'SMS für dich': Karoline Herfurth überzeugt bei ihrem Regiedebüt mit einer romantischen Komödie

"SMS für dich": So geht Liebe in Zeiten von Emojis und Dating-Apps
Clara (Karoline Herfurth) und Mark (Friedrich Mücke) haben ein Date © © 2016 Warner Bros. Ent., SpotOn
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Karoline Herfurths Regiedebüt

"So kurz dauert die Liebe und so lang das Vergessen." Diese eine Zeile aus einem Gedicht von Pablo Neruda beschreibt in seiner Kürze ziemlich genau, wie es Clara Sommerfeld (Karoline Herfurth) nach dem Tod ihres Verlobten geht. Ihre große Liebe Ben wird vor ihren Augen überfahren und auch zwei Jahre später findet die Kinderbuchautorin nur schwer zurück ins Leben. Um ihre Trauer besser zu bewältigen, findet Clara eine ungewöhnliche Lösung: Sie fängt an, SMS an Bens alte Handynummer zu schreiben. Dabei weiß sie natürlich nicht, dass die Nummer gerade erst neu vergeben wurde...

Ein Film über Verlust und Liebe im Zeitalter von Kurznachrichten

Das Regiedebüt "SMS für dich" von Karoline Herfurth (32, "Traumfrauen") behandelt ein Thema, mit dem sich wahrscheinlich jeder irgendwann einmal im Leben befassen muss: Verlust. Mit Geschick und Gespür für die kleinen Momente zaubert die Berlinerin daraus eine romantische Komödie, die perfekt ins deutsche Kino passt. Dabei sucht sie auch die Antwort auf die Frage, wie Liebe in Zeiten von WhatsApp und Dating-Apps funktioniert. Mit viel Gefühl, Witz und einem bis hin zur kleinsten Rolle hervorragend ausgewählten Cast liefert sie einen Film über die kleinen Schritte auf dem Weg zur großen Liebe.

Friedrich Mücke (35) spielt den Sportjournalisten Mark, der Bens alte Nummer zugeteilt bekommt. Erst überrascht, dann angetan liest er Claras sehnsüchtige Nachrichten, ohne zu wissen, wer sich dahinter verbirgt. Seine eigene Beziehung steht auf der Kippe, trotzdem setzt er alles daran, die mysteriöse SMS-Schreiberin zu finden. Mücke, der schon in Filmen wie "Friendship!" und "Vaterfreuden" sein vielseitiges Talent bewies, spielt auf überzeugende, ehrliche Weise. Eigentlich will er nur Lionel Messi, aber dann bekommt er doch viel mehr.

Karoline Herfurth, das Allround-Talent

Als Regisseurin und mitverantwortlich für das Drehbuch, könnte die weibliche Hauptrolle wohl keine eindringlicher und mit mehr Gefühl auf die Leinwand transportieren als Herfurth selbst. Der Zuschauer leidet, zweifelt und verliebt sich mit ihr. Sie schafft es mit einer herrlichen Selbstverständlichkeit, Gefühle zu erzeugen, die eins zu eins beim Publikum ankommen. Nach dem großen Erfolg der "Fack ju Göhte"-Filme, in denen sie ihr komisches Talent als Lisi Schnabelstedt beweist, zeigt sie in "SMS für dich" wieder ihre tiefgründige Seite.

Ein besonderes Augenmerk scheint Herfurth zudem auf die Nebenrollen gelegt zu haben. Nur selten überzeugt ein Film derartig auf Anhieb durch jede einzelne Besetzung. Sei es Nora Tschirner (35, "Zweiohrküken") in ihrer Paraderolle als Claras selbstbewusste Mitbewohnerin Katja, die stets mit konstant verschmiertem Lippenstift und einem guten, oder vielmehr gut gemeinten, Rat zur Seite steht, oder Frederick Lau (27, Traumfrauen"), der als Tschirners Pendant die Männerfront verstärkt.

Hervorragend besetzte Nebenrollen

Cordula Stratmann (52, "Alles ist Liebe") treibt einem in bekannter Manier und mit kecken Sprüchen ("Aus einem traurigen Arsch kommt nun mal kein lustiger Furz") als Verlegerin wie zu erwarten Lachtränen in die Augen, ebenso wie eine total überzogene, urkomische Katja Riemann (52) als Andrea-Berg-Helene-Fischer-Verschnitt. In ihrer Rolle als Schlagerstar Henriette Boot geht die Schauspielerin vollkommen auf und liefert, ähnlich wie in "Fack ju Göhte" als Rektorin, mitunter die unterhaltsamste Performance ab.

Im Kern an "E-Mail für Dich" mit Tom Hanks und Meg Ryan oder dessen Vorgänger "Rendezvous nach Ladenschluß" erinnernd, basiert das Drehbuch von "SMS für dich" auf der Erfahrung von Autorin Sofie Cramer. In ihrem persönlichsten Buch, wie sie selbst sagt, verarbeitet sie den Verlust ihres Freundes. Unterstrichen wird diese berührende Geschichte von einem gut durchdachten Soundtrack. So sorgt etwa die junge Künstlerin Femme Schmidt (26, "RAW") mit ihrer einzigartigen verruchten Stimme gleich doppelt für Gänsehaut, während Andreas Bourani (32) mit "Ultraleicht" und das Pop-Duo Boy mit "Fear" die richtigen Szenen zur richtigen Zeit untermalen.

Fazit

Karoline Herfurth hat bei ihrem Regiedebüt so ziemlich alles richtig gemacht. Sie hat sich eine Geschichte ausgesucht, die unter all der romantischen (Ultra-)Leichtigkeit und perfekt platziertem Humor ausreichend Tiefe besitzt, um das Publikum zu packen. Dabei gibt sie den Szenen die Zeit, die sie brauchen, ohne sie gekünstelt in die Länge zu ziehen. Der Streifen nimmt die Zuschauer ab dem 15. September mit auf eine gefühlvolle Achterbahnfahrt durch Berlin, wobei er mit punktgenauem Witz für zahlreiche Lacher sorgt und an den richtigen Stellen bewegt.

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