Spannend, aber nix für Kids: 'Harry Potter und die Heiligtümer des Todes'

'Harry Potter und die Heiligtümer des Todes' wartet mit Schockeffekten auf

Spannend, aber nix für Kids: 'Harry Potter und die Heiligtümer des Todes'

Schlechte Nachricht für alle Kinder: Der erste Teil des letzten Potter-Streifen ist wirklich nichts für euch. Gleich zu Beginn von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ foltert Voldemort eine Lehrerin zu Tode – und Regisseur David Yates erspart uns nicht mal den unschönen Anblick der frisch Verblichenen. Damit hat sich der Streifen die Altersfreigabe ab 12 redlich verdient – und er wartet mit weiteren Schockeffekten auf, obwohl er in der Mitte auf ungewohnt leise Töne setzt. Immerhin: Das viel diskutierte Konzept, den letzten Band der Erfolgsserie von Joanne K. Rowling in zwei Teile zu zerlegen, geht auf, auch wenn der Film dafür mit dem bösesten Cliffhanger des Jahres endet.

Alle Fans der Buchreihe wissen es bereits: Hogwarts war einmal, zumindest für Harry, Hermine und Ron. Die Freunde pfeifen auf ihren Abschluss am berühmten Zaubererinternat und gehen stattdessen einer ernsteren Aufgabe nach: Sie wollen die Horcruxe vernichten, in die Erzbösewicht Lord Voldemort (Ralph Fiennes) einst Teile seiner fiesen Persönlichkeit gelegt hat. Nachdem Mad-Eye Moody sein Leben lassen musste beim Versuch, Harry in Sicherheit vor Voldemorts Todessern zu bringen, will der Junge mit der blitzförmigen Narbe keine weiteren Freunde in Lebensgefahr bringen. Denn er weiß, dass der verstorbene Schulleiter Dumbledore Recht hatte mit seiner Prophezeiung: Nur Harry kann dem bösen Lord das Handwerk legen.

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Der vorletzte Teil der Filmreihe bietet reichlich Spannung

Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Nach einem aktionsgeladenen Auftakt mit nächtlicher Verfolgungsjagd in der Luft und einer von den Todessern gesprengten Hochzeit schleichen sich Harry und seine beiden Freunde in fremder Gestalt ins Zaubereiministerium ein, das von Nazi-ähnlichen Schergen übernommen wurde. Dort können sie immerhin dem Alptraum in Rosa, ihrer ehemaligen Lehrerin Dolores Umbridge (Imelda Staunton) in einer spektakulären Aktion einen der Horcruxe abjagen, doch schaffen sie es nicht, das Amulett unschädlich zu machen.

Wie die Freunde allein in ihrem Zelt in der Wildnis ihrer eigenen Ratlosigkeit ausgeliefert sind und sich schließlich entzweien, weil der dunkle Lord durch den verzauberten Anhänger Zwietracht unter ihnen sät, mag manchem Action-Fanatiker zu langatmig sein. Im Gegensatz zu den drei letzten Filmen hastet der Regisseur aber nicht über wesentliche Teile der Handlung hinweg, sondern nimmt sich Zeit für die Entwicklung der Figuren, die nun auch jemand verstehen kann, der nicht sämtliche Bücher mehrfach verinnerlicht hat. Schließlich geht’s hier ums Erwachsenwerden, das der Regisseur mit den stimmungsgeladenen Naturaufnahmen gut verdeutlicht.

Vorbei ist es daher auch mit dem giggelnden Pubertätshumor der letzten Teile, der vor allem den armen Ron immer mehr zur Witzfigur abgestempelt hatte. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ ist nur noch düster – und bis auf wenige Aufhellungen todernst. Für Kinder ist auch das nichts – für die Nachwuchsmimen Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint aber endlich mal eine Chance, ihr Können auszuspielen, ohne immer gleich von Leinwandgrößen wie Alan Rickman oder Helena Bonham Carter in den Schatten gestellt zu werden.

Dafür sind sämtliche altbekannten Figuren ab Minute 30 komplett raus aus der Geschichte, wir erfahren nicht, wie es Ginny Weasley und ihrer Familie ergeht – und auch nicht, ob Harry sie überhaupt vermisst. Das ist dramaturgisch nicht sehr geschickt – genauso wie mancher Szenenübergang erneut beweist, dass Regisseur Yates kein Kinokünstler ist, sondern allenfalls ein Handwerker. Umso überraschender kann er vor allem bei einer Scherenschnitt-Tricksequenz punkten, die äußerst elegant das Märchen von den „Heiligtümern des Todes“ in die Story integriert – und mit der gelungenen Wiedereinführung der beiden Hauselfen Kreacher und Dobby, die für die wesentlichen Wendungen und emotionalen Momente der Geschichte sorgen.

Mehr wird hier nicht verraten aus Rücksicht auf alle, die das Buch noch nicht gelesen oder schon wieder vergessen haben. Nur so viel: Trotz der besinnlichen Töne bietet der vorletzte Teil der Filmreihe reichlich Spannung, ein paar haarsträubende Überraschungen und solide Unterhaltung. Gemein ist nur, dass man nach dem Ende, das den Zuschauer ganz schön im Regen stehen lässt, acht Monate warten muss, bis am 14.07.2011 endlich das Finale in 3D die Leinwände erobert.

Von Mireilla Zirpins

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