Sinfonische Soul-Balladen: Laura Mvula

Laura Mvula
Mit Soul unterwegs: Laura Mvula: Foto: Label © DPA

In ihrer sehr speziellen Soulmusik vermischen sich hymnischer Pop, beseelter Gospel, sinfonische, karibische und afrikanische Elemente. Die Britin Laura Mvula sorgt auch mit ihrem zweiten Album für manche Gänsehaut.

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Das war vor drei Jahren beim Debüt "Sing To The Moon" nicht anders. Man spürte in den von Mvulas gewaltiger Stimme getragenen Liedern stets Schmerz und Verletzlichkeit - dies war eindeutig nicht der übliche, mit modernem Beat-Schnickschnack und einem Heer von Produzenten tanzflurtauglich gemachte R&B vieler Zeitgenossinnen. Sondern eine vor allem auf intensiv brodelnde Balladen setzende Songsammlung, die völlig zu Recht in vielen Bestenlisten des Jahres 2013 auftauchte.

Etwas überraschend für eine so qualitätvolle Musik landete die Platte sogar in den Top Ten der britischen Pop-Charts. Die Erwartungshaltung war also hoch für "The Dreaming Room" (RCA/Sony), das zweite Studioalbum von Laura Mvula (davor hatte sie noch eine Live-Platte mit dem renommierten niederländischen Metropole Orkest veröffentlicht). Und die 29-Jährige aus Birmingham enttäuscht die Hoffnungen nicht.

Die erste Single "Overcome" ist für Mvulas Verhältnisse fast schon unverschämt leichtfüßig, mit einem 70er-Disco-Gitarrenlick, wie es nur der große Nile Rodgers (Chic, Daft Punk) liefern kann (tut er hier auch). Aber selbst in diesem verspielten Pop-Track überwältigen bereits vielschichtige Chor-Arrangements, die für "The Dreaming Room" insgesamt typisch sind.

Mittel- und Höhepunkt eines ambitionierten, mehr zum konzentrierten Zuhören als zum Abtanzen geeigneten Albums ist "Show Me Love", das als Piano-Ballade mit traumhaften Vocals beginnt und sich in einen sinfonischen Rausch hineinsteigert. Hier zeigt sich, wie virtuos Laura Mvula und Mitproduzent Troy Miller inzwischen selbst einen riesigen Klangkörper wie das berühmte London Symphony Orchestra für ihre Auffassung von grandios-bombastischem Soul zu nutzen verstehen.

"The Dreaming Room" ist - wie zuletzt Michael Kiwanukas Zweitling "Love & Hate" - ein Beispiel dafür, welch tolle schwarze Musik derzeit in Großbritannien entsteht. Mag auch Beyoncé mit "Lemonade" dieses Jahr die erfolgreichere, weil spektakulärere Platte gemacht haben - Laura Mvula muss sich hinter der großen Soul-Schwester aus den Staaten nicht verstecken. "Phenomenal Woman" lautet der letzte, sehr groovige Song ihres neuen Albums - so viel Selbstbewusstsein kann sie sich leisten.


dpa
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