Steht Polens Woodstock vor dem Aus?

Besucher des Woodstock-Festivals
Die Fans sind schon im Anmarsch beim Woodstock-Festival im polnischen Kostrzyn. Foto: Lech Muszynski © DPA

Die ersten Zelte stehen schon, die Festivalbühnen ebenfalls, und hunderte junger Polen sind bereits mit Rucksäcken, Isomatten und Gitarren ins westpolnische Kostrzyn (Küstrin) nahe der deutsch-polnischen Grenze gereist.

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Mit bunt geschminkten Gesichtern und kräftig gefärbten lila oder grünen Haaren brachten die ersten sich schon in den Sonderzügen in Stimmung für "Przystanek Woodstock", die Woodstock-Haltestelle. Am Donnerstag startet Polens größtes Open Air-Festival mit vor allem polnischen Bands bereits zum 22. Mal.

Für viele Fans wie die mittlerweile in Großbritannien lebende Magdalena ist es das "schönste Festival der Welt". Diesmal kann sie nicht dabei sein, aber irgendwann, so hofft sie in einem Eintrag auf der Facebook-Seite von Jurek Owsiak, dem "Vater" des Festivals, wird sie wieder kommen – diesmal mit ihren Kindern.

Mit dem dreitägigen Festival bedankt sich der Musikjournalist Owsiak bei den jugendlichen Freiwilligen, die sich im Dezember beim "großen Orchester der Hilfe", Polens größter privater Spendensammlung für Kinderkrankenhäuser, engagieren.

Mancher Festivalbesucher ist mit "Woodstock" erwachsen geworden und macht aus dem Konzertbesuch mittlerweile einen Familienausflug. Doch während Woodstock für tausende Polen Kult ist, unterstellt der rechtskatholische Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk mit Hilfe seines Medienimperiums Owsiak seit Jahren schlechten Einfluss auf die Jugend. Die bunte Menge von Woodstock mit ausgelassenen Schlammbädern und hartem Rock'n'Roll ist dem Pater mit Nähe zur nationalkonservativen Warschauer Regierung nicht geheuer.

Rydzyks Fernsehsender "TV Trwam" verlor vor Jahren einen Verleumdungsprozess gegen Owsiak, nachdem in einem Filmbeitrag über das Festival von "Marihuana-Vergabestellen" und einem "satanistischen Einfluss" auf die jugendlichen Besucher die Rede gewesen war. Im vergangenen Dezember forderte ein Abgeordneter der nationalkonservativen Regierungspartei die Entlassung von Polizisten und Feuerwehrleuten, die sich in Uniform für Owsiaks Spendenaktion engagieren.

Owsiak zeigte sich verwundert, als die örtlichen Behörden knapp einen Monat vor Festivalstart das mehrtägige Musikspektakel als "Veranstaltung mit erhöhtem Risiko" auswiesen. Ein sechseinhalb Kilometer langer Zaun zieht sich um das Festivalgelände, an 14 Einlasstoren gibt es Kontrollen. "Es wird ein bisschen anders sein als sonst", sagte Owsiak kürzlich in einem Interview.

Owsiak bot ein überarbeitetes Sicherheitskonzept an, mit mehr freiwilligen Ordnern, die gegen Drogenmissbrauch vorgehen, mit einer Ausweitung der "prozentfreien Zone" vor den vier Bühnen und auf dem Festivalgelände, wo kein Alkohol geduldet wird.

Die Antwort sei ein sechsseitiges Polizeischreiben mit zusätzlichen Vorschriften gewesen, teilte Owsiak über soziale Medien mit. Besonders verblüfft reagierte er auf die Warnung, es könne zum Auftreten extremistischer Gruppen kommen. "Es tut uns leid, dass Ihr nach so vielen Jahren von den Behörden angesehen werdet als Leute, denen man nicht trauen kann", schrieb er auf seiner Facebook-Seite.

Allerdings: In diesem Jahr gelten im Juli in Polen generell verstärkte Sicherheitsbedingungen. Erst am vergangenen Wochenende ging in Warschau der Nato-Gipfel zu Ende, Ende des Monats kommen hunderttausende junger Christen nach Krakau, um mit Papst Franziskus am Weltjugendtag teilzunehmen.

Owsiak appelliert noch vor dem Festivalstart an die Besucher: "Passt nicht nur auf euch selber auf, reagiert auf jeden Bruch der Vorschriften und Festivalbedingungen. Lasst uns alle zeigen, dass wir, wenn wir das einzige Festival Polens mit erhöhtem Risiko organisieren, das unvergleichlich und schön machen."

Wird es auch im kommenden Jahr ein Woodstock-Festival geben? Im Interview wollte Owsiak keine Prognosen wagen – und betonte: "Wenn dies das letzte Festival sein sollte, weil jemand verbieten will, es zu organisieren – dann soll es das schönste sein."


dpa
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