'Super 8': Grusel-Spaß mit Halbstarken

4,5 von 5 Punkten

Was kommt dabei heraus, wenn die 'Goonies' auf 'ET‘ treffen? Richtig. Großes Kino. Und wenn Regisseur und Produzent J.J. Abrams bzw. Steven Spielberg heißen? Wieder richtig. Ganz großes Kino. Treffender lässt sich die Erfolgsformel des neuen Science-Fiction-Abenteuers 'Super 8‘ nicht zusammenfassen. Dafür verzichten die beiden Filmemacher auf den üblichen 3-D Schnickschnack, berühmte Hollywoodstars und animierte Wildtiere – stattdessen setzen sie auf eine gehörige Portion Nostalgie, jugendliche Naivität und ein mysteriöses Wesen.

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Und diese Rechnung geht voll auf: Ab der ersten Minute erwartet den Zuschauer in 'Super 8’ eine gelungene Zeitreise zurück in die 80er Jahre, die obendrein keinen kalt lässt. Denn Regisseur J.J. Abrams ('Lost', 'Star Trek‘) spielt in bester Spielberg-Manier mit den Gefühlen des Publikums. Daran haben die herrlich erfrischenden Nachwuchsschauspieler des Films einen großen Anteil. Als Zuschauer leidet man mit dem Halbwaisen Joe und amüsiert sich kurze Zeit später über den Sympathieträger Charles.

Zentrale Figur bei 'Super 8’ ist der 13-Jährige Joe Lamb (Joel Courtney, bisher unbekannt), der seine Mutter durch einen tragischen Verkehrsunfall verloren hat. Um sich von dem Schicksalsschlag abzulenken, arbeitet er trotz Verbot seines Vaters Jackson (Kyle Chandler, 'Operation Kingdom’) mit seinem besten Freund Charles (Riley Griffiths, bisher unbekannt) und vier anderen Teenies an einem Zombie-Film. Während den Dreharbeiten zu ihrem Horror-Streifen werden die Teenager Zeugen eines fatalen Zugunglücks, beim dem sie selbst um ein Haar ums Leben kommen. Von da an geschehen in ihrer Kleinstadt seltsame Dinge: Hunde verschwinden, der Strom fällt immer wieder aus und sogar das Militär marschiert schließlich ein. Doch keiner weiß, wer oder was hinter all dem Chaos steckt…

Spektakulärer Zug-Crash

Damit tappt der Kinozuschauer genauso lange im Dunkeln wie die Einwohner der Kleinstadt, was den Spannungsbogen stetig in die Höhe treibt. Sucht Abrams zu Beginn des Films noch die emotionale Nähe des Zuschauers, schlägt er mit dem Zug-Crash auf brachiale Art ein neues Kapitel in seinem Film auf. Die gefühlt zehnminütigen Explosionsorgie hämmert einen praktisch in den Kinositz und zeigt was ohne 3D möglich ist. Von da an steigt auch der Grusel-Faktor rapide an: Raschelnde Bäume, funktionieren eben immer noch, wie schon Spielbergs 'Jurassic Parc’ bewiesen hat.

Doch mit fortschreitender Filmdauer verstrickt sich 'Super 8’ zu sehr in den fast schon epischen Kampf zwischen Militär und dem fremden Eindringling aus dem Zug. Der will übrigens nicht nach Hause telefonieren, sondern direkt die Heimreise antreten. Gut, dass Abrams die Kampfszenen mit der unschuldigen Teenie-Liebe zwischen Joe und seiner überzeugenden Filmpartnerin Alice (Elle Fanning, 'Babel’) etwas entschärft. Apropos, mit Elle Fanning und Joel Kourtney ist Abrams ein echter Glücksgriff gelungen. Von beiden Nachwuchsstars wird man wohl noch öfter hören.

Alles in allem dürften vor allem Kinoromantiker vergangener Tage bei 'Super 8' voll auf ihre Kosten kommen. Mitfühlen und mitfiebern ist ausdrücklich erlaubt, weil das Schicksal der halbstarken Hauptdarsteller einfach mitreißt. Also rauf aufs alte ET-Gedächtnis-BMX-Rad und rein in den ersten echten Blockbuster dieses Sommers.

Von Benjamin Seebach

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