Stereo: Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel auf dunklem Psycho-Trip

Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel in 'Stereo'
Moritz Bleibtreu jagt Jürgen Vogel in 'Stereo' in den Wahnsinn. © dpa, Stephan Rabold

4 von 5 Punkten

Ein Neuanfang verheißt nicht immer etwas Gutes: Weit weg von der Großstadt Berlin startet Erik (Jürgen Vogel, 'Ostwind') im ländlichen Idyll in ein neues Leben. Mit seiner neuen Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller, 'Tatort') ist er glücklich und auch mit deren Tochter Linda versteht er sich prächtig. Seine Motorradwerkstatt läuft ganz gut, nur mit Julias Polizisten-Vater Wolfgang (Rainer Bock) ist er nicht ganz auf einer Wellenlänge. So weit, so gut. Doch dann tritt Henry (Moritz Bleibtreu, 'Nicht mein Tag') in Eriks Leben und der scheinbare Frieden findet ein jähes Ende – denn Henry will partout nicht mehr verschwinden.

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Von Janina Lenz

Nichts ist, wie es scheint in dem surrealen Psychothriller 'Stereo' von Maximilian Erlenwein. Henry taucht wie aus dem Nichts in Eriks scheinbar heiler Welt auf. Mit seiner zynischen Art treibt er ihn an den Rand des Wahnsinns – und Erik wähnt sich schon in weißen Kitteln über triste Flure wandern. Deshalb muss Hilfe her, zur Not auch in Form einer skurrilen Geisterheilerin in einem versifften Berliner Plattenbau.

Von da an entwickelt sich 'Stereo' in einen spannungsgeladenen Mystery-Thriller, der – abgesehen von einigen offenkundig sehr an den Haaren herbeigezogenen Momenten – ziemlich sehr düster erscheint in einer Zeit des bunten Popcorn-Kino. Die beiden deutschen Schauspiel-Schwergewichte Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu spielen dabei erstmals zusammen als Hauptcharaktere Seite an Seite – und sie machen ihre Teamarbeit mehr als gut.

'Stereo' ist unberechenbar - so wie seine Protagonisten

Vor allem das Wechselspiel ihrer Charaktere von Gut zu Böse wirkt sehr überzeugend. Schon in den ersten Minuten des Films wird deutlich, dass unter der Softie-Fassade von Motorradfan Erik ein tougher Kerl schlummert, den Jürgen Vogel in seiner gewohnt rauen Art auch beim Kaffeekränzchen mit Film-Freundin Petra Schmidt-Schaller latent herauskehrt. So baut sich immer stärker der Drang auf zu wissen, wer oder was hinter dem rätselhaften Henry steckt.

Die Auflösung des zentralen Mysteriums um die Identität von Henry kommt nach der brutalen Actionflut fast schon fade daher. Denn bis es so weit ist, überrollt Regisseur Maximilian Erlenwein den Zuschauer mit einer Atmosphäre, die nicht immer gut auszuhalten ist. Kaum wähnt man sich in einer Szene geborgen, wird diese kurzerhand aufgebrochen und endet in düsterer Gewalt. Erlenwein legt falsche Fährten, reißt das Ruder urplötzlich herum – oder lässt den Zuschauer gänzlich im Dunkeln tappen.

Aufgebrochen werden die vertrackten Szenen durch Momente fast absurden Humors. So wütet sich Georg Friedrich ('Die Klavierspielerin') als verkrüppelter Gangsterboss fast an den Rand der Karikatur und verbreitet so einige Minuten ironischen Spaß. Doch genau das macht den Reiz von 'Stereo' aus: Der Film ist unberechenbar, genau wie seine Protagonisten Erik und Henry. Dass die anfängliche Idylle nicht überlebt, ist bei einem solchen Psycho-Trip wohl von Beginn an klar. Und genau deshalb ist 'Stereo' ein Muss für Kinogänger, die neben klischeebeladenen Liebeskomödien Lust auf eine deutsche Mystery-Produktion haben.

Kinostart: 15. Mai 2014

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