Still Parade: Homerecording-Hymnen mit Stil

Still Parade
Niklas Kramer geht auch mal nach draußen. Foto: Heist or Hit © DPA

In kleinen Berliner Wohnungen kann Großes entstehen. Das hat schon der Elektro-Neoklassik-Crossover-Pianist und Klangforscher Nils Frahm bewiesen. Und jetzt Niklas Kramer alias Still Parade.

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Auch seinem Projekt haftet etwas Nerdiges an - das Album "Concrete Vision" (Heist Or Hit/The Orchard) entstand, wie es einem Soundtüftler in begrenzten Platzverhältnissen eben möglich ist. Kramer bekam vor zwei Jahren von seinem Vater ein Tonbandgerät geschenkt, mit dem er fortan heftig experimentierte.

Vorherige Werke im Dream-Folk-Sound waren nun passé. Stattdessen sind aus den neun Still-Parade-Songs herauszuhören: der geniale Rock-Exzentriker Todd Rundgren, der Soft- und Yacht-Pop der 70er, die Beach Boys, The Bee Gees, 80er-Jahre-Synthiesounds inklusive der prächtigen Elegien von Prefab Sprout oder The Dream Academy, bis hin zu den French-Poppern Phoenix und Air.

Kramer, der auch schon den britischen "Guardian" begeisterte ("New Band of the Week" im März), sagt über seine Arbeitsweise: "Für mich ist Produktion genauso wichtig wie Komposition und Text, und es macht einfach ziemlich viel Spaß, an den Sounds zu arbeiten. Das Wichtigste am Selbstproduzieren ist, glaube ich, dass man sich einfach viel mehr Zeit nehmen kann und auch eher abwegige Ideen mal ausprobieren kann."

Das erste Lebenszeichen von Still Parade war 2013 die Single "Actors" - ein Song, der in vordere Ränge der "HypeMachine"-Charts kam und einige hunderttausend Male gehört wurde. Auch mit der EP "Fields" hatte Kramer in der Blog-Welt Erfolg. Der Schleier vor Still Parade wurde jedoch erst nach und nach gelüftet - umso größer war angesichts des internationalen Klangbilds die Überraschung über den Berliner Produzenten.

"Ich habe direkt nach der EP angefangen, an neuen Songs zu arbeiten, und schnell gemerkt, dass es mich in eine andere Richtung zieht", erzählt der äußerlich eher unscheinbare junge Künstler mit der hauchigen Singstimme. "Ich denke, dass die Bandmaschine einen größeren Einfluss auf das Songwriting als auf den Sound selbst hatte."

Das Ergebnis ist eine üppige, stilvolle, von klugen Zitaten geprägte Homerecording-Platte, die Kramer als beachtliches Talent vorstellt. Und "Walk In The Park" hat das Zeug zum großen Sommer-Überraschungshit!


dpa
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