'Tatort'-Star Aaron Karl: Leistungsdruck macht man sich selbst

Aaron Karl: "Es gibt momentan zu viele Krimis"
Aaron Karl in seiner Rolle als David Frank im "Tatort: Schock" © ARD Degeto/ORF/Hubert Mican, SpotOn

Der Täter aus "Tatort: Schock"

In seiner Rolle als David Frank brachte Aaron Karl (26) im Wiener "Tatort: Schock" beeindruckend die Probleme der sogenannten "Generation Y" zum Ausdruck. Wie er privat mit Leistungsdruck umgeht und wieso er es als Sohn eines Schauspielers nicht automatisch einfacher in dem Metier hat, erzählt er im Interview mit spot on news. Dabei verrät er auch, wieso seiner Meinung nach zu viele Krimis im Fernsehen laufen - und welches Filmprojekt er stattdessen gerne umsetzen würde.

Wie stehen Sie zu dem in "Schock" thematisierten Leistungsdruck und Konkurrenzkampf der heutigen Generation?

Aaron Karl: Ich denke, es ist ein Druck, den man sich selbst macht. Jeder Mensch muss für sich klären, was ihm im Leben wichtig ist. Man bekommt immer von außen gezeigt, wie etwas aussehen oder sein muss. Das beginnt bei Modemagazinen, geht über Luxusgüter und endet damit, dass man mindestens eine bestimmte Summe im Jahr verdienen muss, um überhaupt ein wertvoller Teil der Gesellschaft zu sein. Das sind alles Einflüsse von außen und wenn wir nicht irgendwann aufwachen, können uns diese Einflüsse zugrunde richten. Wir müssen schauen, was wir selber erreichen können und uns an unseren eigenen Ansprüchen messen.

Das Schauspielgeschäft ist dabei auch nicht unbedingt das einfachste Pflaster...

Karl: Natürlich gibt es eine große Konkurrenz in diesem Beruf, da es unglaublich viele Schauspieler und verhältnismäßig wenig Rollen gibt. Ich versuche generell die Dinge umzusetzen, die ich wirklich machen möchte. Natürlich muss ich auch Geld verdienen, um meine Miete zu bezahlen. Aber ich versuche mich zu entscheiden, welche Rollen ich spielen möchte und dann muss ich sehen, was davon im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt. Klar, ich habe gut reden. Ich bin alleinstehend und habe keine Kinder, die ich versorgen muss. Das wäre natürlich ein ganz anderer Druck...

Ihr Vater ist ebenfalls Schauspieler. Ist das eher Fluch oder Segen?

Karl: Es ist natürlich in dem Sinne ein Segen, dass da eine Infrastruktur ist, die ich nutzen kann. Das bezieht sich jetzt nicht nur auf die Schauspielerei, das gilt generell, wenn Kinder den Beruf der Eltern erlernen. Ich hatte so die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, die mir immer wieder mit Rat und Tat zur Seite standen. Der Fluch ist dagegen der, dass in der Branche doppelt hingeschaut wird. Wenn es etwa heißt, die Rolle hätte ich nur durch meinen Vater bekommen, dann wird das natürlich ganz genau beäugt. Bin ich dann schlecht, heißt es gleich "Haben wir doch gesagt"... Du wirst einfach viel kritischer betrachtet.

Ihre Figur David Frank hat ein sehr angespanntes Verhältnis zu seinen Eltern. Wie ist das bei Ihnen?

Karl: Das Verhältnis zu meinen Eltern ist super und sehr freundschaftlich. Sie sind nicht nur meine Eltern, sie sind auch Freunde, zu denen ich gehen und über alles reden kann. Ich habe großes Glück, dass ich Eltern habe, die mich bedingungslos akzeptieren und die ich auch zu akzeptieren gelernt habe.

Wie meinen Sie das?

Karl: Oft ist es ja so, dass man anfängt, seine Eltern kritisch zu sehen, wenn man erwachsen wird. Als Kind sind sie die unantastbaren Götter, in der Pubertät werden sie dann zu Erzfeinden. Irgendwann versteht man schließlich, dass sie auch nur Menschen mit ihren eigenen Problemen sind. Ich kann sie genauso Dinge lehren, wie sich mir Dinge gelehrt haben. Es ist schön, wenn die Eltern einen um Rat fragen.

Sie haben nun zum dritten Mal in einem "Tatort" mitgespielt. Wären Sie selbst gerne mal ein Kommissar?

Karl: Ja, natürlich. Es ist immer toll, eine Reihe zu machen. Da hast du eine Figur, die du mitnehmen und entwickeln kannst. Und "Tatorte" haben natürlich oft super Geschichten. Die Bedingungen sind dort für einen Schauspieler schon ziemlich optimal. Aber es wäre trotzdem gut, wenn so langsam diese Krimi-Dominanz abnehmen würde. Momentan laufen ja nur noch Krimis, dabei gibt es so viele tolle Geschichten, die nichts mit Mord und Totschlag zu tun haben.

Haben Sie da etwas Bestimmtes im Kopf?

Karl: Ich würde gerne mal einen richtigen Piratenfilm machen und zwar so, wie ich Piraten sehe: Sie sind für mich Feiglinge, die vor Verantwortung und der Gesellschaft fliehen. Sie bauen ihre eigene auf und das ausgerechnet in einem so verletzlichen Raum wie einem Schiff auf dem Meer. Dabei kann ich mir nichts vorstellen, das unsicherer ist. Das finde ich interessant.

Im Februar beenden Sie Ihr Studium in Potsdam. Was steht dann an?

Karl: Es wäre schön, wenn ich das schon wüsste. Alles, was zum Arbeiten kommt, werde ich gerne annehmen. Ich bin jetzt wirklich heiß darauf zu drehen. Ansonsten bin ich wieder in Wien angekommen, mache meine Projekte und schiebe eine ruhige Kugel. Ich bin offen für alles und freue mich auf das, was kommt.

spot on news