Hollywood Blog by Jessica Mazur

So beutet Hollywoods Society Menschen mit Behinderungen aus

So beutet Hollywoods Society Menschen mit Behinderungen aus
© Bildquelle: Reuters

von Jessica Mazur

Wenn ich durch LA fahre, denke ich häufig: 'Einige Leute haben wirklich zu viel Geld.' Am Sunset Plaza parken für gewöhnlich Autos für ein paar hunderttausend Dollar, in Bel Air sind die Grundstücke so riesig, dass man seinen Nachbarn nur mit Golfcart besuchen kann, und durch Beverly Hills schlendern die Damen mit Handtaschen, die so viel kosten wie ein Kleinwagen. Ja, es scheint, als könnten sich die 'Richies', wie man hier so schön sagt, mit ihrem Geld alles kaufen. Und genau das machen sie auch. Das neuste Must Have unter den Schön-Gemachten und Reichen? Ein behindertes 'Familienmitglied'. Klingt makaber und ist es auch...

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Jeder, der schon mal im Disneyland war, weiß, die langen Schlangen vor den Fahrgeschäften können mächtig nerven. Wenn man nicht gerade Hollywood-Star ist und das 'VIP Treatment' genießt, verbringt man den halben Tag mit Anstehen. Da haben die Richie Richs dieser Welt natürlich keine Lust drauf. Wer Geld im Überfluss hat, mietet sich deshalb einen VIP-Guide. Das sind Führer, die einen für rund 350 Dollar/Stunde von Attraktion zu Attraktion führen und mit Hilfe von so genannten 'Fast-Passes' dafür sorgen, dass man nicht anstehen muss. Klingt toll, ist aber auch ganz schön kostspielig. Nicht, dass sich das die Gutbetuchten nicht leisten könnten, aber auch die machen eben gerne mal ein 'Schnäppchen'.

Und das sieht seit Neustem so aus: die 'Real Housewives' von New York und L.A. mieten Menschen mit körperlichen Behinderungen. Disneyland bietet nämlich Behinderteneingänge für Menschen in Rollstühlen und max. sechs Begleitpersonen, an denen man nicht anstehen muss. Die Reichen bezahlen deshalb Behinderte dafür, dass sie sich einen Nachmittag als 'Familienmitglied' ausgeben, um so lästiges Warten zu verhindern. Das Ganze läuft natürlich inoffiziell und gilt derzeit als DER Geheimtipp unter den 'Bel Air' und 'Park Avenue'-Damen.

Ans Licht gebracht hat diesen merkwürdigen 'Schwarzmarkthandel' die Autorin Dr. Wednesday Martin, während sie Recherche für ihr neuestes Buch 'Primates of Park Avenue' betrieb. Sie sagt, es gibt natürlich keine Agenturen, die körperbehinderte Menschen für diese Zwecke vermittelt, aber es gibt Listen von "mietbaren Behinderten", die die Society-Ladies untereinander austauschen. Dr. Martin erklärt: "Wer will schon einen Fast-Pass, wenn man seinen behinderten Guide vom Schwarzmarkt nutzen kann, um die Schlangen zu umgehen? Wer das macht, stellt klar, dass er zu den privilegierten Insidern gehört, die dieses Wissen haben und teilen."

Ja, der Spruch 'Geld verdirbt den Charakter' kommt nicht von ungefähr. Aber man muss wohl Verständnis zeigen. Wäre ja auch wirklich eine Schande, wenn die 'Richies' sich ihre Manolos und Jimmy Choos in den abgesaugten Bauch stehen müssten...

Viele Grüße aus Lalaland sendet Jessica Mazur

So beutet Hollywoods Society Menschen mit Behinderungen aus
© Bild: Jessica Mazur