Staatsakt für Hans-Dietrich Genscher: Deutschland verneigt sich

Staatsakt für Hans-Dietrich Genscher: Deutschland verneigt sich
Soldaten tragen nach dem Staatsakt Genschers Sarg zum Trauerwagen © imago/Future Image

Deutschland hat sich vor Hans-Dietrich Genscher verneigt. In einem Staatsakt nahmen Hunderte Ehrengäste Abschied vom früheren Außenminister, der am 31. März im Alter von 89 Jahren gestorben ist. Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete ihn als "deutschen Patrioten und überzeugten Europäer" sowie als "Glück für unser Land". Er dankte zudem Genschers Witwe Barbara: "Liebe Frau Genscher, Sie haben zu diesem Lebenswerk das Ihre beigetragen."

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Sarg in Bonn aufgebahrt

Es kommt nur selten vor, dass verstorbene Bundesminister mit einem Staatsakt geehrt werden. Im vergangenen November wurde der frühere Kanzler Helmut Schmidt (SPD, 1918-2015) auch auf diese Weise gewürdigt. Bundespräsident Gauck hatte das Zeremoniell für Genscher angeordnet, da der FDP-Politiker besondere Verdienste für Deutschland geleistet habe. Genscher wird als "Architekt der deutschen Einheit" angesehen. Sein Sarg wurde daher auch in seiner alten Wirkungsstätte aufgebahrt. Der Staatsakt fand im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn statt.


"Zäh wie ein Cowboystiefel"

Der ehemalige US-Außenminister James Baker erinnerte sich in seiner Rede, dass Genscher "zäh wie das Leder eines texanischen Cowboystiefels sein" konnte und bezeichnete ihn als "heroischen Staatsmann". Ex-Außenminister Klaus Kinkel (FDP) nannte seinen Amtsvorgänger einen "Meister des Dialogs". Der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer bescheinigte Genscher unterdessen, der "fröhlichste Hallenser aller Zeiten" gewesen zu sein. Er sei ein immer währender Optimist gewesen, der niemals aufgeben wollte.


Die erste Garde der deutschen Politik war in Bonn anwesend. Unter den Gästen befanden sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Zudem waren der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) anwesend sowie IOC-Präsident Thomas Bach, Verlegerin Friede Springer und Komiker Dieter Hallervorden.


Beisetzung in aller Stille

Nach den Reden wurde Beethovens "Ode an die Freude" gespielt und die Teilnehmer sangen gemeinsam die deutsche Nationalhymne. Soldaten der Bundeswehr trugen Genschers Sarg schließlich aus dem Gebäude. Zu den Klängen des Trauermarsches von Händels Oratorium "Saul" wurde der Sarg zum Trauerwagen geleitet. Medienberichten zufolge wird Genscher in der Gemeinde Wachtberg bei Bonn beigesetzt. Die Beerdigung findet im privaten Familienkreis statt.



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