Slayer: Wie schlägt sich Satan mit einer Faust?

Slayer: Wie schlägt sich Satan mit einer Faust?
Gewohnt geschmackssicher: Das Cover von Slayers "Repentless" © Nuclear Blast

Sie galten einmal als die böseste und härteste Band überhaupt: Slayer schrieben in den 80ern mit virtuoser Brutalität, grenzwertigen Texten und einem kompromisslos satanischen Image Metal-Geschichte. Natürlich ist eigentlich bereits seit den 90ern ein wenig der Lack ab: Sänger Tom Araya keift längst nicht mehr so intensiv wie früher und hat sich obendrein als Katholik geoutet, mit Wunderdrummer Dave Lombardo ist die Band seit seinem zweiten Ausstieg heillos zerstritten. Doch Slayer blieben weiter Kult, auch wegen dem kongenialen Gitarrenduo Jeff Hanneman und Kerry King, der rechten und der linken Hand des Teufels. Ihr Sound und ihr Songwriting machten Slayer in der Flut der Thrash-Metal-Bands unverwechselbar.

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Neues Album "Repentless"

Doch 2013 ereignete sich der schwerste Einschnitt der Bandgeschichte: Hanneman, der bereits seit 2011 wegen einer durch einen Spinnenbiss verursachten Infektion pausieren musste, starb im Mai an einer Leberzirrhose. Slayer machten unbeirrt weiter, Gary Holt von den Thrash-Veteranen Exodus, der schon zuvor Hanneman vertreten hatte, nahm endgültig seinen Platz ein. Mit dem neuen Album "Repentless" ist nun der Augenblick der Wahrheit da: Können Slayer auf Dauer ohne Hanneman funktionieren? Die Antwort entzaubert den Mythos vielleicht noch ein wenig mehr, aber ja: Sie können.

"Repentless" bietet alles, was man von Slayer eben so erwartet: Rasante Nackenbrecher wie den Titeltrack, etwas langsamere, aber dafür umso bösartigere Songs wie "When The Stillness Comes", und auch der für Hanneman typische Punkeinschlag konnte hier und da herübergerettet werden, zumal manche Stücke wie etwa "Piano Wire" noch seine Handschrift tragen. Lediglich Hannemans markante Soli vermisst man dann doch, aber diese Lücke wird nie zu schließen sein. Ansonsten halten Slayer solide ihren Standard der letzten Jahre, womöglich ist "Repentless" sogar noch ein wenig besser als seine beiden unmittelbaren Vorgänger. Ein schnörkelloser Klassiker wie "Reign In Blood" bleibt natürlich weiter unerreicht, dafür hat sich auch hier wieder zu viel Füllmaterial eingeschlichen.

Man kann auch Stagnation auf einem durchaus hohem Niveau diagnostizieren, doch vermutlich war es für King als nun mehr alleinigen Songwriter zunächst wichtig, sich selbst und den Fans zu beweisen, dass Slayer auch ohne Hanneman weiter Slayer sind. Wahrscheinlich wäre es trotzdem eine gute Idee, beim nächsten Album Holt auch als Komponisten zum Zug kommen zu lassen. Vielleicht kommt so ein bisschen frischer Wind in die Angelegenheit, und das würde Slayer durchaus nicht schaden.

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