'Spieglein, Spieglein - die wahre Geschichte von Schneewittchen'

5 von 5 Punkten

Aus dem Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen eine moderne Komödie zu machen, ist mutig. Noch gewagter ist, die böse Stiefmutter mit der bildschönen Julia Roberts zu besetzen und Lily Collins als Schneewittchen nicht auf die Opferrolle zu reduzieren, sondern kratzbürstig zurückschlagen zu lassen. Doch das Konzept von Tarsem Singh (‚Krieg der Götter 3D) geht auf: Er verjüngt mit viel Kreativität und Frische das alte Märchen und sorgt für manch‘ amüsante Überraschung.

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Die etwas in die Jahre gekommene, boshafte Königin (Julia Roberts) hat nicht nur Probleme mit ihren Falten und der leeren Staatskasse, sondern auch mit ihrer immer schöner werdenden Stieftochter Schneewittchen (Lily Collins). Von Neid und Hass zerfressen beauftragt sie ihren Diener Brighton (Nathan Lane überzeugt mit gekonntem Minenspiel und tragischer Komik), das Mädchen zu töten. Der bringt es jedoch nicht übers Herz und lässt Schneewittchen laufen. Das arme Ding hat Glück und kommt im tiefen Wald bei sieben Kleinwüchsigen unter. So weit, so gut – das kennt jeder aus dem Märchen. Von Zwergenidyll hier allerdings keine Spur: Statt in den Bergen nach Erz und Gold zu graben, rauben die Kleinkriminellen lieber Reisende aus.

Schneewittchen will mit Hilfe ihrer neuen Freunde die bösartige Stiefmutter vom Thron stürzen und das Königreich wieder zu dem zu machen, was es einmal war: einem blühenden Land mit glücklichen Untertanen. Dabei soll ihnen Prinz Andrew Alcott von Valencia (Armie Hammer, bekannt aus ‚The Social Network‘) helfen. In den schmucken Jüngling hat sich Schneewittchen schon beim ersten Anblick unsterblich verliebt. Da hing er, seiner Kleider bis auf eine schneeweiße, lange Leinenunterhose entledigt, kopfüber in den Bäumen. Leider ist auch Schneewittchens Stiefmutter scharf auf den wohlgebauten, reichen Prinzen. Sie will ihn sogar heiraten, und ihr ist jedes Mittel recht, das Herz des Spaniers zu erobern. Der heimlich verabreichte Liebestrank erweist sich jedoch als wenig hilfreich – im Gegenteil…

Spöttischer Humor und ein Hauch von Bollywood

Die wunderschöne Tochter von Sänger Phil Collins ist wirklich so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Lily Collins erinnert als Schneewittchen sehr an ‚Amelie‘-Darstellerin Audrey Tautou. So frisch und unverbraucht – toll! Ganz entgegen ihrem bisherigen Everybody‘s-Darling-Image zeigt die großartige Julia Roberts, dass sie mehr kann. Sie nutzt ihr bezauberndes Lächeln auf teuflisch-unheimliche Weise. Das Böse steht ihr gut! Respekt auch für den würdevollen Auftritt im 50-Kilogramm-Kleid - Frau Roberts trägt die rote Königsrobe, als wenn’s ein Stoff-Fähnchen wäre. Dabei mussten vier Männer ihr dabei helfen, das Kleid anzuziehen!

Armie Hammer ist die perfekte Besetzung für die Rolle des ‚Prince Charming‘. Seine Angst, die Rolle könne zu ‚zuckersüß‘ für ihn sein, bewahrheitet sich nicht. Denn mit der nötigen Portion Ironie, Action und Humor gibt er dem Prinzen genau den richtigen Charakter. Auch der zeitgemäß-spöttische Humor trifft ins Schwarze und macht aus ‚Spieglein Spieglein‘ einen wunderschönen Film für die ganze Familie voller Magie und Lebensfreude. Dank der pompösen Roben von Kostümdesigner Eiko Ishioka und einer fantasievoll-märchenhaften Ausstattung ist jeder Moment auch eine Freude fürs Auge. Ein Hauch von Bollywood liegt über dem Ende des Films und zaubert ein Lächeln in die Gesichter. Viel Vergnügen!

Britta Ploetner

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