"Süchtig nach Literatur": Deutschland trauert um Hellmuth Karasek

"Süchtig nach Literatur": Deutschland trauert um Hellmuth Karasek
Literatur-Kritiker mit Leib und Seele: Hellmuth Karasek © ddp images

Hellmuth Karasek, Lichtgestalt der Literatur-Welt, ist am Dienstag im Alter von 81 Jahren verstorben. Wie stark sein Einfluss und Unterhaltungswert war, zeigt die Bandbreite der Anteilnahme, die bis in die Politik des Landes geht. Bundespräsident Joachim Gauck kondolierte Karaseks Witwe Armgard Seeger am Mittwoch.

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Politik und Kultur reagieren

 

"Ohne ihn wäre das literarische Leben in unserem Land sehr viel ärmer"

 

"Hellmuth Karasek hat bei vielen Menschen die Kenntnis und die Liebe zur Literatur, zum Theater und zum Film entscheidend erweitert und vertieft. Ohne ihn wäre das literarische Leben in unserem Land sehr viel ärmer - und auch erheblich langweiliger", steht in dem Schreiben, das vom Bundespräsidialamt veröffentlicht wurde.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz meldete sich ebenfalls zu Wort und würdigte den Wahlhamburger Karasek auf seiner Website als "großen Intellektuellen, der uns mit Leidenschaft nicht nur die Literatur näher gebracht hat, sondern unserer Gesellschaft auch mit seinen Büchern und Kolumnen humorvoll und treffend einen Spiegel vorgehalten hat."

Auch in der Fernsehwelt ist die Bestürzung groß. Das ZDF, Heimat der Sendung "Das literarische Quartett", wo Karasek sich jahrelang verbale Gefechte mit Marcel Reich-Ranicki (1920 - 2013) lieferte, erinnerte sich in einer Pressemitteilung an den "engagierten Literaturkritiker". ZDF-Kulturchef Prof. Peter Arens schrieb: "Hellmuth Karasek war süchtig: süchtig nach Literatur und süchtig nach dem Disput, gerne kontrovers aber immer vermittelnd, gerne auch humorvoll - ein in jeder Hinsicht engagierter Kulturvermittler eben. Wir werden ihn vermissen."

 

Nicht nur ein großer Kritiker

 

Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen ("Die Regeln der Liebeslieder") würdigte in einem Nachruf für das "Hamburger Abendblatt" Karaseks komisches Talent: "Für viele war er ein Kritiker. Ich habe ihn kennen und schätzen gelernt als Komiker. Das meine ich als ein Kompliment", schrieb Hirschhausen. "Ein verbreitetes Vorurteil verbannt das Lachen ins Reich des Oberflächlichen. Und deshalb wird uns Hellmuth auch so fehlen, als einer, der über Genregrenzen ging, getreu seinem Motto: 'Eine gute Pointe ist besser als eine schlechte Welt.'"

Auch Moderator Niels Ruf erinnerte an Karaseks humorvolle Seite, indem er auf Twitter das Kultvideo vom August postete, in dem der Literaturkritiker einen Ikea-Katalog rezensierte. "Der sausympathische Mann aus diesem sehr lustigen Video ist leider gestorben. Gute Reise, Hellmuth Karasek!" schrieb er dazu. Und auch FDP-Vorsitzender Christian Lindner verabschiedete sich auf Twitter von dem Kritiker: "Mit Karasek geht ein Großer. Anderorts ist Marcel Reich-Ranicki jetzt nicht mehr langweilig, denn er hat sein Gegenstück zurück."

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