'Surrogates': Nie sah Bruce Willis blöder aus

Die Menschen interagieren nur noch über Roboterkopien

'Surrogates': Nie sah Bruce Willis blöder aus

Wie zufrieden sind Sie eigentlich so mit Ihrem Aussehen? Wäre es nicht schön, wenn man sich nicht mehr länger mit lästigen Diäten abquälen müsste, nur um ein paar Kilo zu verlieren oder die ersten Fältchen auch ohne Botoxspritze loswerden könnte? Das alles wäre in „Surrogates“ kein Problem mehr. Denn während Regisseur Jonathan Mostow in ‚Terminator 3’ noch die Maschinen rebellieren ließ, sorgen die Roboter in seinem neuen Actionthriller dafür, dass jede Person auch genau so aussieht, wie sie gerne möchte.

In gar nicht allzu ferner Zukunft können mit Hilfe eines revolutionären High-Tech-Systems einwandfreie Roboterkopien von Menschen hergestellt werden: die ‚Surrogates’. Das Erscheinungsbild kann nach Belieben angepasst werden, Schäden werden problemlos ausgebessert. Warum also noch selbst einen Fuß vor die Tür setzen, wenn man doch ein blendend aussehendes Alter Ego mit Superkräften bequem per Gehirnkontrolle vom Wohnzimmer aus steuern kann?

Zu Beginn des Films wird die Entwicklung der Surrogates in den vergangenen 14 Jahren für den Kinozuschauer im schick inszenierten Dokustil zusammengefasst. Gleichzeitig werden ein paar berechtigte Fragen aufgeworfen: Wie wirkt es sich auf Familie, Sex und Erziehung aus, wenn die Realität nur noch durch Stellvertreter wahrgenommen wird? Weiter werden diese interessanten Grundideen jedoch nicht entwickelt, stattdessen nutzt man das Doku-Filmchen lediglich, um schwache Kritik an der fortschreitenden Realitätsflucht des Menschen zu üben. Schade eigentlich.

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Bruce Willis mit vollem Haar

Im weiteren Verlauf wird die heile Welt der Surrogates nach und nach ihres schönen Scheins beraubt. Kriminalität und Unfälle tendieren gegen Null – doch dann werden zwei Surrogates hinter einer Disco angegriffen und zerstört. Und die Situation ändert sich schlagartig. War bisher noch sichergestellt, dass den Menschen bei der Steuerung der Roboter nichts passieren kann, findet man bei der Untersuchung der Wohnungen der beiden Besitzer nur noch ihre Leichen. Dies ist der Auftakt zu einer Verschwörung, in der die FBI-Agenten Tom Greer (Bruce Willis) und Jennifer Peters („Silent Hill“-Star Radha Mitchell) ermitteln müssen. Doch wem kann man in einer Welt voller Maschinenmenschen und Masken wirklich trauen?

Da beide Agenten in ihren Surrogates unterwegs sind, kann sich Willis im Film nicht nur dem optischen Erscheinungsbild seiner Exfrau Demi Moore anpassen und glattgezogen und mit vollem Haar erscheinen, sondern gleichzeitig die blödeste Frisur seiner gesamten Karriere präsentieren. Dementsprechend ist es direkt eine Erleichterung, dass das Surrogate von Willis’ Filmfigur im ersten Drittel des Films zerstört wird und man den Schauspieler anschließend wieder im gewohnten Erscheinungsbild mit Glatze, Falten und Dreitagebart auf der Leinwand sieht.

Erweckt der Trailer noch den Eindruck, Bruce Willis sei mal wieder in seiner Paraderolle als knallharter Actionheld zu sehen, wirkt der die Figur des Schauspielers im Verlauf des Films erstaunlich zerbrechlich: Durch das dauerhafte Liegen auf dem Kontrollsessel ist FBI-Agent Greer merklich geschwächt. Bei den wenigen Verfolgungsjagden im Film kann er kaum Schritt halten und wird zwischendurch auch noch windelweich geprügelt. Auch seine Frau beschäftigt sich nur noch per aufgebrezeltem Surrogate mit ihm, was dazu geführt hat, dass sich jegliche Romantik und zwischenmenschliche Nähe aus der Beziehung verabschiedet haben.

Besonders lobenswert ist die ausgezeichnete Arbeit der Maske, die die Darsteller mit viel Make up und digitaler Nachbearbeitung in makellose, aber aufgrund ihrer kühlen Augen und des hölzernen Auftretens nur beinahe menschlich wirkende Surrogates verwandelt hat. Regisseur Mostow serviert dem Zuschauer in nicht einmal 90 Minuten eine angenehm straff inszenierte, aber nicht immer ganz schlüssige Verschwörungstheorie, die mit ein paar Actionsequenzen und der üblichen tragischen Geschichte des Helden angereichert wird. Mit dieser Inszenierung dürfte Mostow zwar auf der sicheren Seite sein, aus ‚Surrogates’ hätte man aber mehr als nur eine altbackene Schnitzeljagd herausholen können.

Von Timo Steinhaus

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