'Sommerfest' von Sönke Wortmann: Ruhrpott-Charme und tiefsinnige Heimat-Gedanken

3,5 von 5 Punkten

Sönke Wortmann kreiert mit 'Sommerfest' eine Hommage an den Ruhrpott und einen Appell an das eigene Heimatgefühl: witzig, charmant, nachdenklich - leider aber auch mit einigen Schwächen.

von Peter Benkoff

Gleich vorneweg: Wer dem deutschen Film generell nicht viel abgewinnen kann, wird in 'Sommerfest' wohl kaum eine neue Liebe finden. Sönke Wortmann setzt in seinem neuesten Werk auf eine Mischung aus melancholischer Stimmung, die manch einer als Langeweile bezeichnen würde, und auf Ruhrpott-Charme, den viele zu platt finden mögen. Und doch ist es genau dieser Mix, der 'Sommerfest' auszeichnet und den Film phasenweise zu etwas Besonderem macht.

Die Handlung ist schnell erzählt: Hauptfigur Stefan Zöllner (Lucas Gregorowicz) ist ein mehr oder weniger erfolgreicher Schauspieler am Theater in München. Als sein Vater stirbt, kehrt er in seine Heimat Bochum zurück. Eigentlich wollte er nur ein paar Tage bleiben, um sein Elternhaus zu verkaufen und seinen Vater unter die Erde zu bringen. Am Ende geht er nicht mehr und bandelt wieder mit seiner Jugendliebe Charlie (Anna Bederke) an. Klingt simpel. Ist es auch!

Das Spannende ist, dass diese einfache Story trotzdem etwas beim Zuschauer auslöst. Früher oder später wird jeder in seinem Leben mit Fragen zu seiner Heimat konfrontiert: Bleibe ich da, wo ich aufgewachsen bin oder suche ich mein Heil in der Nest-Flucht? Sollte ich die Kontakte von früher vielleicht besser pflegen?

In fast schon philosophischen Aussagen wie "Woanders weiß man selber, wer man ist. Hier wissen es die anderen. Das ist Heimat!" findet sich der eine oder andere wieder. Offenbar auch Lucas Gregorowicz, der hier zu Höchstform aufläuft. Der 'Lommbock'- und 'Polizeiruf'-Star verkörpert die Rolle des Ruhrpott-Exoten authentisch – wahrscheinlich auch, weil es Parallelen zu seinem eigenen Leben gibt. Gregororwicz ist wie sein Film-Ich Stefan in Bochum groß geworden und hat danach versucht, deutschlandweit als Schauspieler durchzustarten.

Authentizität ist sowieso ein großes Thema, da Wortmann einige Rollen im Ensemble auch mit Laiendarstellern aus dem Ruhrgebiet besetzt hat. Deswegen erinnert 'Sommerfest' in vielen Stellen an eine Milieustudie. Umso erstaunlicher ist es, dass der Ruhrpott-Humor oft überzogen wirkt und kein Klischee ausgelassen wird. Auch die wieder aufkeimende Lovestory zwischen Stefan und Charlie hinkt an der ein oder anderen Stelle: 'Sommerfest' grenzt sich zwar deutlich von Schweiger- und Schweighöfer-Liebesschnulzen ab, die Beziehung zwischen den beiden kommt aber etwas unterkühlt rüber.

Insgesamt ist 'Sommerfest' ein Film, bei dem man am Ende nicht mit Popcorn-Bauch glücklich aus dem Kino läuft und sich über die runde Story freut. Man denkt eher darüber nach, wie viel Stefan Zöllner in einem selbst steckt. Ab und zu darf ein Filmabend auch mal so sein!