'Storm Hunters': Tornadojagd mit Matt Walsh und Sarah Wayne Callies

'Storm Hunters': Katastrophenkino der Extraklasse

Kinostart: 21.08.2014

4 von 5 Punkten

Knapp 20 Jahre ist es nun her, dass ‘Twister‘ mit seinen Tornados die Kinosäle dieser Welt heimsuchte. Da ist es nun durchaus wieder an der Zeit, eine weitere US-Kleinstadt nach allen Regeln der Hollywood-Kunst zu zerlegen. Regisseur Steve Quale (‘Final Destination 5‘) ist das mit ‘Storm Hunters’ durchaus eindrucksvoll gelungen. Der kurzweilige Blockbuster schafft es, einem eigentlich erschöpften Genre neues Leben einzuhauchen.

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Von Thomas Ziemann

Während sich die Kleinstadt Silverton für die Abschlussfeierlichkeiten der örtlichen High School rausputzt, rollen bereits die Sturmjäger heran. Denn am Himmel braut sich ein fieses Unwetter zusammen. Der besessene Anführer Pete (Matt Walsh) und seine Crew, darunter auch Meteorologin Allison (Sarah Wayne Callies, ‘The Walking Dead‘), jagen die ganz großen Tornados quer durch die USA. Ihr Ziel: Bislang nie dagewesene Aufnahmen aus dem Auge eines Orkans. Und obwohl die TV-Experten Riverside als den wahrscheinlichsten Ort für einen Sturm vorhersagen, hat Allison einen anderen Ort errechnet: Silverton. Und sie soll Recht behalten, denn nur kurze Zeit später bricht ein Jahrhundertsturm über sie herein und hinterlässt an der Schule Chaos und Verwüstung.

Nachdem sich der Himmel wieder etwas gelichtet hat, macht sich der stellvertretende Schulleiter Gary Morris (Richard Armitage, ‘Hobbit-Trilogie‘) gemeinsam mit Sohn Trey (Nathan Kress) auf die Suche nach seinem zweiten Sprössling Donnie (Max Deacon). Der hat sich nämlich vor seiner eigentlichen Aufgabe, die Schulfeier zu filmen, gedrückt und ist dabei, das Herz seiner Jugendliebe zu erobern. Doch gerade als die Bewohner ein bisschen durchschnaufen können, bemerken sie, dass noch etwas viel Schlimmeres auf sie zukommt. Und dieses Mal gibt es kein Entrinnen…

Bereits mit der ersten Szene macht Quale klar, was er mit den Zuschauern in den knapp 90 Minuten vorhat. Wie bei einem Auftaktmord in einem klassischen Horror-Film wird eine Gruppe von Teenagern bei einer nächtlichen Autofahrt von einem Tornado überrascht und getötet. So beschleicht den Zuschauer das Gefühl, dass die tödlichen Twister überall und zu jeder Zeit zuschlagen können.

Filmkritik Storm Hunters Steve Quale Richard Armitage Sarah Wayne Callies 'Storm Hunters': Vor dem Horror-Twister gibt es kein Entrinnen.

Katastrophenkino der Extraklasse

‘Storm Hunters‘ überzeugt vor allem durch das genreunübliche ‘Found Footage‘, ein Stilmittel, das gerne in Horrorfilmen eingesetzt wird. Beste Beispiele sind ‘Blairwitch Project‘ oder ‘Paranormal Activity‘. Durch den Kniff, das von den Protagonisten selbst gefilmte Material zu verwenden, fühlt sich die Gefahr erschreckend echt an. Die visuellen Effekte sind schlichtweg atemberaubend. Sei es beispielsweise die Windhose, die Benzin aufnimmt und zu einem flammenden Twister wird, die vom Himmel herabstürzenden Autos oder die durch Türen und Fenster krachenden Bäume. So fühlt es sich wohl an, einer solchen Naturgewalt nahe zu sein. Da zudem das Sound-Design ebenfalls am höchsten Level kratzt, muss sich der Katastrophenfilm von Produzent Todd Garner (‘Der Zoowärter‘, ‘Knight and Day‘) nicht vor den großen Blockbustern des Jahres wie ‘Transformers‘ verstecken.

So verzeiht man es Drehbuchautor John Swetnam auch nur zu gern, dass sein Plot die üblichen Schwächen des Genres mit sich bringt: Die Figuren wirken zum größten Teil unterentwickelt und bleiben storytechnisch an der Oberfläche. Da ist der ängstliche Kerl, der zum Bleiben überredet wird und damit sein Todesurteil unterschreibt, die toughe Meteorologin, die in jeder Situation außer ihrem Privatleben sicher auftritt, die zwei dauerbetrunkenen Youtube-Honks, die trotz unfassbarer Schusseligkeit doch überleben, und nicht zuletzt die herzerweichende Geschichte eines Vaters, der die emotionale Bindung zu seinen pubertierenden Söhnen verloren hat. Das alles hat man so schon unzählige Male gesehen. Aber trotzdem tut es der Sache keinen Abbruch, denn Swetnam schafft es entgegen aller Klischees dem großen, überflüssigen Happy End zu widerstehen.

‘Storm Hunters‘ präsentiert uns Mutter Natur in ihrer brutalsten Form und macht beeindruckend klar, dass trotz Roland Emmerichs Epos ‘2012‘ immer noch fantastisches Katastrophenkino möglich ist. Dass die Multi-Millionen-Dollar-Produktion dabei ohne überzogenen Pathos auskommt, muss ebenfalls löblich erwähnt werden. Da drückt man auch bei der wehenden US-Fahne am Ende des Films gerne ein Auge zu. Denn eins steht fest: ‘Storm Hunters‘ rockt.

Bildquelle: dpa bildfunk
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