Steve Gunn: Gitarrenheld ohne eitle Gniedelei

Steve Gunn
Steve Gunn kennt sich mit Saiten aus. Foto: Beggars Group © DPA

Selbstbewusst, aber nie selbstverliebt: So wirkt der US-Amerikaner Steve Gunn auf seinem neuen Album. Dabei ist das eine veritable Gratwanderung, wenn man sich (übrigens völlig zu Recht) als "Gitarrenvirtuose" bezeichnen darf.

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Denn oft artet Gitarrenmusik von Koryphäen ja in eitle Gniedelei aus, und man sucht am Ende hinter all den Sechssaiter-Girlanden und Muskelprotzereien nach der Melodie, dem Song. Bei Steve Gunn, der eher in einer Slacker-Indierock-Liga mit Leuten wie Kurt Vile, Ryley Walker, Nels Cline (Wilco) oder Adam Granduciel (The War On Drugs) spielt, geht es indes nie um billige Schauwerte.

Schon mit "Ancient Jules", dem Auftaktsong seines erst dritten in größerem Rahmen erschienenen Albums "Eyes On The Lines" (Matador/Beggars/Indigo), gibt Gunn ordentlich Gas und wirkt doch angenehm zurückhaltend. Der Mann kann wirklich ehrfurchtgebietend Gitarrespielen (besser als Singen, die Stimme ist mit unscheinbar wohl zutreffend beschrieben), und er ordnet dies doch dem kompakten, schlackefreien Americana/Psychedelia-Sound seiner ebenfalls sehr kompetenten Mitstreiter unter.

Auch in "The Drop" oder "Conditions Wild" schießt der stets freundlich in die Welt blickende Gunn hier und da ein kleines, feines Solo ab, um dann wieder in den Groove seiner Band einzutauchen. Das klingt gut geerdet, lässig, cool - und man gewinnt den Eindruck, dass dieser Musiker als moderner Gitarrenheld in eine Zeit passt, in der es eigentlich gar keine Gitarrenhelden mehr gibt (oder nur auf ewiger Abschiedstournee, siehe Carlos Santana, Eric Clapton und Pete Townshend).


dpa
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