnie-Terminator T-800 ins Jahr 1984 schickten, um John Connors Mutter Sarah zu töten, bevor sie den Retter der Menschheit zur Welt bringen kann. (Es empfiehlt sich übrigens, sich die Inhalte von „Terminator“ 1 bis 3 noch einmal zu Gemüte zu führen, denn sonst hat der Zuschauer keine Chance, der recht komplizierten Zeitsprung-Handlung zu folgen.)

Doch dann taucht ein Fremder auf – und die Zukunft der Menschheit ist wieder ungewiss. Denn durch dieses Endzeit-Szenario wankt nackt und einsam Marcus Wright (Sam Worthington, „Avatar“), der sich lediglich an seinen Namen erinnern kann – und dass er zum Tode verurteilt wurde. Connor und seine Widerständler müssen sich entscheiden: Ist dieser Fremde Freund oder Feind?

Den 32-jährigen Australier Sam Worthington wird man sich merken müssen: Er stiehlt in diesem Film doch tatsächlich dem phantastischen Christian Bale die Show. Man nimmt Worthington die schiere Verzweiflung ab, als er entdecken muss, dass man eine Maschine aus ihm gemacht hat. Es ist allerdings eine der Ungereimtheiten des Drehbuchs, dass ausgerechnet die Mensch-Maschine Marcus Wright hier den Heilsbringer geben muss – was Regisseur McG zudem noch mit christlicher Kreuzigungs-Symbolik überladen hat.

Bis zum Showdown in der Terminator-Fabrik (inklusive CGI-Cameoauftritt von Arnold Schwarzenegger) liefert McG hier noch eine Menge exzellenter Action-Szenen ab, die zudem hervorragend fotografiert sind – ein ganz dickes Sternchen für die Optik. Schwächen hingegen weist durchgängig das Drehbuch auf: So sucht John Connor den halben Film lang verzweifelt nach seinem Vater Kyle Reese (Shooting-Star Anton Yelchin, „Star Trek“), doch als er ihn gefunden hat, wird die Beziehung der beiden nicht weiter entwickelt. Johns Ehefrau Kate Connor (Bryce Dallas Howard, „Spiderman 3“) hat hier lediglich die Aufgabe, schwanger zu sein und sorgenvoll ihrem in den Krieg ziehenden Mann hinterher zu blicken. Man kann nur vermuten, dass diese Figur in den noch kommenden Terminator-Fortsetzungen eine größere Rolle spielen wird. Und Söldnerin Blair Williams (durchtrainiert und kämpferisch: Moon Bloodgood) verliebt sich in die Mensch-Maschine Marcus, ohne dass das Drehbuch auch nur im Geringsten diese Beziehung erklärt.

So wird hier durchgehend auf eine schlüssige Entwicklung der Figuren verzichtet – und auch auf die kultigen Sprüche der alten Terminator-Saga warten die Fans vergebens: McG hat „Hasta la vista“ zu jeglichem Humor in seiner Terminator-Version gesagt.

Fazit: Für eine Endzeit-Vision mit Tiefgang bleiben die Figuren zu blass, für einen neuen Kult-Film ist die Inszenierung nicht eigenständig genug. Highlights sind dennoch die guten Actionszenen, der bewährt düstere Christian Bale und ein ganz hervorragender Sam Worthington.

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