"Sponk" verdient Geld mit Graffiti

Graffiti-Künstler Sponk
Der Graffiti-Künstler Dan Geffert, Künstlerpseudonym „Sponk“, hat den Scholvener Bunker in Gelsenkirchen besprayt. Foto: Ina Fassbender © DPA

Mit schnellen, routinierten Bewegungen sprüht Graffiti-Künstler Dan Geffert Farbe auf die zuvor triste Bunkerwand. Der 27-Jährige steht mit Atemmaske und Spraydosen auf einem Hubsteiger. 20 Meter unter ihm: Ein Parkplatz. Vor ihm: Eine Wand - fast so groß wie zwei Tennisplätze.

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Seit zwölf Jahren greift Geffert unter dem Künstlernamen "Sponk" zur Dose. Nicht bei Nacht und Nebel, sondern tagsüber und legal sprüht er Graffiti an Wände, Wohnwagen und Garagentüren. Dafür wird er nicht wegen Vandalismus bestraft, sondern bekommt Geld. Seine Auftraggeber sind Privatleute oder die Stadt.

Was zunächst als Hobby anfing, ist für den Designstudenten heute Beruf und Berufung zugleich. "Aufträge zu bekommen, war ein schleichender Prozess", erinnert sich der 27-Jährige. "Es fing damit an, dass ich mit 15 die Kinderzimmer meiner Kumpels besprüht habe." Heute arbeitet der Graffiti-Künstler im größeren Stil: Das Nordseemotiv auf einem ehemaligen Rundbunker in Gelsenkirchen ist sein bislang umfangreichstes Projekt mit einer Variation aus rund 150 Farben.

Geffert arbeitet mit Ebenen und Rastern, damit das Bild möglichst realitätsgetreu wird. Für die Auftraggeber zählt vor allem die auffällige Werbung, für den freischaffenden Designer ist es sein Lebensunterhalt. Ein wenig Idealismus erlaubt sich "Sponk" trotzdem: "In erster Linie geht's mir darum, Kunst im öffentlichen Raum zu machen, die wertgeschätzt wird. Ein Graffiti gehört an einen Ort, der dadurch eine Bereicherung ist."

Kimo von Rekowski, Sprecher der Berliner Street Art Agentur xi-Design, ist zuversichtlich, dass das Ansehen von legaler urbaner Kunst unter illegalen Graffitis nicht leidet. "Die Öffentlichkeit empfindet Street Art nicht mehr als Schmiererei, sondern als außergewöhnliches Handwerk."

Neben dem künstlerischen Geschick ist eine gute Organisation in dem Geschäft überlebensnotwendig. Denn um ein wenig Bürokratie kommen auch Graffiti-Künstler nicht herum: Genehmigungen müssen eingeholt, Gerüste aufgebaut und grafische Entwürfe vorbereitet werden. Wenn mehrere Aufträge gleichzeitig anstehen, greifen Kimo von Rekowski und seine Kollegen auf freischaffende Sprayer zurück.

Damit ist die Berliner Agentur auch für große Werbekunden gewappnet. Allein im letzten Jahr haben die Künstler 45 großen Wänden mit durchschnittlich 300 Quadratmetern Fläche Leben eingehaucht. Ein wachsender Markt: "Vor allem in Städten wie Hamburg, Berlin und München mit hoher Bevölkerungsdichte steigt die Nachfrage nach Street Art", sagt der Agentursprecher.

Auch das Ruhrgebiet entdeckt die urbane Gestaltung für sich. "In Gelsenkirchen unterstützen wir Graffiti-Kunst nach Kräften - zum Beispiel mit der Genehmigung von freien Flächen", sagt Claudia Keuchel vom Kulturreferat. Zunehmend werden talentierte Sprayer an Auftraggeber vermittelt und Graffiti-Kurse für Jugendliche angeboten. "Sie sollen sich ausprobieren können, statt in die Illegalität zu rutschen." Am Ende profitierten von diesem Zusammenschluss sowohl die Sprayer als auch die Kommune durch ein "jüngeres Stadtbild".

Bunte Farben auf Fassaden sprühen. Was von außen oft als Hobby wahrgenommen wird, ist für "Sponk" weitaus kräftezehrender als Malen nach Zahlen. "Das Sprayen geht mir jetzt schon stark an die Substanz. Vor allem unter der Atemschutzmaske wird es im Sommer unerträglich heiß", erzählt der Student. "Dazu kommt, dass ich als Selbstständiger Werbung, Buchhaltung und Aufträge komplett alleine abdecken muss."

Seine Bilder auf Beton sind der Witterung ausgesetzt und damit naturgemäß vergängliche Kunstwerke. Doch dass selbst alte Graffiti zu etwas gut sein können, zeigt Vera Aldejohann. Die Designerin aus Wuppertal kennt die Szene, sprayt aber nicht selbst. Sie verwendet stattdessen vielfarbige Graffiti-Bruchstücke, bearbeitet sie und gießt sie in Kunststoffformen. Das Ergebnis: Schillernd-bunte Halsketten-Anhänger. Einige hat sie bereits verkauft. Um ihre Graffiti-Schmuckstücke aktiv zu bewerben, fehlt der 31-Jährigen die Zeit: "Mit meinem Studium habe ich genug zu tun. Außerdem, nur davon leben kann man auf keinen Fall."


dpa
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