"Sing meinen Song": Diplomatie und Tränen für die Oma

"Sing meinen Song": Diplomatie und Tränen für die Oma
Daniel Wirtz löste mit seinem Cover des Pur-Songs "Wenn sie diesen Tango hört" heftige Emotionen aus © VOX/Markus Hertrich

Zu behaupten, die Qualität von Hartmut Englers (53) Band Pur sei "umstritten"... das trifft die Sache nicht ganz. Denn eigentlich werden in dieser Angelegenheit keine Argumente mehr ausgetauscht. Es gibt da jene Fraktion, die Pur großartig findet. Und dann all die anderen, die mit den Angehörigen dieser Gruppe am liebsten gar nicht in einem Raum gesehen werden wollen. Vor diesem Hintergrund geriet die Ausgabe von "Sing meinen Song" am Dienstag zu einem interessanten Krisenexperiment: Denn sieben Musiker, die bislang eher nicht im Verdacht standen, Pur zu hören, mussten Englers Songs vor laufender Kamera covern.

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Hartmut Engler im Fokus

Wie also geht man diese Gratwanderung an, wenn man einerseits erfolgreicher Popmusiker mit intaktem Image ist, andererseits aber gerade mit dem Pur-Sänger tausende Kilometer von zu Hause in einem Feriendomizil unter einem Dach einquartiert ist? Die Antwort ergab sich schnell: Mit offen zur Schau getragenem Respekt vor der handwerklichen Leistung des Kollegen Engler. Und ein wenig subtiler Distanzierung.


"Man muss die Texte schon ein bisschen zusammenfassen"

"Man kann ja von den Hartmut-Texten halten, was man will - aber sie sind alle durchdacht bis zum Ende", gaben die beiden anwesenden Prinzen zu Protokoll, nachdem sie unter anderem den Radio-Hit "Lena" gecovert hatten. Yvonne Catterfeld (35) drehte das irgendwie andersherum: "Der rotzt das einfach so raus wie's ihm einfällt", klagte sie. "Das sind Worte, die ich nie so gewählt hatte: 'Zweifels-Marterpfeile quer durch Hirn und Herz", rezitierte die Teilzeit-Schauspielerin gewissermaßen mit spitzen Fingern. "Aber wie viele Menschen er damit erreicht, das gibt ihm schon recht." Und der Zuschauer notierte irritiert: Das war ein Mainstream-Diss aus dem Munde Yvonne Catterfelds.


Auch Andreas Bourani (31, "Auf uns"), der eine recht kredible Soulvariante des Pur'schen Schmachtsongs "Funkelperlenaugen" wagte und eigentlich voll des Lobes für die emotionale Qualität von Englers Songs war, musste da auf Nachfrage ein kleines Geständnis machen. Denn den ganzen Text hatte er lieber nicht in sein Cover mit hinüber genommen: "Man muss die Texte schon ein bisschen zusammenfassen", grinste er verlegen.


Und dann doch noch: Echte Tränen!

Dass der Abend mehr Potenzial bot, als nur ein musikalisch harmloses Spiel aus Respekt und sachter Ironie, bewies dann aber tatsächlich noch Ex-Sub7even-Sänger Daniel Wirtz (39). Er spielte schlicht und gerade den Pur-Song "Wenn sie diesen Tango hört". Ein Lied, das Engler einst für seine Oma schrieb, ohne große Wortkapriolen, eine Verbeugung vor der Verwandten und der Endlichkeit des Lebens. Der Autor selbst vergoss Tränen - und sie wirkten noch nicht einmal so arg eingeplant wie sonst bisweilen bei "Sing meinen Song". Der Rest der Runde saß ebenfalls sichtlich in Gedanken versunken. Dafür kassierte Wirtz auch gleich den Tagessieg.


Um unter Pur-Skeptikern keine Weltbilder zu zerstören, spielte Engler allerdings auch noch selbst einen neuen Song; "Weltpremiere, gewissermaßen". Eine feine dichterische Klinge schwang der 53-Jährige in dem Lied nicht. Ein wenig "reim dich, oder ich fress dich" und dann eine ganz klare Forderung nach mehr Anstand in der verderbten Welt hörte das VOX-Publikum: "Achtung, Achtung! Achtung und Respekt". Es ist bei allem Respekt davon auszugehen, dass auch Yvonne Catterfeld diese Worte so nicht gewählt hätte.



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