Stefan Raab beendet seine Karriere: Mit TV Banal ist Schluss

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Stefan Raab beendet seine TV-Karriere
TV Total ist bald vorbei: Stefan Raab hört auf. © dpa, Jörg Carstensen

Stefan Raab hat einfach keine Lust mehr

Das war's. Stefan Raab schmeißt hin. Es ist ein Abgang Total. Einer, der längst überfällig war. Wie sehr aus 'TV Total' mittlerweile 'TV Banal' geworden ist, zeigt folgendes Beispiel: Ein Bekannter von mir war vor gar nicht allzu langer Zeit bei Stefan Raabs Late-Night-Show eingeladen. Seine Freundin erzählte mir hinterher, Raab sei vor der Sendung kurz backstage bei ihnen reingeschneit. Kurzes Händeschütteln, dann ein "Hi, schön, dass du herkommen konntest" aus der Tüte mit Begrüßungsfloskeln, die Stars und Moderatoren vor Beginn ihres Arbeitstages aufzureißen scheinen. Das Interview in der Sendung werde spontan sein, "da schauen wir dann einfach, was sich ergibt", so Raab. Dann ging er wieder. Die Freundin hatte er nicht eines Blickes gewürdigt.

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Es ist eine Szene, die stellvertretend für das steht, was seit dem Start 1999 mit 'TV Total' passiert ist. Dass sich Stefan Raab nicht für seine Gäste interessiert, ist nichts Neues. Doch er hatte mal den Anspruch, sein Publikum wenigstens zu unterhalten. Das gelang ihm in den ersten Jahren seiner Sendung auch beispiellos. Er sang 'Mer losse de Dom in Kölle' mit Kylie Minogue. Er trällerte mit seiner Ukulele Verona Pooth vor, sie sei nur eine Wichsvorlage. Er setzte sich in ein Kunstflugzeug und ließ filmen, wie er sich nach unzähligen Sturzflügen und Loopings beinahe übergeben musste. Er moderierte, komponierte, hob neue Formate aus der Taufe, die das deutsche Fernsehen prägten. Mit Lena Meyer-Landrut gewann er den Eurovision Song Contest. Was Raab gemacht hatte, war am nächsten Tag Gesprächsthema und für all das gebührt ihm der höchste Respekt. Ich selbst habe seine Sendung geliebt, als sie nur einmal in der Woche lief.

Umso trauriger ist es, dass heute höchstens noch darüber gesprochen wird, wenn es Jan Böhmermann gelingt, Stefan Raab vorzuführen. Der Moderator fiel darauf herein, in China gäbe es einen TV-Total-Klon mitsamt geklautem Logo und einem Co-Moderator, der wie Elton in einem roten Anzug herumturnte. Das allein wäre gar nicht mal schlimm gewesen. Bezeichnend aber ist Raabs Reaktion. Der Mann, der selbst über Jahrzehnte andere lächerlich machte (Lisa Loch) oder über Menschen wegen ihres Dialekts Trash-Songs schrieb (Maschendrahtzaun), muss außer sich gewesen sein vor Wut. Wer einmal 'Schlag den Raab' gesehen hat, der weiß, dass Stefan Raab der personifizierte Ehrgeiz ist. Doch der einstige ProSieben-Schreck unternahm: Nichts.

Der Mann, der jetzt in TV-Rente geht, wirkt schon längst wie ein Rentner: Müde steht er Abend für Abend in Jeans-Sakko-Kombination vor der Kamera. Eine Hand in die Hosentasche, dann ein bisschen Stand-Up-Comedy. Ein paar abgelesene Witze. Raab verhaspelt sich, spricht Namen falsch aus, hustet. Längst zünden die meisten Gags nicht mehr, das Timing passt nicht. Die Redaktion scheint sich blind darauf zu verlassen: Dem großen Zampano fällt schon was ein. Das tat es leider kaum noch. Eine Ausnahme war etwa, als Stefan Raab aus New York sendete, wo ihn keiner kennt. Als Raab mit Mikrofon durch die Straßen der Metropole rannte und sich in Gangsta-Klamotten zum Kasper machte, merkte man: Er kann es noch und man fühlte sich zurückversetzt ins Jahr 1999. Hätte Raab da gesehen, was im Jahr 2015 aus ihm werden würde, er hätte sich selbst ein Raabigramm singen müssen.

1998 sagte er in einem 'Spiegel-TV'-Interview: "Ich möchte nicht irgendwann mal meinen Kindern erzählen müssen: Guck mal, da im Fernsehen, das ist der Papa, der macht da den lustigen Onkel, damit er euch was zum Anziehen kaufen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit 50 noch Fernsehen mache." Jetzt wird Stefan Raab 49 Jahre alt sein, wenn er aufhört. Seinen Kindern dürfte er genug zum Anziehen kaufen können. Nur lustig, das will der Onkel leider längst nicht mehr sein.

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