So werden Sie glücklich

So werden Sie glücklich
Maike van den Boom hat die 13 glücklichsten Länder der Welt bereist © Wolf Gatow Fotografie

Maike van den Boom hat für ihr Buch "Wo geht's denn hier zum Glück?" (FISCHER Krüger, 352 Seiten, 18,99 Euro) die 13 glücklichsten Länder der Welt bereist. Ein Glücks-Rezept, das weltweit gültig ist, gebe es "definitiv", erklärt die Autorin im Interview mit spot on news: "Was Menschen glücklich macht, scheint universell und länderübergreifend zu gelten. Und wie bei jedem Rezept benötigt man verschiedene Zutaten."

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Tipps von Expertin Maike van den Boom

Die "German angst"

Als Glücksmacher Nummer eins gelten überall Familie und Freunde, heißt es in van den Booms Buch. Aber auch Selbstdisziplin, freie Zeit, Vertrauen in andere Menschen, Zuversicht, Gelassenheit und das Leben im Hier und Jetzt sind Gücks-Zutaten, über die die Autorin unter anderem schreibt. Und woran fehlt es den Deutschen, dass wir es nicht unter die glücklichsten Länder schaffen? "Ich denke, einer der Punkte ist das mangelnde Grundvertrauen in die Zukunft, das Leben, andere Menschen. Das was im Ausland gerne als die 'German angst' bezeichnet wird. Als Folge davon mögen wir gerne Sicherheit, Kontrolle und Perfektionismus. Und dafür werden wir in der ganzen Welt geachtet", so van den Boom.


Leider sei das keine optimale Voraussetzung dafür, ein glücklicher Mensch zu sein. "Denn es fehlt uns im Gegenzug auch an Lässigkeit und der Gabe, das Leben und uns selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Hinzu kommt, dass wir nicht dieses starke WIR-Gefühl als Gesellschaft kennen, das ich in den Glücksländern gesehen habe. Dass wir uns bei anderen Menschen aufgehoben fühlen. Wo wir wieder beim Thema Vertrauen wären. Die Basis dafür könnte in unserer konfliktreichen Geschichte liegen. Die Deutschen haben sich ja jahrhundertelang immer wieder gegeneinander und gegenüber anderen abgegrenzt. So sind tiefe Wunden entstanden, auch bei uns selbst. Jetzt ist zum ersten Mal in der Geschichte Ruhe bei uns eingekehrt. Zeit, uns um unser Glück zu kümmern."


Macht Geld glücklich?

Stellen die Deutschen Status, Macht und Geld zu sehr über das persönliche Glück? "Auch wir Deutschen möchten glücklich sein", sagt van den Boom. Es sei eher ein Reflex, sich dann doch wieder auf das Materielle, Status und Macht zu stützen. "Das sind ja auch die Werte unserer Kultur. Damit sind wir groß geworden. Wir stellen sie vorne an und hoffen dann, dass das Glück irgendwie von alleine kommt." Die Glücksländer machen es laut der Expertin genau anders herum. "Die erste Lebensfrage lautet: Wie führe ich ein glückliches Leben und was benötige ich dafür? Ganz sicher keinen Status oder Macht. Sondern Freiheit und Verbundenheit mit anderen Menschen, Zeit, Sinngebung oder Gelassenheit. Und auch mit dieser Grundhaltung sind Länder wie Kanada, Schweden, Dänemark, Finnland oder die Schweiz wirtschaftlich erfolgreich. Sie sind nur schlau und wählen den angenehmeren Weg."


Einige der "Glücks-Länder" zählen nicht gerade zu den reichen Nationen der Welt. Macht Geld also tatsächlich nicht glücklich? "In Costa Rica, Mexiko und Kolumbien wurde ich mit einer ganz anderen Definition von Armut und Reichtum konfrontiert", berichtet die Autorin. "Erstaunlicherweise empfinden arme Menschen sich dort gar nicht als arm. Es sind eher wir Deutschen, die man um unsere Armut bemitleidet. Denn uns fehle die Zeit und menschliche Wärme. Deshalb haben Äußerlichkeiten wie Status und Geld bei uns eine so große Bedeutung. Die Glücksforschung zeigt Ähnliches: Ein sehr viel stärkerer Glücksmotor als Geld sind soziale Beziehungen. Sie scheinen einen fünf Mal höheren Einfluss auf unser Glücksempfinden zu haben als unser Einkommen. Es lohnt sich also einmal darüber nachzudenken, was wir tatsächlich benötigen zum Glücklichsein. Einen treuen Freund oder ein teures Auto?"


Maike van den Boom war für ihr Buch von Island bis Australien unterwegs. Besonders beeindruckt haben sie dabei vor allem die Schweden und alle Skandinavier, erzählt sie. "Der Wille zur Gemeinschaft ist dort ein Grundwert. Und so fehlt auch das ganze komplizierte Status- und Hierarchiedenken und das ständige gegeneinander Abgrenzen durch Vorschriften und Regeln. Das ist so unglaublich entspannend. Sie stehen auf einmal nur noch als der Mensch da, der Sie sind und sein möchten, und vor allem als der Mensch, der Sie sein können. Das ist wirklich eine Befreiung. Kein Wunder, dass diese oft stillen Menschen so unglaublich individualistische Freigeister sind."


Die Tricks der Glücksländer

Ein Fazit des Buches ist auch, dass das Glück nicht von allein kommt, man kann oder muss es sich sogar erarbeiten. "Ein glückliches Leben ist ein ständiges Justieren der Stellschrauben Ihres Lebens", so van den Boom. "Sind sie richtig gestellt, dann kommt das Glück auch im Alltag von ganz allein." Sie selbst konzentriere sich auf diese drei Aspekte:


Pflegen Sie Gemeinschaft. Begegnen Sie jedem Menschen mit Respekt und Höflichkeit. Vermeiden Sie Konflikte, suchen Sie nach dem gemeinsamen Nenner. Geben Sie auch mal nach und nehmen Sie sich selbst nicht so wichtig.


Halten Sie zeitliche Sicherheitsabstände. Damit nicht ein Termin auf den nächsten knallt. Schaffen Sie sich zeitliche Freiräume. Entkoppeln Sie Zeit vom Gedanken der Effizienz. (Übrigens auch eine meiner schwierigsten Übungen.)


Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Freiheit. Schmeißen Sie alle brillanten Ausreden über Bord, die Sie davon abhalten, das Beste aus sich selbst zu machen. Was wollen Sie wirklich? Was sind Ihre Talente? Welche Geschichten möchten Sie später über Ihr Leben erzählen?


Das seien nur drei der Tricks der Glücksländer, erklärt van den Boom. Weitere Tipps für ein glückliches Leben gibt es in "Wo geht's denn hier zum Glück?". "Suchen Sie sich aus, was am Besten zu Ihnen passt und dann passen Sie Ihre Lebenshaltung an. So unspektakulär ist das. Dann findet Sie auch das Glück von ganz allein." Denn Glück ist laut der Expertin "Ihre eigene Lebenshaltung".

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