So kaputt ist Helmut Berger

So kaputt ist Helmut Berger
Helmut Berger fällt immer tiefer © ddp images

Eigentlich wurde über ihn schon alles gesagt und geschrieben. Schönster Mann der Welt, Weltstar, Enfant terrible, Exzentriker, Wahnsinniger, Wrack. Und stets schien er auf der letzten Stufe seines Abstiegs angekommen zu sein. Doch Helmut Berger (71) schafft es mit erstaunlicher Ausdauer immer wieder, sich selbst auf der nach unten offenen Berger-Skala zu toppen. Momentaner Status: jenseits von Gut und Böse. Endgültig!

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Peinlichkeiten des Weltstars

Seit Anfang Juli ist Berger mit dem 37 Jahre jüngeren Florian Wess verheiratet. Das ist ein junger Mann, der durch TV-Formate wie "Big Brother" oder die Doku-Soap "Val & Flo In Love" hinlängliche Bekanntheit erlangte. Ausnahmsweise sprach Berger mal nicht von Sex, als er freimütig in der Zeitschrift "Gala" bekannte: "Schauen Sie, ich bin ehrlich. Ich brauche nun auch Pflege, und Florian umsorgt mich wie einen Augenstern."

 

Mehr als nur symbolisch

 

So richtig ernst zu nehmen war die Hochzeitszermonie auf Ibiza nun auch wieder nicht, denn Berger ist seit 1994 immer noch mit der Italienerin Francesca Guidato verheiratet. Er denke nicht daran sich scheiden zu lassen, denn "wenn es mir schlecht geht, muss sie für mich aufkommen", sagte er laut "Gala".

Dennoch habe die Ehe mit Wess mehr als nur symbolischen Wert, sie sei "so echt, dass ich mich vor Gott, oder das Universum stelle - schreiben Sie das wie Sie wollen - und noch mal sage ich: Hier bin ich, du da oben, meine es jetzt gut mit mir und dem Florian! Und überhaupt - zu wem passt ein bisschen Bigamie besser als zu mir!"

 

Ehe-Aus nach nur neun Wochen

 

Über neun Wochen hat diese "Ehe" gehalten, also über 63 Tage und Nächte. Eine erstaunlich lange Zeit, wenn man Bergers wirre Unberechenbarkeit in Rechnung stellt. Doch nun ist Florian Wess mit den Nerven völlig am Ende. Am Wochenende wurde bei den Filmfestspielen in Venedig die Dokumentation "Helmut Berger, Actor" gezeigt, in der sich der ehemalige Schauspieler vor laufender Kamera selbst befriedigte.

Sein "Ehemann" war entsetzt und verkündete das Aus. "Wir hatten vorher schon unsere Probleme, aber diese Nummer war einfach zu intim. Sich im Film einen runterzuholen, das geht nicht", sagte Wess der "Bild".

 

Schillernde Vergangenheit

 

Helmut Berger hat auf seine Umwelt noch nie Rücksicht genommen, nur hat das früher alle Welt dem einst strahlend schönen Mann verziehen. Der Hotelierssohn aus dem österreichischen Bad Ischl begann mit 18 Jahren seine Karriere als Fotomodell in London, später in Rom. Ein ehrgeiziger junger Mann, der seine Umgebung mit einer seltsamen Mischung aus Charme, Selbstverliebtheit und Rücksichtslosigkeit faszinierte.

1964 lernte er den Kultregisseur Luchino Visconti kennen, dessen Lebensgefährte er wurde. Unter Visconti spielte er seine ersten Filmrollen. Der internationale Durchbruch kam mit dem Visconti-Streifen "Die Verdammten" (1969), für die Berger eine Nominierung für den Golden Globe Award als bester Nachwuchsdarsteller erhielt. Hollywood-Altmeister Billy Wilder urteilte damals: "Außer Helmut Berger gibt es heutzutage keine interessanten Frauen mehr."

Berger wurde zum aufstrebenden Star, er hatte ja Talent, das selbst er mit seiner aufreizenden Lebensart nicht zerstören konnte, zumal ihn Visconti wie einen schönen gefallenen Engel in Szene setzte. Er spielte die Lola in "Der blaue Engel", er war eine schauspielerische Ausnahmeerscheinung in "Die Rivalin", "Gewalt und Leidenschaft" und vor allem in "Ludwig II."

 

Der Absturz

 

Nach dem Tod Viscontis (1976) stürzte Helmut Berger ab. Seine persönlichen Probleme - Trauer um den Geliebten, Alkohol- und Drogensucht, das verschwundene Visconti-Testament, in dem er angeblich als Haupterbe eingesetzt war - gipfelte in einem Selbstmordversuch. Danach kam Berger nie mehr so recht auf die Beine. 2004 zog er von Rom zu seiner Mutter nach Salzburg, die fünf Jahre später verstarb.

Die letzten Jahre waren nur noch von einer Reihe von peinlich inszenierten Geschmacklosigkeiten geprägt. Mal brabbelte er in Interviews unverständliches Zeug, mal hatte er Suffauftritte, u.a. bei Thomas Gottschalk in "Wetten, dass...?" und bei Harald Schmidt, mal griff er sich oder anderen in den Schritt.

 

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus"

 

2013 wirkte Berger in der siebten Staffel der Fernsehsendung "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" mit. Es war erschütternd mit anzusehen, wie da ein aufgedunsenes, alkoholisches Wrack durch das Dschungelcamp taumelte - und keinen Nachschub erhielt. Der "Tagesspiegel" schrieb, der Auftritt des "interessantesten, tiefgründigsten, geheimnisvollsten Kandidaten der RTL-Show" sei ... "kein Triumph, sondern eine Tragödie..."

Er sei jetzt "alt und dick", so beschrieb sich Berger vor Jahren in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Mit meinem Bauch kann man mich bald nur noch im Schatten filmen, wie Marlon Brando in 'Apocalypse now'. Aber das ist mir wurscht. Ich steh' zu meinem Alter. Mir war immer nur wichtig, dass ich mit mir selbst glücklich bin."

Berger wäre nicht Berger, wenn man seine jüngste Entgleisung als unappetitlichen Tiefpunkt seines Lebens betrachtet. Er ist immer für eine Steigerung gut, schließlich will er über 100 Jahre alt werden. Bis dahin ist seine Umwelt längst am Fremdschämen über die Untaten Bergers verschieden.

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