'Star Trek - Raumschiff Enterprise' wird 50: Der Sci-Fi-Kult von Gene Roddenberry in der Rückschau

50 Jahre "Star Trek": Mit Warp-Antrieb durch die TV-Geschichte
Mit diesem jungen Herren ging 1966 alles los: William Shatner als James T. Kirk © Universal Home Entertainment, SpotOn

Von Kirk bis Archer

Es ist das Jahr 1966. In Deutschland tritt Kurt Kiesinger die Bundeskanzler-Nachfolge von Ludwig Erhard an. In China beginnt die Kulturrevolution. England wird dank des berühmt-berüchtigten Wembley-Tors Weltmeister. Und in den USA begibt sich eine Bande unbekannter Schauspieler in "Star Trek" auf eine Reise durch die Galaxie. So wirklich will sich zu Beginn aber keiner für die Abenteuer von Captain Kirk, Mister Spock und Co. begeistern. Schnell wird klar, derartige Sci-Fi-Unterhaltung hat keine Zukunft im Fernsehen. Heute, genau 50 Jahre, insgesamt 725 Serien-Episoden sowie 13 Kinofilme später, können wir dieser These nicht zustimmen.

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Der Beginn der Sternenreise

Drehbuchautor, Fernsehproduzent und Serienschöpfer Gene Roddenberry (1921-1991) war seiner Zeit voraus, so viel kann in der Retrospektive gesagt werden. Vielleicht nicht die knapp 300 Jahre, die seine Serie "Raumschiff Enterprise" aus damaliger Sicht in der Zukunft spielte. Definitiv aber die drei Jahre, die es brauchte, ehe Neil Armstrong am 21. Juli 1969 den Mond betrat und mit seinem "großen Schritt für die Menschheit" auf der Erde einen regelrechten Begeisterungssturm für alles auslöste, das mit dem Weltraum zu tun hatte - so auch für "Star Trek".

Denn tatsächlich schienen die Abenteuer von William "Bill" Shatner als furchtloser Raumschiff-Kapitän nach nur zweieinhalb Jahren ein jähes Ende gefunden zu haben. Die Crew der Enterprise versammelte zwar eine treue, aber sehr kleine Fangemeinschaft um sich und wurde nach nur drei Staffeln abgesetzt. Erst einige Jahre nach Armstrongs Mondreise, Anfang der 70er-Jahre, gab es die große Renaissance der original "Star Trek"-Folgen im Fernsehen, welche der Show ihren heutigen Kultstatus verschaffen sollte.

Picard statt Kirk

Mit Ausnahme einer kurzweiligen Animations-Serie namens "Die Enterprise" dauerte es aber dennoch über 20 Jahre, ehe eine neue Enterprise im TV wieder in Galaxien vordrang, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Von 1987 bis 1994 übernahm der bekannte Theaterschauspieler Patrick Stewart das Amt des Weltraum-Kapitäns in "Das nächste Jahrhundert". Dank deutlich höherem Produktionsbudget mauserte sich die zweite "Star Trek"-Serie zu einer festen Größe im internationalen Fernsehen, 178 Folgen durfte die Crew auf Erkundungstour durchs All fliegen.

Doch auch Captain Kirk hatte in diesem Zeitraum nicht ausgedient - von 1979 in "Star Trek: Der Film" bis 1991 in "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" hatte er das Kinopublikum fest im Griff. Erst 1994, mit "Treffen der Generationen", fand auch hier die Wachablösung statt, wobei Kirk im siebten Teil der Filmreihe ein besonderer Abschied spendiert wurde.

Höhen und Tiefen

Nichts schien den doppelten Triumphzug im Fernsehen und im Kino aufhalten zu können. Auch die nächste Serie "Star Trek: Deep Space Nine" schaffte es etwa auf sieben Staffeln und eine noch heute treue Fangemeinde. Der erste vollständig eigene Film der neuen Enterprise-Besatzung, "Der erste Kontakt", gilt bei vielen Anhängern - neben "Der Zorn des Khan" - sogar als bester Streifen der Reihe.

Doch dann wurden sie sichtbar, erste Risse im so stabil geglaubten Fundament der Sci-Fi-Instanz. Die Serie "Voyager" galt unter Fans ebenso wie deren Nachfolger "Star Trek: Enterprise" rasch als Enttäuschung, noch schlimmer traf dies bei den Film-Fortsetzungen "Der Aufstand" und "Nemesis" zu. Die Marke "Star Trek" schien nun doch ihren Zenit überschritten und die Grenzen des Film- und Fernsehuniversums erreicht zu haben. Aber Halt: Wie sieht es mit alternativen Universen aus?

Der Neuanfang

Ausgerechnet J.J. Abrams, der sich mit seiner ambitionierten Serie "Lost" schon ein wenig überhoben hat, wurde als Retter engagiert - und er sollte Erfolg haben! Für eine Neuauflage der Original-Charaktere Kirk, Spock und Konsorten ließ er sich kurzerhand eine alternative Zeitlinie einfallen und konnte die bekannten Recken so auf unbekannte Abenteuer schicken. Das Kinopublikum fand diese Idee klasse und strömte 2009 massenweise in die Kinos, um "Star Trek" zu sehen.

Bereits zwei Fortsetzungen hat dieser Reboot inzwischen nach sich gezogen, "Star Trek Into Darkness" und ganz frisch "Star Trek Beyond". Letzterer unter der Regie von Action-Experte Justin Lin. Vor allem der neue Cast um Chris Pine, Zachary Quinto und Zoe Saldana scheint das Publikum zu überzeugen. Ein vierter Teil wird kommen. Dann wird aber ein Crew-Mitglied der Enterprise fehlen: Anton Yelchin alias Ensign Pavel Chekov. Er starb völlig überraschend am 19. Juni 2016 bei einem tragischen Unfall auf seinem Grundstück. Produzent J. J. Abrams hat erklärt, dass Yelchins Rolle nicht neu besetzt werde.

Die Zukunft

Ein Ende der beliebten Sci-Fi-Reihe ist also auch nach 50 Jahren alles andere als in Sicht. Neben den Kinofilmen ist nämlich erstmals seit "Star Trek: Enterprise" von 2001 wieder eine neue Serie in Planung. Dieses Mal hat sogar der Streamingdienst Netflix seine Finger im Spiel. Und der Fokus soll auf einem weiblichen Lieutenant Commander liegen. Mit "Star Trek: Discovery" werden ab Januar 2017 also wieder auf den kleinen Bildschirmen die Grenzen des Universums ausgelotet - vielleicht dann ja auch wieder mit positiverer Resonanz der Fans.

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