"Southpaw": Ein dramatisches Muskelspiel

"Southpaw": Ein dramatisches Muskelspiel
Das Leben hält für Billy Hope (Jake Gyllenhaal) nicht nur Höhen bereit, wie der Boxweltmeister feststellen muss © 2014 The Weinstein Company. All Rights reserved.

Filme über Boxer und ihre Karriere gibt es wahrlich nicht wenige. Angefangen beim Klassiker "Rocky", der Sylvester Stallone zum Superstar machte, über Will Smith als Boxlegende Cassius Clay in "Ali", bis zum oscarprämierten "Million Dollar Baby" mit Hillary Swank. Jetzt legt Regisseur Antoine Fuqua mit "Southpaw" nach. Harte Kerle in actionreichen Stories - das ist Fuquas Gebiet. Umso spannender ist sein neuestes Werk, weil darin eben nicht nur die Boxkarriere von Billy Hope, sondern auch sein persönliches Schicksal im Fokus steht. Eine weitere Überraschung: Jake Gyllenhaal, eigentlich bekannt für seine nachdenklichen und abgründigen Porträts von scheinbaren Durchschnittsmenschen, spielt den knallharten Billy Hope.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

 

Im Schnelldurchlauf zum gebrochenen Mann

 

Von Anfang an wird deutlich, von welchem Schlag der Boxer Billy Hope ist: nicht elegant und wendig, sondern brutal und gerade heraus. Doch die Taktik - erst kassieren, dann explodieren - geht auf und er lässt sich von seinen Fans feiern. Niemand scheint ihn stoppen zu können, außer seiner Frau Maureen (Rachel McAdams). Sie bittet ihn darum, vorsichtiger und vor allem seltener zu kämpfen, um stattdessen für seine Familie da sein zu können. Man glaubt, nichts könne das Glück der Familie Hope trüben, doch dann geht es Schlag auf Schlag. Erst verliert Billy seine Frau, dann sein Geld, einen Kampf, seine Fassung und schlussendlich seine Tochter. Als ihn auch noch sein Manager - erstaunlich ausdrucksstark: Curtis "50 Cent" Jackson - mit den Trümmern seiner Karriere allein lässt, ist der absolute Tiefpunkt erreicht.

Doch schnell - und zugegebn etwas unvermittelt - gelangt der zuvor von seinem Ego getriebene Hope zu der Erkenntnis, dass er allein es in der Hand hat, sein Leben zu ändern. Demütig begibt er sich bei Tick Wills (Forest Whitacker) ins Training und putzt sogar dessen Trainingshalle - alles um Tochter Leila zurückzugewinnen. Und Wills verlangt dem Box-Star einiges ab: Allüren lässt er nicht zu und auch der rohe Kampfstil misfällt ihm. Als sich Billy die Chance zur Rückeroberung seines Titels bietet, wird alles, was er gelernt hat, in die Waagschale geworfen.

 

Ein bisschen viel Drama für zwei Stunden Film

 

Am Ende wartet natürlich der härteste Kampf seiner Karriere auf den geschlauchten Billy. Auf diesen Moment arbeitet der Film kontinuierlich hin und keine Sekunde kommen Zweifel daran auf, dass Billy Hope scheitern könnte. Schon allein sein Name ist Garantie: Hoffnung. Spannung kommt dabei selten auf und selbst das Mitgefühl hält sich in Grenzen - die Geschichte vom harten Fall des Boxers wirkt zu konstruiert.

Dabei geben sich die Schauspieler alle Mühe, die Story zum Leben zu erwecken - und zum Teil gelingt ihnen das auch. Vor allem in der zweiten Hälfte des Films kann Gyllenhaal zeigen, dass seine Stärke im subtilen Charakterspiel liegt. Wie er so entschlossen und gleichzeitig traurig unter der Kapuze seines Hoodies hervorlugt, meint man den Menschen Billy Hope zu erkennen. Außerdem darf Gyllenhaal zeigen, wofür er so lange gearbeitet hat: Seine Muskeln können sich sehen lassen und sein boxerisches Talent überrascht. Auch Forest Whitacker schafft es, den Trainer Tick Wills mit seinen philosophischen Trainingsansätzen lebendig werden zu lassen - trotz Plattitüden à la: "Boxen ist wie Schach".

 

Fazit:

 

Für Boxfans lohnt sich der Kinobesuch also allemal und für Rap-Fans sowieso. Schließlich spielt nicht nur 50 Cent eine kleine, aber feine Rolle - "Rapgod" Eminem höchstpersönlich steuert den Soundtrack bei zu dem Jake Gyllenhaal im "Rocky"-Stil durch die morgendlichen Straßen joggt. Nur Freunde subtiler Dramatik und tiefgründiger Dialoge kommen bei "Southpaw" nicht auf ihre Kosten. Aber mal ehrlich: Boxen ist ja auch kein Schach und subtil sowieso nicht.

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