Sunrise-Avenue-Frontmann Samu Haber im Interview

Samu Haber im Talk
"Als eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, kannst du stark beeinflussen, wie man dich behandelt. Wenn du die große Nummer markierst, wirst du auch in die Schlagzeilen kommen."

„… du hast mein Mitleid, Justin Bieber!“

Ihr habt inzwischen eine unglaublich große Fangemeinde. Gibt es jemanden, der euch besonders im Gedächtnis geblieben ist?

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Was die Fans für uns alles tun, ist großartig. Sie reisen, stehen stundenlang in der Schlange, genießen die Shows mit uns, das ist fantastisch. Es gab da mal ein Mädchen aus Leipzig oder Chemnitz. Sie kam nach einer Show zu mir und bedankte sich für die Musik - aber das Beste sei, dass sie bei unseren Konzerten Freunde gefunden habe, nachdem sie lange ziemlich einsam war und in der Schule gemobbt wurde. Musik ist als Job zwar toll, aber wenn es ein Leben verändern kann, ist das schon das Allercoolste.

Kannst du denn bei eurem Erfolg noch unbehelligt auf die Straße gehen oder wirst du sofort erkannt? Wie ist das so in Skandinavien?

Erkannt werde ich zwar immer, aber man wird dort mehr in Ruhe gelassen. Witzig, wenn man einkaufen geht, und man hört die Leute hinter sich (flüstert): „Guck mal, er kauft Klopapier!“. Aber als eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, kannst du stark beeinflussen, wie man dich behandelt. Wenn du die große Nummer markierst, wirst du auch in die Schlagzeilen kommen. Auch ich habe Fehler gemacht, war betrunken unterwegs oder habe bescheuerte Dinge mit meinen Freunden auf Partys angestellt. Letztlich entscheidest du selbst, was mit dir passiert: Fängst du an, deine Seele an die Öffentlichkeit zu verkaufen, wird es dich irgendwann voll runterziehen. Fokussiere dich als Musiker, Schauspieler oder sonstige öffentliche Person auf deinen Job, das ist die bessere Wahl. Aber ich gebe zu, es ist sehr verführerisch. Am Anfang, wenn du plötzlich bekannt bist, das ist verrückt! Man kennt deinen Namen, du bist begehrt, man bezahlt dich, damit du irgendwo erscheinst, plötzlich will jede mit dir ins Bett! Ich war damals ganz froh, schon 30 zu sein und etwas Lebenserfahrung zu haben. Du hast also mein Mitleid, Justin Bieber….(grinst)

Was ist das Verrückteste, was du je über dich in der Presse gelesen hast?

Es ist immer nett, in der Presse herauszufinden, dass man angeblich Kinder auf der ganzen Welt verteilt hat. (lacht) Es gab Frauen, die versucht haben, mein Sperma zu kaufen! Das Coolste ist aber, wenn Journalisten anrufen und mir als werdendem Vater gratulieren. Ich antworte: „Das denke ich eher nicht“. „Aber wir haben die Ultraschallfotos und die Mutter hier, und werden das morgen veröffentlichen.“ Ich denke dann „Macht was ihr wollt, aber ihr könnt mich mal.“ Ganz schöner Unsinn, den man sich anhören muss.

Es ist schon verrückt. Besonders heutzutage hast du nirgendwo mehr Privatsphäre. Jeder hat mit seinem Handy jederzeit eine Kamera und ein Videogerät in der Hand. Wenn du irgendwas nur ein einziges Mal versemmelst, ist es innerhalb von Sekunden auf der ganzen Welt zu sehen.

Foto: Frank Radtke

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