Slash im exklusiven Interview: "Selbst mein Sohn nennt mich Slash!"

Slash im exklusiven Interview: "Selbst mein Sohn nennt mich Slash!"
Slash im RTL.de-Interview: "Selbst mein Sohn nennt mich Slash!"

Kult-Gitarrist Slash ist richtig bodenständig geworden

Er hat mit 'Guns N‘ Roses' Musikgeschichte geschrieben, über 100 Millionen Alben verkauft und gilt als einer der besten Gitarristen aller Zeiten. Zudem gibt es wohl kaum einen Musiker, mit dem man das Klischee von 'Sex, Drugs & Rock´n Roll' so verbindet wie mit ihm: Saul Hudson, besser bekannt als Slash. Und es gibt wohl auch kaum einen Musiker, der es so exzessiv gelebt hat. Es gab Zeiten, in denen Wetten abgeschlossen wurden, dass dieser Mann seinen 30. Geburtstag nicht erlebt. Die Tatsache, dass Slash heute 49-jährig, erfolgreich und sehr lebendig vor uns sitzt, ist daher bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Er präsentiert sein inzwischen drittes Soloalbum 'World On Fire' mit seiner Band 'Myles Kennedy & The Conspirators'. Wir haben ihn zum exklusiven RTL.de-Interview getroffen und über die Nachwirkungen des Rock´n’Roll-Lifestyles, seine Angst vorm Singen – und seine Meinung zum aktuell geplanten 'Guns N‘ Roses'-Film geplaudert.

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Von Nicole Feybert

Die Backstage-Tür, hinter der Slash auf uns wartet, ziert das passende Schild: "El Jefe". Ja, hier residiert der Chef. Wir sind eins von nur drei Medienteams, das eine Backstage-Audienz bei der Rocklegende bekommen hat. Trotzdem ist die Zeit knapp, und die Auflagen sind streng: Fragen zu Guns N‘ Roses sind nicht erwünscht, auch Privates ist eher heikel. .. dazu später mehr. Slash selbst ist tiefenentspannt, als wir hereingebeten werden. Ein winziger Backstageraum, auf dem Sofa sitzt Slash - ohne Zylinder, dafür aber lässig mit Basecap, Sonnenbrille und Gitarre - und begrüßt uns freundlich. Kann jemand wie er eigentlich auch mal unerkannt durch die Stadt spazieren? Er grinst. „An Showtagen geh ich eh nirgends hin. Aber wenn ich frei habe, was bislang eher selten war, dann schau ich mich auch mal um.“ Unerkannt? „Das mit dem Erkanntwerden, oh ja, das passiert. Und glaub mir, das kann gewaltig auf den Nerv gehen.“ Auf die Frage, ob es eigentlich irgendjemanden gibt, der ihn noch „Saul“ nennt, schüttelt er den Kopf. „Nein. Selbst mein ältester Sohn mag es, mich ‚Slash‘ zu nennen. Dann hat er allerdings Ärger am Hals“. Breites Grinsen.

Wer seine 2007 erschienene Autobiografie gelesen hat, weiß, dass dieser Musiker jahrzehntelang ein Leben voller Exzesse geführt hat. Mehr als einmal hat ihn sein früherer Sex-Drugs-Rock´N Roll Lifestyle um ein Haar das Leben gekostet. Nach einem besonders dramatischen Drogenabsturz war er acht Minuten lang klinisch tot. Herzstillstand. 2001 wurde ihm zudem die Rechnung seines Alkoholkonsums präsentiert: Ihm wurde mit nur 35 Jahren ein Defibrillator, eine Art Herzschrittmacher, implantiert. „Das war so ein Sicherheitsnetz, damit ich nicht draufgehe, wenn mein Herz mal wieder aussetzt oder zu schnell schlägt. Allerdings hatte ich vergessen zu erwähnen, dass meine Herzfrequenz durch die Decke geht, wenn ich auf der Bühne stehe.“ Das bekam er schmerzhaft zu spüren: „Mitten auf der Bühne mit Michael Jackson. Niemand hat es bemerkt, selbst Michael nicht. Er hat es auch nie erfahren. Ich bekam während meines Auftritts vier, fünf elektrische Schläge von innen gegen die Brust und wusste gar nicht, was los war. Ich dachte, das sei ein Kurzschluss im Gitarrenkabel oder sowas. Gleichzeitig musste ich den Auftritt durchziehen und auf der Bühne so tun, als sei alles normal. Sehr bizarres Erlebnis!“ Slash grinst. „Ach ja, ich habe das Ding dann nachjustieren lassen.“ Er hat ihn bis heute, jedoch habe sich sein Herz erholt, versichert er.

„Die Guns-Biografie? Schau ich mir nicht an.“

Slash im exklusiven Interview: "Selbst mein Sohn nennt mich Slash!"
Kult-Gitarrist Slash im exklusiven Interview mit RTL.de-Redakteurin Nicole Feybert.

Heute sieht sein Leben anders aus: verheiratet, zwei Söhne und seit 2007 clean. Drogen und Alkohol rührt er nicht mehr an, selbst die Zigaretten hat er aufgegeben. Die einzige Droge heute: Kaffee. Je stärker, desto besser. War früher keine Kneipe vor ihm sicher, so nutzt er heute seine Zeit, um Songs zu schreiben. Sie auch selbst zu singen, das kommt für den Vollblut-Gitarristen nicht in Frage. „Ich habe zwar eine gute Rock´N‘Roll Stimme, aber ich mag es nicht zu singen. Ich bin keine besonders offene Person, eher schüchtern, wenn es um öffentliche Auftritte geht. Ich schau ja noch nicht mal mein Publikum an, wenn ich spiele. Meine Augen sind dabei fast immer geschlossen. Deshalb trage ich die Sonnenbrille und ziehe dazu noch den Hut ins Gesicht. Mich ans Publikum zu wenden, kostet mich viel Überwindung.“ Da haken wir nach. Slash und schüchtern? Er lacht. „Ja. Singen ist eine Art, deine Gedanken und Gefühle mit anderen zu teilen. So bin ich nicht. Alles, was ich an Gefühlen kommuniziere, mache ich mit der Gitarre. Nicht mit meiner Stimme. Du wirst mich nie im Leben da ans Mikro kriegen und über Dinge singen hören, die mich bewegen. Niemals.“ Gibt es ein Instrument, das er gerne noch lernen würde? „Das glaubt mir kein Mensch, aber ich würde gern lernen, Harfe zu spielen.“ Wie bitte? Slash lacht. „Das ist ein tolles Instrument, ehrlich! Irgendwann werde ich mir so ein Ding kaufen und spielen.“

Es klopft an der Tür – unsere Zeit ist fast um. Schade, denn Slash ist ein äußerst sympathischer Zeitgenosse. Zum Thema Guns N‘ Roses brennt uns, trotz Ansage des Managements, eine Frage unter den Nägeln, die sehr viele Fans zur Zeit beschäftigt: Was denkt er über den aktuell geplanten Film? Wir wagen zu fragen. Slash bleibt gelassen und winkt ab. „Weißt du was, der ist gar nicht autorisiert. Die können den Film von mir aus machen, aber ich werde mir den ganz sicher nicht ansehen!“ Ein klares Statement. Guns N‘ Roses ist Musikgeschichte – aber eben Geschichte. Slash hat mit Myles Kennedy einen neuen und sehr erfolgreichen Weg eingeschlagen. Wer es nicht zu den beiden Deutschland-Shows geschafft hat, kann sich im kommenden Festival-Sommer live davon überzeugen.

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