"Soundescence": Neue Hiver-EP auf Curle Recordings

Hiver
Mit ausgeprägtem Hang zur Fläche: Die neue Hiver-EP. Foto: Curle Recordings © deutsche presse agentur
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Das aus dem italienischen Produzentenduo Hiver und dem belgischen Elektronik-Label Curle bestehende Dream-Team hat erneut zusammengefunden. Das Ergebnis dieser wie immer fruchtbaren Kollaboration ist die EP "Soundescence", die mir vier atmosphärischen und vor Synthesizer-Flächen nur so vibrierenden Techno-Tracks erfreut.

Das in Mailand beheimatete und aus Giuseppe Albrizio und Sergio Caio bestehende Produzentenduo veröffentlicht seit ziemlich genau vier Jahren und macht sich mit seinen durchweg hochqualitativen Veröffentlichungen angenehm rar. Pro Jahr gibt es nicht mehr als eine EP und "Soundescence" ist die dritte Hiver-Veröffentlichung auf ihrem Stammlabel Curle.

Das belgische Label selbst feiert hingegen schon sein zehnjähriges Bestehen, begeisterte bereits seit der ersten Veröffentlichung von Artificial Latvamäki und Mark August und hat Tracks für die Ewigkeit unter anderem von Dub Kult, Nico Purman und eben Hiver im Portfolio. Neben der manchmal unberechenbaren, aber immer geschmackssicheren Künstler- und Trackauswahl, erfreut Curle häufig auch mit der Cover-Gestaltung und der Vinyl-Farbwahl. Erwähnt seien nur das goldfarbene Vinyl von Frank Martiniq, das geschmackvolle Schwarz-Weiß-Cover von Efdemins "Please" oder der noch recht frische lilafarbene Vinyltraum von Foreign Material.

Hiver, brachten ihre Debüt "A Day" 2012 auf dem Berliner Label Vidab ("Vinyl ist dicker als Blut") heraus. Im darauffolgendem Jahr kamen sie mit ihrer EP "Blue Aconite" zu Curle und überzeugten damit Hörer und Kritiker gleichermaßen. "Blue Aconite" enthält vier zeitlose, atmosphärische, stilvolle, entspannte und mit den Hiver-typischen Synthesizer-Flächen versehene Tracks, die für den Dancefloor genauso wie für die unaufdringliche Hintergrundbeschallung geeignet sind.

Zwei Jahre später ließen sich die beiden Italiener erneut auf Curle blicken. Diesmal mit ihrer auf blütenweißem Vinyl gepressten EP "Same Mistake Twice", die zu den besten bisherigen Veröffentlichungen von Hiver zählt. "Same Mistake Twice" ist homogener geraten als ihr Curle-Debut, geht mit einem einzigartigen warm-schimmernden Sound unter die Haut und hat mit dem treibenden Track "Vorticism" auch einen echten Club-Hit an Bord.

Nun also die dritte Curle-Veröffentlichung von Hiver mit dem Titel "Soundescence". Den EP-Anfang macht der titelgebende Track, der mit einer analogen Synthesizer-Sequenz einsteigt und recht schnell von den mehrschichtigen, einlullenden und leicht esoterisch klingenden Flächen (wem das gefällt, der sollte unbedingt in John Dalys "Solitaire" reinhören) umhüllt wird. Es folgen eine auf den Punkt gebrachte Hi-Hat-Programmierung und irgendwie leicht bellende Sounds, die sich mit den überladenen Flächen und der Analog-Sequenz immer wieder spannungsreich abwechseln.

"One More Snooze", die Nummer zwei auf der A-Seite, glänzt mit makellosen Hi-Hat-Sounds und einer oldschoolig klingenden Melodie, die sich auch gut auf einer Tangerine-Dream-Platte gemacht hätte. Der nach zwei Minuten einsetzende, überdreht-nervöse Basslauf und die zuerst hintergründigen und dann immer dominanter werdenden Flächen scheinen fast schon eine Geschichte zu erzählen und betonen die Soundtrack-Qualitäten dieses Tracks.

Auf der B-Seite setzen Hiver bei "Phonotis" zu Beginn auf eine konsequent schiebende Bass-Drum und eher düstere Retro-Sounds, die dann immer mehr von den freundlicher (esoterisch passt hier auch wieder ganz gut) klingenden Flächen dominiert werden. "Phonotis" bleibt dabei über die komplette Laufzeit melodienlos und schafft das interessante Kunststück, nach vorne zu treiben und gleichzeitig auf der Stelle zu treten.

Der letzte Track "Floor Diving" überzeugt durch seine unbeirrbare Drum-Programmierung und lässt den Hörer beim Einsetzen des Sequenzers leise "Wir sind die Roboter" mitsummen, bevor die ebenfalls retro-optimierte Melodie und ein Himmel voller Geigen mehr und mehr die Führung übernehmen. Die beiden Italiener lassen sich bei diesem ausgefeilt produzierten Stück schön viel Zeit, spendieren jedem Sound einen eigenen kleinen Solopart und machen "Floor Diving" damit zu einem der besten Tracks auf ihrer aktuellen EP.

Hiver liefern mit "Soundescence" eine hervorragende Veröffentlichung ab, bei der besonders die kompetent herausgearbeiteten Analog-Vibes in Kombination mit den warmen und zartschmelzenden Flächen erfreuen. Die Produktion ist dabei wie immer ausgefeilt und makellos und wenn die Tracks auch nicht unbedingt für die Peaktime geeignet sind, ist der Wunsch des Hörers doch groß, sich auf dem Dancefloor in diesen wunderschönen Klängen zu verlieren.


Quelle: DPA
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