Spezies Wiesn-Gast

Oktoberfest
Die größte Party der Welt?! Foto: Tobias Hase © deutsche presse agentur
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Sechs Millionen Besucher kommen jährlich auf das Münchner Oktoberfest. Die Wiesn eint sie alle - dabei sind sie so verschieden. Die einen haben eine echte, teure Tracht, die anderen eine Billig-Montur.

Manche sprechen Bayrisch, andere verstehen das nicht. Die meisten mögen Bier. Aber einige vertragen die Wiesn-übliche Menge nicht. Eine Typologie der Wiesn-Gäste:

DER MÜNCHNER: Er kommt in Jeans, höchstens im Janker (Trachtenjacke). Der Münchner der gehobenen Mittelschicht und des gehobenen mittleren Alters isst im Biergarten zu Mittag sein Hendl.

DER EINHEIMISCHE PARTYGÄNGER: Um die 20 Jahre alt, aus Bayern. Er steht an Samstagen morgens vor dem Zelt, um einen Platz zu bekommen. Dort sitzt er bis zum Schankschluss um 22.30 Uhr. Manchmal hat er dann zwei Promille und landet in der Sanitätsstation. Sonst feiert er auf After-Wiesn-Partys weiter. Er fährt mit der Bahn heim - so sehen die Züge auch aus.

DER TRACHTLER: Echte Trachtler sind am ersten Sonntag zu sehen. Sie laufen in einem der weltgrößten Trachtenzüge zur Wiesn. Frauen brauchen oft Stunden, bis sie ihre historischen Gewänder angelegt und die Haare gerichtet haben. Trachten können mehrere Tausend Euro kosten. Auf Mini-Dirndl und Billig-Lederhosen blicken echte Trachtler mit Kopfschütteln - aber in Bayern gilt: Leben und leben lassen.

BUB/MADEL: Zuckerwatte, süße Limo, Pommes, dazu Geisterbahn, Karussell und Schiffschaukel - die Wiesn scheint ein Eldorado für Kinder. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Der Krach, die vielen Menschen und die langen Wege sind für manchen kleinen Gast zu viel. Der Wiesn-Tag kann zum Nervenkrieg werden. Immer wieder gehen Kids im Gedränge verloren. Eine Kinderfundstelle gibt sie den Eltern zurück.

DER VEGETARIER: Veggieday! Früher hätten Vegetarier das größte Volksfest hungrig verlassen müssen. Nun bieten immer mehr Wirte vegetarische und vegane Gerichte an. Trotzdem demonstrierten 2012 Vegetarier gegen die Fleischeslust und das Leiden der Tiere. Eine halbe Million Hendl und an die 100 Ochsen sterben für das Fest. Wirtesprecher Toni Roiderer: "Ich mische mich ja auch nicht ein, wenn die Vegetarier dem Vieh das Futter wegessen."

MASSKRUGSCHLÄGER UND MASSKRUGDIEB: Beide geraten wegen des traditionellen Trinkgefäßes mit dem Gesetz in Konflikt. Wer mit dem Krug zuschlägt, hat diesen zuvor meist mehrfach geleert. Oft ist der Anlass später vor Gericht kaum zu klären. Der Maßkrugdieb hingegen möchte meist ein Souvenir. Wirte klagen, der Diebstahl von Krügen habe sich regelrecht zum Volkssport entwickelt.

DER TASCHENDIEB: Der Taschendieb reist wie die Besucher bisweilen von weit an, um an dem Großereignis teilzuhaben. Und angetrunkene Besucher um Geld, Handy oder Kamera zu bringen. Taschendiebfahnder wollen den Dieben das Handwerk legen.

DER ITALIENER: Er kommt im Wohnmobil. Über den Brenner. Mit Zehntausenden anderen. Er will Bier und Spaß. Früher gehörte das zweite Wochenende den Italienern, inzwischen kommen sie eigentlich immer. Manchmal stellt einer sein Wohnmobil nahe des Fests ab und sucht abends vergeblich seinen Schlafplatz - abgeschleppt. Zur besseren Verständigung werden Südtiroler Polizisten eingesetzt.

DER AUSTRALIER: Er reist etwa eine Woche vor der Wiesn an - und trinkt sich schon mal ein. Das bayerische Bier ist stärker als der in Australien übliche Gerstensaft, dafür billiger. Die Kombination aus höherem Alkoholgehalt und niedrigerem Preis ist für manche fatal.

DER NORDDEUTSCHE: Er kommt gern als Gruppe, Stammtisch oder Verein und trägt oft trachtenähnliches Outfit, etwa kariertes Hemd. Das ist eher Holzfällerstil, wird von ihm aber als bayerisch eingeordnet.

DER VERWEIGERER: Es gibt Menschen, die mögen die Wiesn nicht. Sie verabscheuen Lärm. Sie trinken kein Bier. Beim Karussellfahren wird ihnen schlecht. Sie hassen es, auf dem Heimweg durch Exkremente zu tappen. Sie finden Dirndl und Lederhosen blöd. Es gibt Gründe, die Wiesn nicht zu mögen.


Quelle: DPA
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