Souveränes Debüt von Weval auf Kompakt

Weval
Jung und cool: Das Debütalbum von Weval. Foto: Kompakt © DPA

Die in der jüngeren Vergangenheit auf dem Kölner Techno-Label Kompakt erschienenen Alben waren ja nicht selten recht spezieller und sehr eigenständiger musikalischer Natur und streiften eher zufällig als absichtlich den Dancefloor.

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Das selbstbetitelte Album des holländischen Produzenten-Duos Weval macht da keine Ausnahme und klingt wie das vielversprechende Debüt einer unkonventionellen und manchmal auch bewegenden Pop-Band.

Laut Presseinfo kannte die Begeisterung keine Grenzen, als Kompakt über den Amsterdamer DJ Jorn van Elden auf Weval aufmerksam wurde. Auch die auf dem Label Atomnation 2013 erschienene Debüt-EP "Half Age" fand beim Kölner Label große Zustimmung, das die beiden hinter diesem musikalischen Projekt stehenden Musiker Harm Coolen und Merijn Schotte Albers darauf hin zügig unter Vertrag nahm. Bereits 2014 folgten dann auf Kompakt die EP "Easier" mit dem vielgelobten und -gespielten Track "Gimme Some" und die 2015 erschienene EP "It'll be just fine".

Wurde Wevals Musikstil auf ihren EPs gerne mal als düstere Elektronik beschrieben, ist die Grundstimmung auf dem aktuellen Album maximal als leicht melancholisch, cool und irgendwie lässig abgeklärt zu bezeichnen. Die zwölf neuen Stücke erinnern dabei an wunderbar verpeilte Popsongs, die auch wegen ihrer vielen Breaks nicht selten Gefahr laufen, richtungslos zu zerfasern, sich aber trotzdem immer wieder fangen und im Endeffekt doch einen Sinn ergeben. Bevorzugt setzen Weval dabei auf tiefergepitchten und häufig mehrspurigen Gesang, virtuos programmierte Drums, sowie verfremdete und manchmal leiernde und oldschoolig klingende Synthesizer.

All diese musikalischen Bestandteile und Eigenheiten sind dann auch schon auf den ersten beiden Tracks des neuen Albums zu finden. Das "Intro" ist eine kurze Downbeat-Nummer mit einem seltsam voluminösen Synthesizer-Sound, der schon fast aus den Lautsprechern rauszuquellen droht. Der Nachfolgetrack "The Battle" glänzt mit seinen natürlich klingenden und nur unwesentlich schnelleren Drums, den erneut schön fetten sowie leiernden Synthesizern, den beiden versponnenen Breaks und den Vocal-Samples, die mehr der Instrumentierung als der Erzählung dienen.

Die darauf folgenden Stücke nutzen und variieren diese interessante musikalische Mischung, bevor in der zweiten Hälfte des Albums auf dem zu Beginn eher unspektakulär wirkenden aber sehr hörenswerten Track "You're Mine" erstmalig und unerwartet ein schön gemeiner und dominanter Elektrobass einsetzt, der alle anderen Sounds einfach so zur Seite drückt. Der Song "Days" überzeugt im Anschluss daran durch seine für dieses Album fast schon ungewohnte Gradlinigkeit und seinem unterkühlten und erstmals eingesetzten weiblichen Gesang. Mit "You Made It (Part I & II)" wird dann das Ende des Albums eingeläutet, bei dem die Tracks erfreulicher Weisen noch mal richtig an Fahrt aufnehmen und in die Schlussnummer "Years To Build" gipfeln. Dieses letzte Stück packt auch noch einmal den besagten Elektrobass aus und zählt zu den besten und lebendigsten Songs des ganzen Albums.

Weval liefern mit ihrem Debüt ein äußerst eigenständiges und in seiner Stimmung und Instrumentierung sehr homogenes Pop-Album ab, das den Eindruck macht, als wäre es in einer einzigen ewig langen experimentellen Jamsession entstanden, aus der anschließend nur noch die zwölf Tracks ausgeschnitten wurden.

Bei dem bereits sehr hohen Entwicklungsgrad ihres Debüts ist Weval nun eigentlich nichts mehr zu raten oder zu empfehlen, außer dass sie vielleicht zukünftig live ihren fein geschliffenen Drumsound von einem guten Schlagzeuger spielen lassen und sich auch mal ans Mikrofon wagen, anstatt nur die Knöpfe zu drehen. Dann stehen die Chancen gut, dass aus einem coolen und vielversprechenden Studio-Projekt ein gefeierter Live-Act wird, der auch die größeren Festivalbühnen genreübergreifend rockt.


dpa
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