Teil 2: Exklusiv-Interview mit Schiller

Schiller im Interview
Christopher von Deylen verschwendet auch nach 15 Jahren Schiller keinen Gedanken ans Aufhören. © philip glaser

"Dann poste ich lieber nichts"

Von deinem Privatleben ist relativ wenig bekannt. Schützt du deine Familie bewusst vor der Öffentlichkeit?

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Christopher: Das ergibt sich scheinbar von selbst. Es gibt sehr wenige Gelegenheiten, wo ich mein Privatleben aktiv schützen muss. Es gibt zum Glück immer genügend Gesprächsstoff, der nicht mit meinem Privatleben zu tun hat. Bei dem, was ich mache, ist schließlich meine Frisur, die seit zehn Jahren gleich ist, und wahrscheinlich auch bleiben wird, nicht von Belang.

Was für ein Mensch steckt eigentlich hinter dem Musikprojekt Schiller?

Christopher: Eigentlich steckt dahinter der gleiche Mensch wie davor, denn das ist keine Rolle für mich. Abseits der Musik gehe ich wahnsinnig gerne ins Kino, habe dafür aber leider sehr wenig Zeit. Deswegen gucke ich oft DVDs. Ich liebe amerikanische Fernsehserien, die ich mir dann oft staffelweise am Wochenende ansehe. Außerdem reise ich sehr gerne und bin gerne in der Natur. In meiner ganzen Entwicklung dreht sich aber trotzdem am Ende alles ums Erschaffen von audivisuellen Bildern.

Jetzt gibt es Schiller mittlerweile seit 15 Jahren. Hast du dir damals 1998 je vorgestellt, dass das Projekt so erfolgreich werden könnte?

Christopher: Nein, nie im Leben. Und das konnte man ja auch nicht. Hätte ich im Entferntesten damit gerechnet, hätte ich niemals den Namen Schiller gewählt. Die erste Single 'Glockenspiel' ist aus Schillers Gedicht 'Das Lied von der Glocke' entstanden. Der Name wurde damals sogar bewusst etwas mit leichter Hand gewählt. Wenn ich daran gedacht hätte, dass er mehr als fünfzehn Jahre Bestand haben soll, hätte ich länger gegrübelt. Dabei sind meistens die Ideen am besten, die einem einfach zufallen.

Deine Musik ist sehr modern und spricht vor allem auch viele junge Leute an, die im Zeitalter der sozialen Netzwerke leben. Wie hältst du es mit Social Media wie Facebook und Twitter? Ist das für dich ein wichtiger Teil der Kommunikation mit deinen Fans?

Christopher: Es ist gerade ein Teil der Kommunikation mit meinen Fans aus dem Ausland. Für diese Schiller-Freunde ist das eine wichtige Tür, um zu wissen, was passiert. Und für mich sind Social Networks wichtig, um mit ihnen direkt in Kontakt zu treten. Da man sich aber heutzutage im Netz schnell verlieren kann, versuche ich das Ganze zu dosieren. Es macht ja keinen Sinn, dass ich poste, was ich gerade esse, oder dass ich gerade in der U-Bahn sitze. Ich finde gut, dass es das gibt, aber ich benutze es vielleicht noch nicht so selbstverständlich, ohne darüber genau nachzudenken. Dann poste ich lieber nichts.

"In anderen Ländern wird erst gefühlt und dann gedacht"

Schiller im exklusiven Interview
Trotz der vielen Erfolge steht für Christopher sein Musikprojekt immer noch am Anfang.

Deine Musik lebt von der Schwerelosigkeit und funktioniert auf der Platte sehr gut. Aber wie schwer ist es eigentlich, deine Inspirationen auch auf der Bühne richtig rüberzubringen? Es ist ja keine klassische Live-Musik wie Rock oder Pop. Warum sollte man auch auf ein Konzert von dir gehen?

Christopher: Ich versuche den Konzerten eine starke visuelle Note zu geben. Es wird also nicht nur das Ohr, sondern auch das Auge angesprochen – mit einer aufwändigen Lichtgestaltung. Jede musikalische Linie hat ihre optische Entsprechung. Das erinnert mich an Walt Disney's 'Fantasia', wo es eine richtige Lichtmalerei passend zur Musik gab. Es macht großen Spaß in Surround Sound zu spielen, wo der Zuschauer mittendrin ist. CD und Konzert sind zwei verschiedene Welten, die sich aber scheinbar gut ergänzen.

Deine Popularität hat längst die deutsche Grenze überschritten. Du warst in über 23 Ländern in den Charts. Wie wird deine Musik im Ausland wahrgenommen? Welche Unterschiede gibt es zu der Wahrnehmung deiner deutschen Fans?

Christopher: Im Ausland reagieren die Fans noch direkter auf die Musik. Da fragt man sich nicht, ob der Scheinwerfer einen Meter zu weit rechts oder links steht. Da bin ich auch oft über die Reaktionen auf einige Lieder überrascht, die ich schon häufig gespielt habe. Da erwartet man eine gewisse Reaktionsbandbreite. Plötzlich schaut man auf und der ganze Saal tobt. In der nächsten Sekunde ist wieder alles ganz ruhig. Es gibt also wesentlich mehr Ausschläge auf die Musik. Nicht nur wenn man ins Konzert geht, wird in Deutschland eben mehr gedacht und dann irgendwann gefühlt. In anderen Ländern wird vielleicht erst gefühlt und dann gedacht. Das heißt aber nicht, dass es dem deutschen Publikum nicht gefällt. Die Reaktionen sind einfach anders.

Vielen Dank für das Interview!

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