Sinfonischer Jazz-Tribute für Esbjörn Svensson

Esbjörn Svensson
Seine Musik bleibt: Esbjörn Svensson. Foto: ACT/Grosse-Geldermann © deutsche presse agentur
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Die Musik von Esbjörn Svensson, dieses kühne Amalgam aus Klavier-Jazz, Pop-Hooklines und Rock-Rhythmik, ist heute so aktuell wie eh und je. Viele virtuose Pianisten beziehen sich auf den Schweden, der am 14. Juni 2008 - gerade mal 44 Jahre alt - beim Tauchen in Stockholm tödlich verunglückte.

Wie prachtvoll seine Kompositionen auch mit klassischem Orchester funktionieren, zeigt "E.S.T. Symphony" (ACT), eine Hommage der beiden Trio-Mitstreiter Dan Berglund (Bass) und Magnus Öström (Schlagzeug) sowie anderer Svensson-Verehrer. "Es wäre ein Fehler, über Esbjörns Musik in der Vergangenheit zu sprechen, denn seine Musik bleibt", sagt der berühmte Posaunist Nils Landgren, ein langjähriger Freund und Wegbegleiter. Er selbst hat auf dem neuen Tribute-Werk nicht mitgewirkt, bringt aber mit seinen Worten den Spirit von "E.S.T. Symphony" auf den Punkt.

Die fast 80-minütige Platte enthält zehn Stücke des Pianisten, der in den 90er- und Nuller-Jahren mit seinem Trio e.s.t. so viel Einfluss erlangte wie kaum ein anderer Jazz-Musiker. Und da hier neben Berglund und Öström so herausragende Solisten wie Iiro Rantala (Piano), Marius Neset (Saxofon) und Verneri Pohjola (Trompete) mitwirken, läuft das Projekt nie Gefahr, zu einem sinfonisch aufgeblasenen, pathetischen Klassik-Jazz-Quark zu verkommen.

Das von Hans Ek geleitete Royal Stockholm Philharmonic Orchestra deckt die Feinheiten im Spiel der sechs Jazz-Musiker nicht zu, sondern es erweckt den typischen e.s.t.-Klang zu neuem Leben (etwa im traumhaft schönen "From Gararin's Point Of View"). "Es war eigentlich eine unmögliche Herausforderung, aus einem Trio eine 90-köpfige Orchestermusik zu machen", sagt Ek. "Aber die Möglichkeit, e.s.t. eine neue Gestalt zu geben, hat mich gereizt. Die Vision von e.s.t. weiterzuführen, stand dabei immer im Vordergrund."

Dieser Respekt jenseits persönlicher Eitelkeiten prägt auch das Ensemblespiel von Rantala und Co. Vor allem der Finne, ganz klar ein Bruder im Geiste Svenssons, brilliert mit rasanten Piano-Soli (etwa in "When God Created The Coffeebreak"), aber eben auch vielen mannschaftsdienlichen Beiträgen. So stehen Ehrfurcht vor einem beeindruckenden Gesamtwerk neben kraftvoller Experimentierfreude, wie sie dem Geehrten selbst immer zu Eigen war. Oder, wie das Label ACT treffend zusammenfasst: Diese Jazz-Sinfonie ist "Erinnerung und Aufbruch" zugleich.


Quelle: DPA
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